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So handeln Europas Top Stock-Picker

Neues Morningstar Research-Format skizziert die wichtigsten Käufe und Verkäufe von prominenten Fondsmanagern nach.

Fernando Luque 13.03.2017

Bereits seit acht Jahren verfolgen unsere Kollegen bei Morningstar in den USA die Aktivitäten ihrer favorisierten Aktienfondsmanager im Research-Format „Ultimate Stock-Pickers“. Jedes Quartal wühlen sich unsere Aktienanalysten in Chicago durch die gemeldeten Transaktionen von derzeit 26 favorisierten Fondsmanagern bzw. Fonds. Wir haben dieses Format nunmehr auf Europa übertragen und die Käufe und Verkäufe von 23 prominenten Fondsmanagern, die paneuropäische Portfolios managen, nachvollzogen (lesen Sie hier mehr zu den Fondsmanagern und ihren Fonds hier). Wir stellen Ihnen zunächst das neue Format vor, bevor wir die wichtigsten Transaktionen per Ende 2016 auflisten. 

Wie wir zu den ultimativen Stock-Pickern gekommen sind 

Die Auswahl der „ultimativen europäischen Stock-Picker“ folgt den Vorgaben unserer Fondsanalysten in Europa und in Asien. Sie haben sich für die Fondsmanager entschieden, deren Aktienauswahl nur das Ergebnis von Stock-Picking ist und die Portfolios verwalten, die ohne Restriktionen von Benchmarks aufgebaut werden. Im Englischen spricht man von so genannten „High Conviction Portfolios“. Diese Auswahl ist diskretionär und insofern in gewissem Masse subjektiv. Allerdings folgt die Auswahl zugleich einem bewährten System: Ausgewählt werden nur Fonds, die über ein positives Morningstar Analyst Rating verfügen („Gold“, „Silver“ oder „Bronze“). Es handelt sich also um „alte Bekannte“. 

Keinen Spielraum gibt es indes mit Blick auf die Kategorien, denen die Fonds entnommen wurden. Es sind die Standardwerte-Kategorien „Aktien Europa Standardwerte Blend“, „Aktien Europa Standardwerte Value“, „Aktien Europa Standardwerte Growth“ „Aktien Europa dividendenorientiert“ und „Aktien Europa Flex-Cap“. Es sollte ganz Europa sein, eine Fokussierung auf die Eurozone hätte wichtige Märkte, wie etwa die Schweiz, Grossbritannien oder Norwegen ausgeschlossen. 

Aufmerksame Beobachter werden natürlich feststellen, dass einige Fondsgesellschaften mit mehreren Produkten in der Auswahl vertreten sind. Das ist etwa u.a. bei Fidelity, Jupiter oder Schroders der Fall. Das ist insofern kein Problem, als wir nur Fondsmanager mit klaren Unterscheidungsmerkmalen auswählen. Typischerweise werden also die unterschiedlichen Fonds identischer Häuser keine grossen Überschneidungen aufweisen.

Kommen wir nun zu den Fonds, auf denen diese Auswertung basiert. 17 von 23 favorisierten Fonds bzw. Fondsmanager haben per Ende 2016 ihre Holdings berichtet. Sie finden sich in der unteren Tabelle. 

Tabelle: Die europäischen Stock-Picker per Ende 2016

Wie haben die oben aufgeführten Manager 2016 abgeschlossen? Welche Aktien waren ihre Top-Favoriten? Die untere Übersicht zeigt die zehn wichtigsten Käufe, die so genannten High Conviction Investments. Dafür qualifizieren sich die Aktien, die im vierten Quartal 2016 weiter in den Portfolios aufgebaut wurden und eine substanzielle Gewichtung in den Fonds aufweisen.

Wie aus der unteren Liste hervorgeht, zählten ING, BNP Paribas und Royal Dutch Shell zu den High Conviction Trades. Sie wurden von vier Fonds substanziell aufgestockt. Interessant ist, dass Finanztitel auch mit Blick auf die Sektorgewichtung im vierten Quartal deutlich in den Fonds aufgestockt wurden. Financials machten per Ende 2016 im Schnitt 15,6 Prozent der Portfolios aus nach nur 12,5 Prozent per Ende September. Das kann durchaus als Teil der allgemein bemerkbaren Rotation von defensiven Branchen hin zu Zyklikern interpretiert werden. 

Auffällig ist auch, dass mit Price/Fair-Value-Ratios von überwiegend 0,9 bis 1,0 die Top-Favoriten nahe ihres fairen Werts notierten. Das Drei-Sterne-Aktien-Rating der meisten Aktien deutet indes darauf hin, dass es sich keinesfalls um Schnäppchen handelt.

Die RWE-Abspaltung Innogy, welche das Green-Energy-Geschäft auf sich vereint, zählt ebenfalls zu den Favoriten der Fondsmanager.

Tabelle: Die High Conviction Investments 2016

Die zweite Übersicht zeigt – ungewichtet – die häufigsten Käufe der Fonds im vierten Quartal. Auch hier finden sich Finanztitel überdurchschnittlich häufig, was darauf hindeutet, dass viele Manager die zyklische Komponente ihrer Portfolios verstärkt haben. Die Top-Käufe mit je vier Transaktionen waren ING, NN Group, BNP, AXA sowie (erneut) Innogy und der Tabakkonzern BAT. 

Tabelle: Die häufigsten Käufe im vierten Quartal

Die nächste Übersicht zeigt die wichtigsten Neuzugänge in den Portfolios europäischer Stock-Picker per Jahresende 2016 gegenüber dem dritten Quartal. Auch hier finden sich mit NN Group, Sperbank und HSBC drei Finanztitel, aber auch Technologie-Aktien wie Aveva, Domestic Group und STMicroelectronics wurden erstmals gekauft. 

Tabelle: Die wichtigsten Neuzugänge im vierten Quartal

Kommen wir nun zu den Verkäufen der europäischen Stock-Picker. Die untere Tabelle zeigt die am häufigsten abgestossenen Aktien. Auffällig ist, dass sich die Branchen defensive Konsumgüter (Carlsberg, Svenska Cellulosa), Healthcare (Sanofi, Roche) und Rohstoffe (CRH, Sika) besonders häufig unter den Abgängen befanden.

Tabelle: Die häufigsten Verkäufe im vierten Quartal Zu guter Letzt führen wir die Aktien auf, die vollständig im vierten Quartal verkauft wurden. Auch hier finden sich Konsumgüter besonders häufig unter den Abgängen, was zum Aufstieg der Zykliker passt, die besonders verstärkt nach der US-Präsidentschaftswahl gesucht wurden. Nicht in dieses Bild passt, dass Aktien wie Banco Popular Espanol ebenfalls zu den Total-Verkäufen zählten. Hier könnten die Stock-Picker auf die hohen Kursverluste der spanischen Bank reagiert haben. Der Abschied von bestimmten Aktien könnte auch auf Gewinnmitnahmen basieren, etwa beim Konsumtitel adidas: Die Aktie des Herzogenauracher Konzerns machte einen Kurssprung von fast 70 Prozent (auf Euro-Basis) im Jahr 2016. Gut möglich also, dass unsere Stock-Picker das Kurspotenzial hier ausgereizt sahen. 

Tabelle: Die Total-Verkäufe im vierten Quartal

Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es