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Bei Kurzläufern lautet das Motto: No Risk, No Fun, No Return

In Zeiten wachsender Unsicherheit an den Rentenmärkten schauen viele Anleger auf Kurzläufer-Fonds. Doch was können diese Produkte liefern? Eine Übersicht aus der Perspektive von zwei Anlegertypen.

Ali Masarwah 17.03.2017

Investoren, die Bedenken vor steigenden Renditen haben, wollen in der Regel auf Nummer sicher gehen und die Gefahr von Verlusten in ihrem Bond-Portfolio minimieren. Mit der jüngsten Zinserhöhung der FED in dieser Woche dürften immer mehr Anleger auch hierzulande von turbulenten Zeiten ausgehen. Auch wenn auf dieser Seite des Atlantiks die Notenbanken in der Eurozone und der Schweiz unverändert die Zinsen tief halten, haben die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt, dass steigende Renditen in den USA reale Ansteckungsgefahren auch für Europas Obligationenmärkte mit sich bringen.

Solche Anleger könnten Kurzläufer-CHF-Fonds als naheliegende Instrumente ansehen. Doch nicht nur für defensive Bond-Strategien dürften diese Produkte interessant sein. Zugleich ziehen diese Fonds in Zeiten negativer Zinsen Investoren an, die zuvor Geldmarktfonds gekauft haben. Angesichts der Tatsache, dass die „Strafzinsen“ der Notenbanken Geldmarktfonds auch nominal zu Verlustbringern gemacht haben, haben Kurzläufer, die typischerweise die Laufzeitbänder zwischen ein und drei Jahren abdecken, auch das Zeug zum Cash-Ersatz; eine Rendite-Quelle also, und sei diese Quelle noch so klein.  

Das zeigt, dass Kurzläuferfonds inzwischen zwei Funktionen zu erfüllen haben: Einerseits sollen sie eine Airbag-Funktion für Rentenportfolios erfüllen. Andererseits haben sie gefälligst Renditeerwartungen für Anleger zu erfüllen, die auch in überschaubaren Perioden nicht auf Rendite bzw. einen Inflationsausgleich verzichten wollen. 

Gibt es die kurzlaufende Eier legende Wollmilchsau? 

Der aufmerksame Leser wird vielleicht bereits an dieser Stelle einen sich anbahnenden Zielkonflikt ausgemacht haben: Rendite und Sicherheit: Lässt sich das vielleicht im knochentrocken-konservativen Kurzläufer-Segment kombinieren? Gibt es gar die kurzlaufenden Eier legende Wollmilchsau? 

Um die Frage zu beantworten, haben wir uns die kleine Kategorie der CHF-Kurzläufer vorgenommen und deren Rendite-Risiko-Profil seit dem Frühjahr 2010 überprüft, die Zeit, die von einem kontinuierlichen Renditerückgang geprägt war, in der gleichwohl zwischenzeitlich volatile Perioden die Bond-Märkte durchgeschüttelt haben. Wir haben vier solche Zwischenphasen gezählt: Zwischen September 2010 und Anfang April 2011, Sommer 2013 und von April bis Frühsommer 2015. Auch seit dem Herbst 2016 ging es an den europäischen Bond-Märkten zeitweilig ruppig zu. 

Im Schnitt erwirtschafteten die Fonds ein jährliches Plus von 0,76 Prozent. Nach Abzug der Inflation steht hier real also allenfalls eine schwarze Null. Die meisten Fonds lagen deutlich darunter. Ein Fonds, der iShares ETF, musste jedes Jahr einen minimalen Verlust hinnehmen. 

Tabelle: Die CHF-Kurzläuferfonds: Rendite und Risiko

 

Kurzlaufende Rentenfonds reissen also Rendite-seitig nicht die sprichwörtlichen Bäume aus, was angesichts des Zinsumfelds nicht verwundert. Zu beachten ist allerdings, dass auch die bescheidene Performance nicht ohne Risiko erkauft wurde. Der beste Performer, der CS (Lux) Corporate Short Duration CHF Bond, verlor in den vergangenen Jahren maximal 3,12 Prozent, während der durchschnittliche Kurzläuferfonds nur 0,93 Prozent in der Spitze verlor. Der höchste maximale Verlust fiel beim LGT Strategy 2 Years an. Er brach maximal um 8,07 Prozent ein. Der iShares ETF büsste 2,93 Prozent ein, der Pictet-Fonds um 2,72 Prozent ein. 

Pessimisten bzw. Beobachter, die den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko nicht vergessen haben, wird dieser Befund indes nicht wundern. Da der maximale Verlust die reale Entwicklung eines Fondspreises nachvollzieht, dürften solche Grössenordnungen nicht akzeptabel sein für Anleger, die einen Geldmarktersatz suchen und deshalb nicht mit Verlusten leben können. 

Leider hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass die Spanne zwischen Fondspreisberg und Fondspreistal, die der maximale Verlust ausdrückt, durchaus massgeblich für das Handeln von Anlegern ist. Im Zweifel ziehen risikoaverse Investoren genau dann die Notbremse, wenn der potenzielle Verlust am höchsten ist. Dann hat so ein Investment nichts mit Cash-Ersatz zu tun. 

Immerhin positive Sharpe Ratios, Gebühren indes zu hoch 

Das bringt uns zur Frage: Lohnt es sich für rendite-orientierte Anleger, bei Kurzläufer-Obligationenfonds Risiken einzugehen? Nimmt man die Sharpe Ratio als Mass für die risikoadjustierte Rendite, dann lautet die Antwort: gerade noch. Alle Fonds in unserer Tabelle weisen einen positiven Wert bei der Sharpe Ratio aus. Das deutet an, dass sich das Risiko grosso modo gelohnt hat, auch wenn die Erträge minimal sind und sich die Frage stellt, ob Rendite-orientierte Anleger mit einer Realrendite von einer schwarzen Null tatsächlich zufrieden sind. 

Kommen wir zum Schluss zu einem Faktor, der eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Rendite-Risiko-Profils der Fonds spielt: die Kosten. Bei laufenden Jahresgebühren von bis zu 1,44 Prozent lässt sich also die These vertreten, dass im derzeitigen (bestenfalls) Null-Renditeumfeld Kurzläufer-Obligationenfonds schlicht zu teuer sind, um eine attraktive Performance erzielen zu können.  

Das Fazit 

Als Fazit unserer Kurzübersicht bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass auch die besten Kurzläuferfonds seit 2010 gerade einmal einen Inflationsausgleich schaffen konnten. Der Preis dafür waren vereinzelt signifikante Draw-Downs. Das macht die sportlicheren Fonds der Kategorie ungeeignet für Anleger, die einen Geldmarktersatz suchen und nicht mit Rücksetzern leben können oder wollen. Keine Rendite ohne Risiko also. Und natürlich spricht nichts dafür, dass sich an diesem Befund künftig etwas ändern wird. Denn die Zinsen im Franken-Währungsraum bleiben bis auf weiteres niedrig (zumindest, solange das Zinsniveau in der benachbarten Eurozone bei derzeit auf dem aktuellen Niveau verbleibt). 

Die mickrigen Renditen könnten perspektivisch ein zusätzliches Problem darstellen, wenn man bedenkt, dass die Inflation derzeit im Ansteigen begriffen ist. Die Teuerung könnte sich also in der fortdauernden Nullzins-Ära künftig noch gemeiner als bisher in die Nominalrenditen fressen. Das bedeutete zusätzlichen Gegenwind für Kurzläufer-CHF-Bondfonds.

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.