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Obligationenfonds bleiben das Brot-und-Butter-Geschäft der Fondsindustrie in Europa

Morningstar Mittelflussstatistik zeigt, dass aktiv verwaltete Aktienfonds in der Gunst der Anleger im März wieder zurückgefallen sind.

Ali Masarwah 08.05.2017

Im Monat März hat die europäische Fondsindustrie erneut robuste Mittelflüsse verbucht. Ohne Hinzurechnung der Zuflüsse in Publikumsfonds konnten in Europa domizilierte Fonds Nettozuflüsse von 38,5 Milliarden Euro verbuchen, wie aus der Morningstar Absatzbilanz für Fonds hervorgeht. Das war der zweithöchste in einem Monat gemessene Zuspruch seit Mai 2015. Bond-Fonds führten erneut die Liste der beliebtesten Asset-Klassen an mit einer Nettovertriebsleistung von 25,6 Milliarden Euro. Diese Nachfrage wurde von hochverzinslichen Produkten wie Schwellenländer-Obligationenfonds angeführt. (Im Gegenzug mussten tiefrentierliche Euro-Staatsanleihen Abflüsse hinnehmen). 

Auch Mischfonds verbuchten einen sehr kräftigen Schub im Neugeschäft. Im März wurden 10,9 Milliarden Euro netto in Aktien-Rentenfonds investiert, das höchste Niveau seit März 2015. 

Indes mussten Aktienfonds minimale Abflüsse hinnehmen. Dahinter verbergen sich hohe Abflüsse aus aktiv verwalteten Aktienfonds – 3,3 Milliarden Euro – die spiegelbildlich von Zuflüssen in passive Fonds begleitet wurden, sodass eine rote Null zustande kam. Zu beachten ist allerdings, dass unsere Publikumsfondsstatistik keine ETFs erfasst. Rechnet man die Zuflüsse in Höhe von 6,2 Milliarden Euro in Aktien-ETFs hinzu, dann hatten aktiv verwaltete Aktienfonds einen rabenschwarzen und passive Fonds einen höchst erfreulichen Monat. Das steht im Gegensatz zur Entwicklung in den ersten beiden Monaten, als aktiv verwaltete Aktienfonds recht solide Zuflüsse verbucht hatten und manch ein Beobachter sich versucht fühlte, eine Trendwende für aktiv verwaltete Fonds nach dem Annus Horribilis 2016 auszurufen.

Dank hoher Zuflüsse in französische Geldmarktfonds konnten diese kurzfristigen Parkvehikel hohe Zuflüsse im März verbuchen.

Tabelle: Zuflüsse nach Asset Klasse (Publikumsfonds ex Dachfonds und ex ETFs)

Unter den Morningstar Kategorien waren im März flexible USD Rentenfonds am stärksten gefragt, denen 4,6 Milliarden Euro netto zugingen. Allerdings war dies eine recht einseitige Geschichte: 3,9 Milliarden Euro flossen dem PIMCO GIS Income Fonds zu. „Sonstige“ Rentenfonds, eine heterogene Kategorie, die häufig höher rentierliche Instrumente, u.a. Senior Loans und Preferred Securities, umfasst, waren ebenfalls stark nachgefragt. Auch Schwellenländer-Rentenfonds verbuchten hohe Zuflüsse. Schwellenländer-Fonds für lokal dominierte Papiere sahen dabei die höchsten Zuflüsse in einer Einmonatsperiode seit Januar 2013. 

Auch Schwellenländer-Aktienfonds standen im März im Fokus europäischer Investoren. Sie sahen Zuflüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Euro, die größtenteils aktiv verwaltete Fonds ansteuerten, vor allem die von Eastspring und Comgest, aber auch Vanguard-Indexfonds. 

Tabelle: Zuflüsse nach Fondskategorie (Publikumsfonds ex Dachfonds und ex ETFs)

Ungeachtet der rekordverdächtigen Zuflüsse, die Rentenfonds in den vergangenen Monaten ansteuerten, so gab es doch etliche Verlierer unter dieser Asset-Klasse: Vor allem Euro-Staatsanleihen waren höchst unbeliebt. Darunter litten erneut auch diversifizierte EUR-Rentenfonds, die typischerweise einen Schwerpunkt auf Staatsanleihen haben. Doch auch Fonds für hochverzinsliche USD-Unternehmensanleihen verbuchten Abflüsse. Anleger trennten sich im Zuge einer Korrektur bei High Yields in den USA von diesen Papieren. Im März litt dieses Segment unter dem erneuten Öl-Preisrückgang, der die Emissionen der Förderer unter Druck setzte. 

Interessant ist, dass erneut auch Europa-Standardwertefonds unter Druck waren. Zwar fügt sich dies nahtlos in den Trend ein, der bereits seit geraumer Zeit vorherrscht: Seit Anfang 2016 werden europäische Aktienfonds durch die Bank verkauft. Doch die Höhe der Abflüsse ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass europäische Aktien eine sehr erfreuliche Performance-Bilanz in diesem Jahr aufweisen.

In Teile geht dies auf den Umstand zurück, dass etliche gleichermaßen prominente wie großvolumige Fonds besonders hohe Abflüsse hinnehmen mussten. Das betraf im März u.a. den Fidelity FAST Europe, BGF European, Henderson Horizon Pan European Equity und UBS (Lux) ES European Opportunity Unconstrained. Diese Fonds erzielen seit 2016 deutlich unterdurchschnittliche Renditen, was vor allem daran lag, dass die zwischenzeitliche zyklische Rally an ihnen vorbeiging. Diese Fonds hatten 2016 typischerweise defensive Branchen wie Pharma übergewichtet und Rohstoffe deutlich untergewichtet. Bei diesen Fonds könnten also prozyklische Verkäufe zu beobachten sein, die typischerweise bei Fonds auftreten, die unter Performance-Schwächephasen leiden. Bei qualitativ hochwertigen Fonds ist das bedauerlich und nicht im Interesse der Anleger, die leider selten die nötige Geduld aufbringen, die bei solchen Ansätzen vonnöten ist. (In diesem Jahr ist übrigens die Value-Rally bereits wieder versandet, sodass typische Quality-Growth-Fonds derzeit in den Ranglisten nicht ins bodenlose fallen.) 

Tabelle: Abflüsse nach Fondskategorie (Publikumsfonds ex Dachfonds und ex ETFs)

 

Blickt man auf die erfolgreichsten Fondshäuser im März und im ersten Quartal, dann sticht die US-Allianz-Tochter PIMCO ins Auge. Im März verzeichnete der Rentenmanager Zuflüsse von 4,9 Milliarden Euro. In den vergangenen zwölf Monaten beliefen sich die PIMCO-Nettozuflüsse auf 19,3 Milliarden Euro. Vergleicht man die heutige Situation mit den extrem hohen Abflüssen der Jahre 2014 und 2015, als die Fondsgesellschaft unter hohen Anteilsscheinrückgaben litt, dann ist der Turnaround bemerkenswert. Allerdings steuerten 80 Prozent der PIMCO-Zuflüsse der vergangenen zwölf Monate den bereits erwähnten PIMCO GIS Income an. Das relativiert den Erfolg etwas und erinnert an die Zeiten, in denen PIMCO vom gigantischen Run auf den PIMCO Total Return Bond profitierte. Dieser Fonds brachte Ende 2012 knapp 26 Milliarden Euro auf die Waage, musste allerdings hiernach auch unter dem Eindruck des Abgangs von PIMCO-Gründer Bill Gross hohe Abflüsse hinnehmen. Seitdem ist der Flaggschifffonds auf (freilich immer noch stattliche) 5,6 Milliarden Euro geschrumpft. Die Total Return Story zeigt, dass der Erfolg von Blockbuster-Produkten oft eine Kehrseite hat.

Hohe Zuflüsse konnte zuletzt auch wieder BlackRock verzeichnen. Der weltweit größte Anbieter von Publikumsfonds profitiert in diesem Jahr wieder von Zuflüssen in seine aktiv verwalteten Fonds, die noch im vergangenen Jahr hohe Abflüsse verbucht hatten. Zwar trugen auch aktiv verwaltete Aktienfonds zur positiven Bilanz in diesem Jahr bei, aber die höchsten Zuflüsse steuerten Rentenfonds an, vor allem Schwellenländer-Produkte. 

Amundi profitierte im März ebenfalls von der Nachfrage nach Rentenfonds, aber auch von Zuflüssen in Mischfonds. 

Dass Vanguard erneut zu den erfolgreichsten Managern gehörte legt Zeugnis über die unverändert hohe Nachfrage nach Indexfonds ab. 

Tabelle: Zuflüsse nach Fondsanbieter (Publikumsfonds ex Dachfonds und ex ETFs)

 

Indes war für Pioneer Investments auch der Monat März ein rabenschwarzer. Die Neuakquisition von Amundi erlitt Abflüsse von 1,5 Milliarden Euro, von denen 2/3 aus Rentenfonds abgezogen wurden. Dass Pioneer gegen den allgemeinen Trend im Rentenbereich Abflüsse erlitt, dürfte in Teilen auch auf den Abgang von Tanguy Le Saout im Dezember 2016 zurückzuführen sein. Vor allem die Fonds, die der ehemalige Europa-Rentenchef von Pioneer verantwortete, leiden seitdem unter Anteilsscheinrückgaben. 

Axa litt unter Abflüsse aus US-Hochzinsfonds, die im März marktbedingt unter der Zurückhaltung der Anleger litten. Fidelity konnte Abflüsse aus Aktien- und Rentenfonds nicht durch Zuflüsse in Mischfonds kompensieren.

Tabelle: Abflüsse nach Fondsanbieter (Publikumsfonds ex Dachfonds und ex ETFs)

Mit Blick auf die Absatzbilanz der größten Publikumsfonds in Europa bot der März ein ungewöhnliches Bild: Nur einer der Megafonds litt unter substantiellen Abflüssen: der in Großbritannien domizilierte SLI Global Absolute Return. Dieser Multi-Strategiefonds leidet seit dem vergangenen Jahr unter einer Performance-Schwäche, was verlustaverse Investoren bewegte, Geld aus dem Fonds abzuziehen. 

Indes profierten neben dem PIMCO GIS Income vor allem der AB Global High Yield Portfolio, der JPMorgan Global Income sowie der schwedische Pensionsfonds AP7 Aktiefond. Auch der Nordea Stable Return sah leichte Zuflüsse. Der Fonds ist nach wie vor für Neuanleger geschlossen. Dass überhaupt positive Mittelbewegungen stattfanden, liegt daran, dass es sich nicht um eine Totalschließung handelt. Pro Vertriebspartner sind seit Herbst 2016 Neuinvestments in einem Umfang von einer Million Euro monatlich erlaubt. 

Tabelle: Absatzbilanz der größten Publikumsfonds (ex Geldmarkt-, Dachfonds und ETFs)

 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.