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Nachhaltigkeits-ETFs: Wie halten sie es mit China?

In Schwellenländer-Portfolios können ESG-Screenings starke Indexabweichungen bewirken. Generell gilt: Je spezifischer der Filter, desto konventioneller kommt das Investment daher.

Ali Masarwah 30.05.2017

Indexinvestoren, die Nachhaltigkeitskriterien in Schwellenländerportfolios integrieren, haben möglicherweise nicht alle Konsequenzen dieser Entscheidung vor Augen. Die Produkte können sich unter Umständen sehr weit von den gewohnten, nach Marktkapitalisierung gewichteten Standardwerte-Indizes entfernen. Denn sie sind darauf ausgerichtet, ESG-Risiken zu reduzieren, und die können in Emerging Markets erheblich sein.

Das hat nicht nur für aktiv verwaltete Nachhaltigkeitsfonds, sondern auch für Nachhaltigkeits-ETFs Folgen. Sie sind unter Umständen ganz anders aufgestellt als der Standardwerte-Index MSCI Emerging Markets. Das betrifft vor allem China. In vielen Nachhaltigkeits-Indizes haben China-Aktien ein viel niedrigeres Gewicht als im MSCI Emerging Markets. Das liegt daran, dass viele Unternehmen dort auf allen Ebenen eine verheerende ESG-Bilanz aufweisen.

ESG-Bilanz chinesischer Unternehmen fällt oft verheerend aus

Stichwort Umwelt: Die rapide wirtschaftliche Entwicklung wurde von verheerenden Umweltschäden begleitet. Chinesische Unternehmen schneiden typischerweise auch unter Emerging Markets schwach ab.

Stichwort soziale Rahmenbedingungen: Es gibt keine ausreichenden Arbeitnehmerrechte. Das zeigte sich in der Vergangenheit wiederholt. Das Unternehmen Foxconn Technology, ein Zulieferer von Firmen wie Apple, Dell und HP, machte beispielsweise durch einige Selbstmorde in seiner Belegschaft von sich reden, was auch Folgen für den Aktienkurs hatte.

Stichwort Governance: Aktionäre finden in China einen intransparenten Aktienmarkt vor, der zudem häufig von Staatsunternehmen dominiert ist, die häufig quasi-stattliche Aufgaben wahrnehmen und nicht das Wohl von Minderheitsinvestoren als primäres Ziel verfolgen. Das zieht bei der Governance-Bewertung Minuspunkte nach sich. Leser unseres Nachhaltigkeits-Atlas werden wiederholt auf das schlechte Abschneiden Chinas aufmerksam geworden sein. 

Spiegelbildlich dazu sind südafrikanische, koreanische, taiwanesische und indische Unternehmen in einigen SRI-Indizes im Vergleich zu ihrem Gewicht im MSCI Emerging Markets überrepräsentiert. Die Exportorientierung indischer IT-Unternehmen, die auf die europäischen und US-Märkte ausgerichtet sind, bringt häufig die Erfüllung entsprechender ESG-Standards mit sich - und auch eine stärkere Gewichtung in den einschlägigen SRI-Indizes. Die untere Tabelle zeigt die Ländergewichtungen der (wenigen) Schwellenländer-Indexfonds mit SRI-Screenings am europäischen Markt. 

Je spezifischer der Filter indes ist, desto konventioneller kann das Investment daherkommen

Allerdings gilt es zu beachten, dass es doch recht stark auf den Einzelfall ankommt. Wer beispielsweise auf den BNPP Easy MSCI EM ex Controversial Weapons ETF setzt, hat zwar China untergewichtet, allerdings längst nicht in dem Masse, wie das bei anderen SRI-Indexprodukten der Fall ist. Der Grund: Hier geht es nur um den Ausschluss von Unternehmen, die geächtete Waffen herstellen. Das führt typischerweise nur zu wenigen Ausschlüssen, und zwar nicht nur in Schwellenländer-Indizes.

Auch das Beispiel des Northern Trust Indexfonds zeigt, dass – je nach Gestaltung des Nachhaltigkeitsfilters beim zugrundeliegenden Index -  Abweichungen gegenüber dem Mutter-Index nicht unbedingt gross sein müssen. Generell gilt dabei: Je strenger das ESG-Screening eines Schwellenländer-Index ausfällt, desto geringer ist der China-Anteil und desto stärker fällt die Abweichungen gegenüber dem MSCI Emerging Markets aus. Je spezifischer der Filter indes ist, desto konventioneller kann das Investment daherkommen.

Tabelle: Die Ländergewichtung ausgewählter ESG-Schwellenländer-Indexfonds

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.