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Nachfrage nach Obligationen treibt Mittelflüsse in Anlagefonds

Im Mai sahen hochverzinsliche Bond-Produkte eine hohe Nachfrage. Bei Mischfonds setzen Anleger auf Euro-Fonds. Aktienfonds auf deutlich niedrigerem Niveau gefragt. Der Morningstar Absatzbericht für europäische Anlagefonds.

Ali Masarwah 07.07.2017

Investmentfonds haben sich im Mai einer hohen Nachfrage erfreut. Nachdem im April bereits 47 Milliarden Euro in Langfristfonds geflossen waren, gingen europäisch domizilierten Anlagefonds im Mai 51,5 Milliarden Euro zu. In den ersten fünf Monaten waren es 226,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen Zuflüsse von gut 65,4 Milliarden Euro in Geldmarktfonds.

Die Absatzsteigerung im Mai geht vor allem auf das Konto von Bond-Fonds, die erneut im Vertriebsfokus standen. Sie sammelten netto knapp 26 Milliarden Euro ein. Convertibles, die wir als separate Anlageklasse ansehen, sammelten rund 850 Millionen Euro ein. Wie aus unseren Absatzschätzungen für Fonds weiter hervorgeht, verbuchten Asset Allocation Fonds Nettozuflüsse in Höhe von 16,3 Milliarden Euro, was vor allem auf die Nachfrage von EUR-basierten Produkten zurückgeht. 

Relativ verhalten war im Vergleich zum bisherigen Jahresdurchschnitt indes die Nachfrage nach Aktienfonds, die netto 4,0 Milliarden Euro einsammelten. Das war deutlich unter dem Niveau von Aktien-ETFs, denen im Mai gut sieben Milliarden Euro zugingen. (Unsere Anlagefonds-Statistik enthält keine ETF-Daten. Lesen Sie hier mehr zum ETF-Absatz im Mai.

Alternative Fonds, die hedgefondsähnliche Strategien verfolgen, sahen Nettomittelzuflüsse von 3,7 Milliarden Euro. Das geht vor allem auf die Nachfrage nach Multistrategie-Fonds und Long-/Short-Rentenfonds zurück. Geldmarktfonds sahen Zuflüsse von 2,4 Milliarden Euro. 

Tabelle: Fonds-Absatz im Mai nach Asset-Klassen

 

Das Übergewicht von Misch- und Rentenfonds im europäischen Fondsvertrieb wird deutlich anhand der am stärksten nachgefragten Kategorien illustriert. Das Top-zehn-Ranking enthält nur Misch- und Rentenfonds. (Die am stärksten nachgefragten Aktienkategorien waren im Mai globale Standardwertefonds sowie Aktien Europa ex Grossbritannien). Dass die Kategorie „Renten global flexibel“ die Liste anführt, basiert auf der immens hohen Nachfrage nach dem PIMCO GIS Income, der es alleine auf 3,7 Milliarden Euro an Nettozuflüssen brachte.

Generell muss man bei Blick auf die gefragten Rentenkategorien konstatieren, dass der Renditehunger von Investoren im derzeitigen Niedrigzinsumfeld der wichtigste Treiber war. Das gilt für alle in der unteren Tabelle aufgeführten Bond-Kategorien. Stichwort „Renten sonstige“: Diese Kategorie setzt sich aus einer heterogenen Gruppe an Fonds zusammen. Besonders hohe Absatzzahlen erzielten indes die höher rentierlichen Produkte wie Preferred Securities- und ABS-Fonds. Auch Schwellenländer-Rentenfonds sahen erneut eine hohe Nachfrage, vor allem Fonds mit Fokus auf Dollar-denominierte Papiere.

Bei Mischfonds standen flexible, defensive und ausgewogene EUR-Mischfonds im Vordergrund. Hier zeigten sich zwei Tendenzen: Zum einen konnten unabhängige Fondshäuser mit Blockbuster-Produkten Erfolge erzielen. Zu nennen sind hier vor allem Invesco, M&G sowie Flossbach von Storch. Zum anderen konnten auch die Asset Manager von Banken mit einem starken Privatkundenvertrieb punkten. Fondshäuser wie die deutsche genossenschaftliche Union Investment sowie Eurizon Capital, ein Asset Manager der italienischen Bank Intesa Sanpaolo, konnten im Mai ebenfalls mit Mischfonds grosse Vertriebserfolge erzielen.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Nettozuflüssen (ex Geldmarkt)

 

Kommen wir zu den ungeliebten Kategorien. Überwiegend verkauft wurden Aktienfonds sowie Fonds für EUR-Staatsobligationen, die unter den derzeit mageren Performance-Perspektiven im Niedrigzinsumfeld litten. Besonders unbeliebt waren US-Standardwertefonds Blend sowie USA-Value-Fonds. Sie mussten Abflüsse von 1,7 Milliarden bzw. 1,1 Milliarden Euro hinnehmen. Vor allem Fidelity, UBS und KBC erlitten Verluste. Gegen den Trend konnten bei US Standardwertefonds Blend (nichtbörsennotierte) Indexfonds punkten, vor allem Indextracker von BlackRock waren dabei gefragt.

Bei USA-Value-Fonds mussten Dankse Invest, OP, KBC und BlackRock die höchsten Abflüsse verkraften.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Nettoabflüssen (ex Geldmarkt)

 

Ein Blick auf die erfolgreichsten Fondsgesellschaften im Mai zeigt, dass PIMCO erneut der grösste Profiteur der Bond-Fonds-Hype war. Die Allianz-Tochtergesellschaft sammelte vor allem dank der hohen Nachfrage nach dem hochrentierlichen PIMCO GIS Income 5,3 Milliarden Euro ein. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres machte dieser Fonds 70 Prozent der Nettovertriebsleistung der Amerikaner in Europa aus.

Es folgte im Mai die französische Amundi mit Zuflüssen von netto 3,4 Milliarden Euro. Hier standen EUR-Kurzläuferfonds im Vordergrund. BlackRock konnte von seiner grossen Indexfonds-Palette profitieren, die zweidrittel der Nettomittelzuflüsse auf sich vereinen konnte. 

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Nettozuflüssen (ex Geldmarkt)

 

Die höchsten Abflüsse fielen auf Anbieterebene bei KBC an, dessen Aktien- und Wertsicherungsfonds unter Anteilsscheinrückgaben litten. Lyxor, nicht zu verwechseln mit Lyxor ETF, sah Abflüsse von 1,2 Milliarden Euro, was vor allem auf Rückgaben von Anteilen an Frankreich-Aktienfonds zurückging. Bei Fideuram, die zu einer Private-Banking-Einheit von Intesa Sanpaolo gehört, wurden vor allem EUR-Rentenfonds verkauft. 

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Nettoabflüssen (ex Geldmarkt)

 

Unter den grössten Anlagefonds in Europa gab es im Mai viele Gewinner. Neben dem bereits erwähnten PIMCO-Fonds profitierte der AB Global High Yield Portfolio. Diese Nachfrage steht im Einklang mit dem Run auf höher rentierliche Fonds.

Der M&G Optimal Income Fund wurde erneut gesucht. In diesem Jahr konnte dieser aktuell sehr defensiv aufgestellte Mischfonds von der Volatilität am Rentenmarkt mit zuletzt wieder steigenden Renditen profitieren. Indes musste der Standard Life Investments GARS nach wie vor hohe Rückgaben hinnehmen. In der unteren Tabelle ist nur die britische Tranche der alternativen Strategie enthalten. Die Luxemburger Variante, die im deutschsprachigen Raum vertrieben wird, hat ein Vermögen von 11,2 Milliarden Euro. Auch hier fielen im Zuge einer eher enttäuschenden Performance in der jüngsten Zeit Abflüsse in Höhe von 280 Millionen Euro an. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der grössten Publikumsfonds in Europa (ex Geldmarkt)

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.