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ETF-Absatzdynamik schwächt sich im August ab

Gesunkene Nachfrage nach Aktien-ETFs war der wesentliche Grund für die niedrigsten Zuflüsse in europäische ETFs seit September 2016. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für den Monat August.

Ali Masarwah 15.09.2017

Nach einer Phase dynamischen Wachstums in der ersten Jahreshälfte war die Nachfrage nach ETFs in Europa im August gedämpft. Wie unsere Absatzschätzungen zeigen, gingen den in Europa domizilierten ETFs im vergangenen Monat netto 3,5 Milliarden Euro zu. Das war das niedrigste Investitionsniveau seit September 2016. Gründe gab es etliche. Zum einen fielen die Neumittel in Aktien-ETFs auf ein Elfmonatstief. Auch die Nachfrage nach Bond-ETFs verharrte auf relativ niedrigem Niveau, so wie bereits im Juli. Zudem mussten Rohstoff-Produkte erstmals nach acht positiven Monaten im August Abflüsse hinnehmen. 

Ungeachtet der negativen Markteffekte (und der gedämpften Nachfrage) stieg das in europäischen ETFs investierte Vermögen gegenüber dem Vormonat von 613 auf 615 Milliarden Euro.

Tabelle: Vermögen und Mittelflüsse nach Asset Klasse

Am beliebtesten waren auf Fondskategorie-Ebene im August US-Standardwerte Aktien. Vorwiegend MSCI World Tracker sammelten netto gut 800 Millionen Euro ein. Im bisherigen Jahresverlauf hatten europäische Assets die höchste Nachfrage gesehen. Dieser Trend wurde mit dem Comeback von USA-Aktien-ETFs leicht modifiziert und keinesfalls auf den Kopf gestellt. Wie auch im Vormonat waren erneut Sektor-ETFs für Finanzaktien stark nachgefragt. Ein Blick auf Ebene der Einzelfonds verdeutlicht, dass vor allem ETFs für europäische Finanztitel gefragt waren. Das kann als optimistisches Signal für die Erwartungen von Anlegern zur konjunkturellen Entwicklung der Eurozone gewertet werden – schließlich gehören Banken zu den zyklischen Sektoren.

Auch die Nachfrage nach Schwellenländer-Aktien- und ETFs und Europa-Standardwerte-Produkten lässt auf eine eher optimistische Grundhaltung europäischer Investoren bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft schließen lässt.

Interessant ist auch der Umstand, dass deutsche Standardwerte-ETFs, das sind in erster Linie DAX-Tracker, Mittelzuflüsse verbuchen konnten. In den vergangenen Jahren zählten ETFs dieser Kategorie zu Dauer-Verkaufskandidaten, ungeachtet der Tatsache, dass der deutsche Aktienmarkt sich seit geraumer Zeit von seiner freundlichen Seite zeigt. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Zuflüssen

 

Überwiegend verkauft wurden im August Rohstoff-Produkte, welche die Preise von Energie-Trägern, vor allem Öl, abbilden. Vor allem börsennotierte Produkte von ETF Securities, die in Futures der Sorten WTI und Brent investieren, mussten Abflüsse hinnehmen. 

Eurozonen-Standardwerte-ETFs mussten erstmals seit Oktober 2016 Mittelabflüsse verbuchen. Abgestoßen wurden vor allem ETFs auf den Euro STOXX 50 von iShares und ComStage. 

Seltenheitswert hatten auch die Abflüsse aus global anlegenden Standardwerte-ETFs – MSCI World Tracker mussten das letzte Mal im April 2016 Mittelabflüsse hinnehmen. Die Abflüsse gingen vor allem auf das Konto eines ETFs der Deutsche-Bank-Tochter Xtrackers. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Abflüssen 

Marktführer iShares konnte sich erneut im Anbieter-Ranking nach Mittelflüssen an der Spitze behaupten. 1,1 Milliarden Euro steuerten iShares-Aktienprodukte an, gut 850 Millionen Euro gingen Bond-ETFs zu. 

Mit großen Abstand folgten BNP Paribas und UBS mit jeweils rund 380 Millionen Euro an Nettoneugeldern. Bei BNP Paribas ging die positive Bilanz fast ausschließlich auf das Konto von Aktienprodukten, bei der UBS war das Neugeschäft ausgewogener auf Aktien- und Bond-ETFs verteilt. Unter den großen und mittelgroßen Anbietern verzeichnete die UBS in diesem Jahr das stärkste Wachstum bei Neugeschäft. Das organische Asset-Wachstum von UBS-ETFs lag bei knapp 30 Prozent in den ersten acht Monaten. 

Tabelle: Die ETF-Anbieter mit den höchsten Zuflüssen

Aufgrund der hohen Abflüsse aus Rohstoffprodukten übernahm ETF Securities die rote Laterne beim Anbieter-Ranking nach Mittelflüssen. Neben Energie-Produkten wurden auch Edelmetall-ETCs verkauft. 

Xtrackers verzeichnete den ersten negativen Absatzmonat in diesem Jahr, was vor allem auf die Abflüsse aus den DBXT MSCI World ETF zurückging. 

Bei Amundi gingen die Mittelabflüsse auf Verkäufe von Aktien-ETFs zurück, ComStage musste bei Rohstoff-Produkten Rückgaben hinnehmen. 

Tabelle: Die ETF-Anbieter mit den höchsten Abflüssen

 

Kommen wir nun zum Modethema Strategic Beta, auch unter dem Buzz-Word „smart“ bekannt. Sowohl Rendite- als auch Risiko-orientierte Produkte mussten – wenn auch leichte – Abflüsse hinnehmen. Nicht neu ist der Umstand, dass rendite-orientierte Strategic Beta ETFs Rückflüsse hinnehmen müssen. Sie werden bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2016 verstärkt verkauft, nachdem Anleger offenkundig von der ausgeprägten Underperformance vieler Low-Volatility-ETFs auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Ungeachtet der signifikant besseren Bilanz im Vergleich zu kapitalisierungsgewichteten Indizes in diesem Jahr gehen die Mittelabflüsse weiter. In diesem Jahr verloren Risiko-orientierte ETFs in Europa gut 27 Prozent der zu Jahresbeginn gemessenen Vermögenswerte.

Neu sind indes die Rückgaben von Rendite-orientierten Produkten. Sie erlitten erstmals seit September 2016 Abflüsse. 

Tabelle: Die Absatzbilanz von Strategic Beta ETFs 

Abschließend ein Blick auf die am stärksten nachgefragten einzelnen ETFs und auch auf die Produkte mit den höchsten Mittelabflüssen. Im August konnte der iShares Core S&P 500 ETF mit knapp 400 Millionen Euro die höchsten Zuflüsse verbuchen. Auch das Pendant von ComStage zählte zu den Top-Sellern im abgelaufenen Monat. Zwei Produkte auf den STOXX Europe 600 sowie ein ETF, der den Euro STOXX Banks-Index abbildet, zählten im August zu den beliebtesten ETFs. 

Tabelle: Die ETFs mit den höchsten Zuflüssen 

Der bereits erwähnte DBXT MSCI Word ETF von Xtrackers musste mit gut 500 Millionen Euro an Abflüssen die schwächste Bilanz auf ETF-Ebene hinnehmen und zog auch die gesamte Kategorie Aktien weltweit Standardwerte im Absatz-Ranking nach unten. Das gilt auch für den iShares Euro STOXX 50 (DE), der wesentlich zur negativen Absatzbilanz von Eurozonen-Aktien-ETFs beitrug. 

Tabelle: Die ETFs mit den höchsten Abflüssen

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.