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Warum bei US-Banken Wells Fargo das Rennen macht

Angesichts der eher neutralen Haltung der US-Notenbank liegen die Chancen von Investoren weniger auf der Makro-, sondern auf der unternehmensspezifischen Seite. Hier kommt das skandalgeschüttelte Institut ins Spiel. 

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Federal Open Market Committee bzw. FOMC) hatte zuletzt den Leitzins Federal Funds Rate trotz des Anstiegs der Haushaltsausgaben und der Unternehmensinvestitionen in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent zu belassen. Der Grund: Der Inflationswert bleibt nach wie vor hinter dem Ziel von zwei Prozent zurück. Diese Maßnahme deckt sich mit unserer These, dass sich die Zinsstrukturkurve weiterhin mit relativ gemäßigtem Tempo normalisieren wird. Ursache ist eine Kombination aus demografischen Trends, Beschäftigungsbedingungen und der Nachfrage nach Krediten.

Solange die Inflation auf niedrigem Niveau verharrt, kann die Fed eine Zinsanhebung beschließen, muss dies jedoch nicht tun – unseres Erachtens eine wichtige Unterscheidung. So zeigte die letzte Erklärung, dass der FOMC davon ausgeht, dass kurzfristige Zinsen „noch eine Zeit lang unter Niveaus verharren werden, die erwartungsgemäß auf längere Dauer vorherrschen“. Unsere Einschätzung berücksichtigt die langfristige Zinsentwicklung, die sich ebenfalls mit einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu decken scheint.

These: Fed ist neutraler, als es viele Beobachter vermuten

Die Verzinsung zehnjähriger Anleihen ist im Grunde dieselbe wie vor zwei Jahren, obwohl die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der letzten 24 Monate Fortschritte zeigen. Aus unserer Sicht würden langfristige Zinsen stärker anziehen, wenn die aktuelle Haltung der Fed zu expansiv wäre. Die aktuellen Niveaus stützen unsere These, dass die Politik der Zentralbank neutraler ist als viele Beobachter meinen.

Das bringt uns zur These, dass die Aktienkurse von Banktiteln die Vorzüge von höheren Zinsen bereits vollkommen berücksichtigen. Daher bieten sie kaum Aufwärtspotenzial, selbst wenn die Normalisierung deutlich schneller vonstattengeht, als wir erwarten.

Das bedeutet, dass weniger klassische, globale Banken das Rennen machen werden, sondern eher Institute Value-Papiere - hier kommt Wells Fargo ins Spiel. Die Aktien bieten aus unserer Sicht Wert, da die Zukunft des Unternehmens auf der Wiederherstellung seines Rufs und nicht allein auf Makrofaktoren beruht.

Wells Fargo: Stark genug, um den Skandal zu überstehen

Die Vertriebskultur von Wells Fargo hat in den letzten Jahren massive Schwierigkeiten geschaffen. Statt sich zu bemühen, die Finanzen ihrer Kunden zu verbessern, setzte das Management darauf, die Erlöse ungeachtet aller Kosten zu steigern, und führte fehlkonzipierte Incentive-Programme für Angestellte mit Kundenkontakt ein. Diese Entscheidung führte zu Betrugsfällen in erheblichem Umfang und setzte die über Jahrzehnte aufgebauten Beziehungen und den guten Ruf aufs Spiel. Die Monatsberichte des Konzerns zeigen jedoch, dass das Schlimmste überstanden ist: Die Indikatoren für Kundentreue sind bereits auf den Stand vor dem Skandal zurückgekehrt. 

Deshalb rücken wir noch einmal die Vorzüge von Wells Fargo in den Vordergrund. Wells Fargo ist der größte Einlagenkapitalsammler in den USA. Seine Strategie basiert auf fest verankerten Kundenbeziehungen, einem soliden Risikomanagement und operativen Spitzenleistungen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie über Jahrzehnte hat einen großen Wettbewerbsvorsprung geschaffen, der sich eindeutig in den Finanzen des Unternehmens niederschlägt. Wells Fargo hat in den letzten fünf Jahren seine Bilanz 40 Prozent preiswerter finanziert als nordamerikanische Mitbewerber ab 50 Mrd. USD Bilanzsumme. Im Durchschnitt zahlte die Bank lediglich 30 Basispunkte Zinsaufwand auf ihre Bilanzsumme. 

Außerdem konnte sie 30 Prozent mehr Umsatzerlöse pro Dollar auf der Aktivseite erzielen als die genannte Vergleichsgruppe. Auch die führende Position im Hypothekenmarkt – und die qualitativ hochwertige Zusammensetzung der Wohnungskreditnehmer – tragen zum Wettbewerbsvorteil von Wells Fargo bei. Der Konzern profitiert von den Skalenvorteilen bei der Kreditvergabe und Bedienung; ihr Zielsegment sind erstklassige Kunden für GSE-fähige Kredite sowie Kreditnehmer erstklassiger Bonität. Aus unserer Sicht ist die Möglichkeit, auf dauerhafte Einlagen und Hypotheken-Kreditnehmer zu bauen, ein solides Fundament für die Strategie der Bank.

Im Gegensatz zu den großen Mitbewerbern spielt Wells keine führende Rolle an den Kapitalmärkten. Sein Geschäftsmodell ähnelt eher dem der Regionalbanken als dem der Institute an den Finanzzentren. Wells Fargo setzt auf stabilere Erlöse aus dem Provisions-, Beratungs- und Anlageverwaltungsgeschäft. Die untere Tabelle zeigt, dass Wells Fargo deutlich attraktiver bewertet ist, als einige seiner Konkurrenten.

Tabelle: Aktie von Wells Fargo notiert deutlich unter fairem Wert

Wichtige Hinweise: Analysten von Morningstar müssen sich in ihrem Verhalten an den Ethikkodex, die Richtlinie für Wertpapierhandel und Offenlegung und die Richtlinie zur Integrität von Investment-Research von Morningstar halten. Nähere Informationen zu Interessenkonflikten erhalten Sie hier.

 

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