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Europäische Strategic Beta ETFs in der Übersicht

Im zweiten Teil unserer neuen globalen Marktübersicht zu Strategic Beta ETFs nehmen wir uns den europäischen Markt vor.

Ali Masarwah 06.10.2017

Verglichen mit den USA ist der Markt für Strategic Beta Produkte in Europa nur als klein zu bezeichnen. 88 Prozent der Gelder in Strategic Beta ETFs weltweit stecken in Produkten, die für den USA-Markt aufgelegt wurden. In europäisch domizilierten Strategic Beta ETFs steckten per Ende Juni 2017 gut 56 Milliarden US-Dollar oder 8,0 Prozent des weltweiten Marktes für diese alternativ gewichteten ETFs. Ein Jahr zuvor waren es 40,7 Milliarden Dollar.

Im Gegensatz zum US-Markt für Strategic Beta ETFs, der bereits Sättigungstendenzen erahnen lässt, gewinnen in Europa diese Indexprodukte an Bedeutung. Das geht in erster Linie auf Mittelzuflüsse zurück. 10,9 Milliarden Euro wurden zwischen Juli 2016 und Ende Juni 2017 in europäische Strategic Beta ETFs investiert, was einem organischen Wachstum von knapp 27 Prozent entspricht. Nur der (viel kleinere) asiatisch-pazifische Markt wuchs in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2017 dynamischer – und das auch nur wegen eines sehr spezifischen Käufers in Japan.

Der Anteil der Strategic Beta ETFs am gesamten europäischen ETF-Markt stieg im selben Zeitraum von 7,6 auf 8,1 Prozent. Die untere Grafik zeigt die Bedeutung von Strategic Beta ETFs im Markt für passive Produkte im Zeitablauf. Die Delle während der Finanzkrise geht auf den Crash zurück, den Dividendenstrategien erleiden mussten - zur Erinnerung: Bis 2008 waren die europäischen Banken die Dividendenkönige!

Grafik: Marktanteil von Strategic Beta am ETF-Markt seit 2005

 

Im abgelaufenen Jahr wurden 47 neuen Strategic Beta ETFs auf den Markt gebracht. Das Gros entfiel auf Multi-Faktor-Produkte. Derartige ETFs haben den Anspruch, das Rendite-Risiko-Profil gegenüber den typischen Einzelfaktor-Produkten zu verbessern. Hier zeichnet sich eine zunehmend sophistiziertere Vorgehensweise der Anbieter ab. Waren die Multi-Faktor-ETFs der ersten Stunde typischerweise gleichgewichtet, so werden heute typischerweise Produkte lanciert, die einen Schwerpunktfaktor aufweisen, der dann durch andere Faktoren gezielt ergänzt wird. Dividenden-Indizes, die durch den Faktor Quality ergänzt werden, sind hierfür ein Beispiel. Es werden hier oft Dividendenzahler ausgewählt, die eine niedrige Verschuldung und eine überdurchschnittliche Profitabilität aufweisen. Weitere Produkte setzen den Schwerpunkt auf Low Volatility in Kombination mit Value und/oder Momentum.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass Dividenden-ETFs in Europa nach wie vor das Gros des Strategic Beta ETF Markts ausmachen. Sie weisen ein Gewicht von knapp 40 Prozent der Assets auf. Allerdings zeigt die untere Tabelle, dass Multi-Faktor-ETFs bereits einen Marktanteil von 15 Prozent aufweisen: Tendenz steigend.

Demgegenüber ist die Bedeutung von Low-Volatility-Produkten seit Mitte 2016 in Europa deutlich zurückgegangen, und zwar von 19 auf 13 Prozent. Nachdem die Performance dieser Produkte im Herbst 2016 im Zuge steigender Anleiherenditen deutlich hinter der von kapitalisierungsgewichteten ETFs sowie Value-ETFs zurückgeblieben war, haben Anleger viel Geld aus Low-Vola-Strategien abgezogen (die Abflüsse dauern nach wie vor an.).

Tabelle: Die verschiedenen Strategic Beta Strategien im Überblick

Kommen wir nun zu den Anbietern. An erster Stelle steht – wenig überraschend – der europäische Marktführer iShares mit 24,7 Milliarden Dollar, die in 44 ETFs investiert sind. Das entspricht einem Anteil von 44 Prozent an Strategic Beta ETFs. Bisher hatte der Marktführer seine Stellung vor allem mit Minimum Volatility Produkten untermauert. Im Juni brachte die BlackRock-Tochter Dividenden-Quality-ETFs auf den Markt, was zeigt, dass iShares mit den sich wandelnden Markttrends geht und nunmehr Multi-Faktor-ETFs nach vorne stellt.

Platz zwei nach Anbieter belegt State Street mit seinen SPDR-ETFs, in denen 5,3 Milliarden Dollar stecken. Allerdings wird das 13 Fonds umfassende Angebot von einem Produkt dominiert: dem SPDR US Dividend Aristocrats ETF, der zweidrittel der Strategic Beta-Assets von SPDR ETFs in Europa auf sich vereint.

Lyxor findet sich nunmehr in dem Ranking auf Platz drei – Dank der Global Quality Income und Global Value Beta ETFs.

Erwähnenswert ist per Ende Juni der Markteintritt von Fidelity, ein Haus, das bisher in Europa nur mit aktiv verwalteten Fonds aufgetreten ist, in diesem Jahr aber ETFs mit (hauseigenen) Qualitäts-Dividenden-Ansätzen auf den Markt gekommen ist. (Im September, also nach Abschluss der Studie, hat Franklin Templeton ebenfalls Strategic Beta ETFs in Europa auf den Markt gebracht.).

Der Strategic Beta Markt spiegelt ähnelt in einer entscheidenden Hinsicht dem gesamten ETF-Markt. Es ist ein sehr wettbewerbsintensiver Bereich im Asset Management. Entsprechend sind die Gebühren im Berichtszeitraum zurückgegangen, und zwar von 0,4 Prozent auf 0,38 Prozent bei Aktienprodukten. Kapitalgewichtet gingen die Kosten von 0,39 auf 0,37 Prozent zurück. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, sind die Kosten von Strategic Beta ETFs insgesamt höher als die Kosten herkömmlicher ETFs, wobei die Unterschiede zwischen den Asset Klassen variieren. Der sehr geringe Unterschied zwischen klassischen Aktien-ETFs und Strategic Beta Aktien-ETFs zeigt, dass viele dieser Produkte kompetitiv gepreist sind.

Tabelle: Die Gebühren von Strategic Beta ETFs in Europa

 

Hier gelangen Sie zur vollständigen, englischsprachigen Marktübersicht „A Global Guide to Strategic Beta Exchange Traded Products“

Hier gelangen Sie zur Übersicht zum globalen Strategic Beta Markt

Hier gelangen Sie zur Übersicht zum amerikanischen und asiatischen Strategic Beta Markt

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.