Im Februar begrenzen Nebenwerte die Verluste am besten

Das Morningstar Marktbarometer zeigt bei gesamtnegativer Tendenz, dass Nebenwerte die Februar-Korrektur am besten überstanden haben. Bei Standardwerten hielten sich Value-Aktien noch am besten. 

Fernando Luque 07.03.2018

Nachdem das Börsenjahr 2018 so begonnen hatte, wie 2017 endete, nämlich unter dem Vorzeichen eines überbordenden Optimismus und mit einem Triumpf von Growth-Aktien, brachte der Februar einen empfindlichen Dämpfer. Die Anfang des vergangenen Monats einsetzende Korrektur hat alle europäischen Aktienmarktsegmente in Mitleidenschaft gezogen. Alle neun Felder unserer Morningstar Style Box für europäische Aktien verzeichneten Verluste. 

Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Segmenten. Bei Standardwerten konnten Value-Aktien gegenüber ihren Growth-Pendants punkten. Sie verloren 3,2 Prozent, während Standardwerte Growth um 3,7 Prozent nachgaben (alle Performance-Daten in EUR). Large Cap Blend Aktien verloren mit einem Minus von 4,4 Prozent deutlich mehr und waren damit das Schlusslicht unter allen Marktsegmenten. Bei Growth-Aktien büßten British American Tobacco und Inditex mit Verlusten von 11,8 Prozent bzw. 13,5 Prozent am meisten ein, bei Value-Standardwerten brachen Royal Dutch Shell und Sanofi besonders deutlich ein.

Bemerkenswerterweise verbessert sich die Aktienbilanz mit abnehmender Marktkapitatlisierung. Verloren Mid Cap Value Aktien noch 2,7 Prozent, so lag das Minus bei Small Cap Growth Aktien nur bei 0,8 Prozent. Bei Nebenwerten lagen Wachstumswerte durch die Bank vor Value-Aktien, wie aus unseem Morningstar Marktbarometer für europäische Aktien hervorgeht.

In unserem monatlichen Format zerlegen wir den Morningstar Europe Index in die Bestandteile unserer Style Box, eine Neun-Felder-Matrix, die Aktien nach Größe und nach Stil gliedert. Die Grafik lesen Sie von links oben nach rechts unten wie folgt: Das linke Quadrat oben zeigt die Style Box Performance für den vergangenen Monat, das obere rechts für die vergangenen drei Monate, unten links sind die Zwölf-Monats-Renditen abgetragen, und unten rechts finden sich die kumulierten Dreijahres-Renditen. 

Grafik: Morningstar Markt Barometer im Februar: Die Performance 

Kommen wir zu den Bewertungen. Angesichts der kräftigen Kursverluste rutschten gleich drei weitere Aktiensegmente unter die Kurs/Fair Value Marke von 1,0. Waren per Ende Januar nur Standardwerte Value leicht unterbewertet, so notierten per Ende Februar alle Value Segmente und zwei von drei Small Cap Segmenten unter ihrem fairen Wert. Small Cap Blend Aktien waren per Ende Februar mit einem Kurs/Fair Value Verhältnis von exakt 1,0 fair bewertet. 

Überbewertet sind derzeit vor allem Mid Cap Growth Aktien. Jeweils drei Prozent überbewertet sind nach unserer Bewertungsmethodik Standardwerte Growth und Blend, auch wenn letztere deutlich günstiger geworden sind, als das im vergangenen Monat der Fall war. Grosso modo ist der europäische Aktienmarkt damit per Ende Februar günstiger geworden, aber insgesamt sind die Bewertungen nach wie vor eher ambitioniert als billig.

Zur Taxierung der Bewertungen verwenden wir unsere hauseigene Bewertungskennziffer Price/Fair Value, P/FV (auf Deutsch Kurs/Fair Value Verhältnis, K/FVV). Ein Wert von unter 1,0 signalisiert eine Unterbewertung, ein Wert größer null zeigt an, dass eine Aktie überbewertet ist, ein K/FVV von 1,0 besagt, dass ein Unternehmen fair bewertet ist (lesen Sie hier mehr zu unserer Aktien-Research-Methodologie). 

Grafik: Morningstar Markt Barometer im Februar: Die Bewertungen

 

Kommen wir nun zur Einteilung des Markets nach Branchen. Am kräftigsten gerieten im Februar Immobilienaktien unter die Räder. Sie gaben um 5,2 Prozent nach, was kein Wunder ist angesichts der weithin steigenden Renditen am Anleihemarkt. Zu den Verlierern zählten auch defensive Konsumwerte. Neben BAT sackten auch Nestlé und Unilver ab, die 5,9 Prozent bzw. 7,1 Prozent verloren.

Am besten hielt sich noch der Technologiesektor, der eine beachtliche rote Null aufwies. Dassault Systems und die österreichische ams AG konnten hier besonders punkten. 

Grafik: Morningstar Markt Barometer im Februar: Die Sektoren-Performance

 

Die attraktivesten Bewertungen finden sich nach wie vor bei Immobilien- und Versorger-Aktien sowie Telekom-Titel, die mit einem P/FV von 0,88 bzw. 0,89 um über zehn Prozent unterbewertet sind. Unterbewertet waren per Ende Februar auch Energiewerte, die ein P/FV von 0,94 aufwiesen. Pharma-Aktien verbilligten sich ebenfalls und weisen ein P/FV von 0,93 auf. 

Am teuersten sind nach wie vor Rohstoff-Aktien mit einem P/FV von 1,29. Auch Technologie-Werte sind überbewertet.  

Grafik: Morningstar Markt Barometer im Februar: Die Sektoren-Bewertungen

 

 

Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es