USA Growth Fonds: die aktive Alternative

Wir haben festgestellt, dass der NASDAQ 100 nicht der beste Index für Investoren ist, die breit diversifiziert investieren wollen. Wir stellen gut bewertete Fonds vor, bei denen „Growth“ grossgeschrieben wird und die dennoch nicht auf Apple, Amazon und Google festgelegt sind.

Ali Masarwah 24.04.2018

Auch wenn die prominenten US-Technologie-Aktien wie Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google – man spricht auch von den „FAANG“s – in diesem Jahr korrigiert haben, gelten sie unverändert als zukunftsträchtige Investments. Die Tatsache, dass diese Unternehmen nicht nur heute Erfolg haben, sondern auch die Träger der Entwicklung von Zukunftstechnologien (Stichwort: KI) sind, spricht dafür, dass "FAANG" die Phantasie der Anleger auch künftig wecken werden. Wir haben begründet, warum der NASDAQ 100 Index dennoch nicht die beste Wahl ist für Anleger, die auf das Thema "Wachstum" in den USA setzen wollen: Der Index setzt einen zu grossen Schwerpunkt auf Technologie-Titel und kommt daher auf Branchenebene zu wenig diversifiziert daher. 

Bei ETFs sind Anlagealternativen dünn gesäht: Lediglich ein ETF trackt den klassischen Index für Wachstumswerte, den Russell 1000 Growth. Jenseits dieses einen Trackers gibt es keine passive Alternative zu NASDAQ-Trackern. Höchste Zeit also, sich die aktive Seite des US-Growth-Marktes anzuschauen! Hier gibt es mannigfaltige Alternativen für Anleger, die einen diversifizierten Zugang zu US-Wachstumsaktien benötigen, ohne zu stark auf Technologie-Aktien festgelegt zu sein. Die untere Tabelle umfasst die aktiv verwalteten Fonds der Kategorie Aktien USA Standardwerte Wachstum, die im deutschsprachigen Raum zu Vertrieb zugelassen sind und die über ein positives Morningstar Analyst Rating verfügen. Weiter unten stellen wir drei dieser Fonds näher vor. 

Tabelle: Aktiv verwaltete US-Growth-Fonds mit positiven Morningstar Analyst Ratings

Kommen wir nur zu unserer Vorstellungs-Runde. Wir haben fassen kurz zusammen, was die Fonds T. Rowe Price US Blue Chip, Loomis Sayles US Growth Equity und der Legg Mason ClearBridge US Aggressive Growth Fund auszeichnet. Vorweggesagt: Bei diesen aktiv verwalteten Produkten spielt die Person des Fondsmanagers die erste Geige! 

T. Rowe Price US Blue Chip 

Das qualitative Analyst Rating des T. Rowe Price US Blue Chip wurde zuletzt von „Silver“ auf „Gold“ hochgestuft. Das reflektiert die hohe Meinung, die unsere Fondsanalysten vom langjährigen Fondsmanager haben, der sich durch einen soliden Ansatz auszeichnet: Larry Puglia verantwortet die Strategie seit ihrer Einführung in den Vereinigten Staaten. (Die europäische Fonds-Variante gibt es seit 2003). Puglia durchforstet das Anlageuniversum, den Russell 1000 Growth Index, nach Unternehmen mit überdurchschnittlichen und nachhaltigen Wachstumsperspektiven, die starke Cash-Flows aufweisen und deren Management sich durch eine effiziente Kapitalallokation auszeichnet. 

Im Ergebnis ist der Fonds zwar gut diversifiziert, allerdings geht Puglia durchaus signifikante Wetten auf solche Unternehmen ein, denen er eine marktbeherrschende Stellung in ihrer jeweiligen Branche zutraut. Dabei vermeidet er Unternehmen, die eine hohe Fremdkapitalquote aufweisen. Gelegentlich wird er dabei auch ausserhalb den USA fündig. Per Ende März hatte der T. Rowe Price US Blue Chip etwa Amazon mit knapp neun Prozent gewichtet gegenüber 4,7 Prozent Index-Gewicht. Übergewichtet sind auch Facebook und Alphabet, die Google-Holding. Die grössten distinktiven Holdings sind Morgan Stanley (2,4 Prozent), Danaher Corp (1,2 Prozent) und Anthem Inc (1,0 Prozent). 

Eine weitere Erfolgskomponente des Fonds ist das Analystenteam bei T. Rowe Price, vor allem die Coverage in den Sektoren Technologie und Medien/Telecoms ist sehr stark. (Auch wenn es Phasen gab, in denen es Fluktuationen im Team gab.). Wegen der teilweise aggressiven Aufstellung kann der Fonds überdurchschnittliche Rückschläge erleiden, so etwa geschehen zwischen Juli 2015 und Februar 2016. Das ist eine unweigerliche Folge der Strategie: Starkes Wachstum geht nun einmal oft einher mit höheren Bewertungen, und dann kann Rückschlaggefahr drohen. 

Larry Puglia hat einen beeindruckenden Track Record seit 1993 aufgebaut. Die Retail-Variante des europäischen Fonds hat in den vergangenen zehn Jahren die Kategorie der US-Growth-Fonds jährlich um gut 3 Prozentpunkte übertroffen und es auch geschafft, den Russell 1000 Growth um jährlich 23 Basispunkte outzuperformen. Natürlich drängt sich angesichts der langen Fondsmanager-Historie die Frage auf, wie lange Puglia das Ruder noch innehaben wird: Er ist Ende 50, und das so genannte Key Man Risk ist nicht zu ignorieren. Allerdings spricht nichts dagegen, dass T. Rowe Price den Übergang zu einem Nachfolger erfolgreich stemmen wird. 

Loomis Sayles US Growth Equity 

Für sich genommen macht der Loomis Sayles US Growth Equity nicht viel her: Der Fonds wurde erst im Juni 2016 aufgelegt. 2017 zählte er – wenig spektakulär – im 29 Perzentil der Kategorie, im laufenden Jahr sogar nur im 58. Doch das zweitbeste „Silver“-Rating basiert auf den viel längeren Track Record des US-basierten Fondsmanager Aziz Hamzaogullari, der mit dem weitgehend identischen Team diesen Ansatz seit 2006 bewirtschaftet; seit 2010 für die heutige Natixis-Tochter Loomis Sayles. Der Manager verfügt über mehr als 20 Jahre Investmenterfahrung und wird von sechs Analysten unterstützt. 

Hamzaogullari verfolgt einen langfristigen Ansatz, der sich auf Unternehmen mit qualitativ hochwertigen Geschäftsmodellen ausrichtet, die nachhaltig wettbewerbsfähig sind. Auch profitables Wachstum zählt zu den Kriterien, die der Fondsmanager ansetzt. Zugleich müssen sie zu einem deutlichen Abschlag auf ihren den inneren Wert handeln. Das Ergebnis ist ein hochkonzentriertes Portfolio, das aus 30 bis 40 Aktien besteht. Per Ende März waren Amazon, Facebook, Visa, Oracle und Autodesk Inc die grössten Positionen. 

Zu den grössten distinktiven Positionen zählen Alibaba mit einem Gewicht von knapp 6,5 Prozent, Danone (3,0 Prozent), Novo Nordisk und Schlumberger (jeweils knapp 3,0 Prozent). Kein Wunder, dass der Active Share bei diesem Fonds relative hohe 80 Prozent beträgt. Wer über Namen wie Alibaba, Novo Nordisk oder Danone gestolpert ist: Der Fonds kann bis zu 20 Prozent des Vermögens in Aktien halten, die ausserhalb der USA gelistet sind. Ob dies ein Malus ist, liegt im Auge des Betrachters. Fakt ist, dass die Strategie seit 2010 (per Ende Januar 2018) den Russell 1000 Growth Index und die Kategorie USA Standardwerte Growth pro Jahr um 1,7 bzw. 4,3 Punkte übertreffen konnte. 

Legg Mason ClearBridge US Aggressive Growth Fund 

Wer starke Nerven und Geduld aufbringen kann, dem sei als letztem der drei Fonds unserer Auswahl der Legg Mason ClearBridge US Aggressive Growth Fund nahegelegt. Die Dreijahres-Performance-Bilanz ist alles andere als ein Aushängeschild. Seit 2015 liegt der Fonds deutlich hinter der Peer Group (7,1 Punkte per annum!) und sehr deutlich hinter dem Russell 1000 Growth (9,7 Punkte pro Jahr!!) zurück. Das erstaunt allerdings nicht, wenn man auf die Ausrichtung des Fonds schaut. Er ist in signifikantem Masse in den Branchen Energie und Healthcare engagiert, was die Performance sehr stark ausbremste. Langfristig zählt der Fonds indes zu den besseren Produkten der Kategorie: Zwischen Mai 2000 und März 2018 lieferte er 100 Basispunkte pro Jahr mehr als der Russell 3000 Growth ab (Fonds-Benchmark und Kategorie-Benchmark weichen hier voneinander ab).

Fondsmanager ist Richard Freeman, der die US-Variante des Fonds sogar noch länger als den europäischen Spiegelfonds managt: Seit 1983! Damit ist Freeman einer der am längsten amtierenden Fondsmanager weltweit. Evan Bauman unterstützt Freeman als Co-Manager seit 2009. Er war zuvor fast zehn Jahre lang Analyst im Team. Freeman und Co. verstehen sich am ehesten als Eigner der Unternehmen, in die sie investieren. Das erklärt den sehr niedrigen Turn-over des Portfolios. Auch bei diesem Ansatz geht es um gleichermassen überdurchschnittliches wie nachhaltiges Wachstum. Sektorbeschränkungen spielen in diesem Ansatz keine Rolle. 

Wie sehr agnostisch die Manager vorgehen zeigt, dass sie sich von wichtigen Indexholdings wie Apple, Alphabet und Amazon gänzlich fernhalten. (Der Anteil an Technologie-Aktien liegt dennoch bei ordentlichen 26 Prozent). Der Schwerpunkt des Fonds liegt aktuell bei Gesundheitsaktien: UnitedHealth Group und Biogen sind mi 7,2 Prozent bzw. 6,5 Prozent absolut die Top-Titel, und Allergan und Core Laboratories zählen zu den distinktiven Holdings.

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.