Anleger in Europa halten sich bei Fonds im April zurück

Mittelflussstatistik von Morningstar für europäische Fonds zeigt, dass Anleger ungeachtet steigender Märkte Vorsicht walten lassen. Bei Aktienfonds erleiden Europafonds hohe Abflüsse derweil USA-Standardwertefonds gefragt sind.

Ali Masarwah 30.05.2018

Trotz der weltweiten Erholung der Aktienmärkte im April haben Europas Fondsinvestoren im April eher vorsichtig agiert. Europäische Langfristfonds (ohne Geldmarktfonds, einschließlich Indexfonds) verzeichneten Nettozuflüsse in Höhe von 19,7 Milliarden Euro. Im März hatten die Nettozuflüsse bei 18,7 Milliarden Euro gelegen. Diese Werte sind niedrig im Vergleich zu den Rekordständen im Januar, als die Anleger 42,8 Milliarden Euro in langfristige Fonds mit Sitz in Europa investierten. Im eher zurückhaltenden Anlegerverhalten spiegeln sich die Auswirkungen der steigenden Marktvolatilität im ersten Quartal wider. 

Die Nettozuflüsse in Aktienfonds betrugen im April 2,5 Milliarden Euro und befanden sich damit auf dem niedrigsten Niveau in einem Monat seit Oktober 2016. Anleger verkauften europäische Assets. Indes erfreuten sich die globalen und US-amerikanischen Fondskategorien einer soliden Nachfrage. 

Auch Mischfonds verzeichneten einen Nachfragerückgang: Die Nettomittelzuflüsse sanken von 10,4 Milliarden Euro im März auf 6,1 Milliarden Euro. Defensive und ausgewogene Fonds waren die Produkte der Wahl, dagegen mussten risikoreichere Kategorien wie Emerging-Markets-Mischfonds und aktienorientierte US-Dollar-Fonds Rücknahmen hinnehmen. 

Rentenfonds erreichten nach zwei negativen Monaten indes wieder positives Absatzterrain - wenn auch in einer etwas glanzlosen Art und Weise. Die Nachfrage nach festverzinslichen Produkten wurde durch hohe Abflüsse aus Fonds für Hochzinsanleihen und Unternehmensanleihen gedämpft. Hohe Zuflüsse wurden in den Kategorien Schwellenländer Bonds und auch in eher konservativen Kategorien wie Euro-Kurzläufer und diversifizierte Rentenfonds gesehen. 

Die Nachfrage nach alternativen Fonds belebte sich. Diese Hedgefonds-ähnliche Vehikel sahen Nettozuflüsse in Höhe von 5,6 Milliarden Euro, was deutlich über dem Niveau der Monate Februar und März lag. Im April gab es ein Comeback für Long-Short Debt Produkte, marktneutrale Aktienfonds und Global-Macro-Fonds. Letztere sahen Dank der hohen Mittelzuflüsse in Fonds der Natixis-Tochter H2O Asset Management die stärkste Nachfrage in einem Monat seitdem wir im Jahr 2007 begonnen haben, europäische Mittelflussdaten zu erheben. Die Nachfrage nach alternativen Multistrategiefonds blieb im Vergleich zu den durchschnittlichen monatlichen Mittelzuflüssen der letzten fünf Jahre indes weiter verhalten. Abflüsse aus mehreren großen Fonds von Standard Life Investments, BNY Mellon und DWS bremsten diese Mischfonds der neuen Generation im Vertrieb aus. 

Rohstofffonds verzeichneten die höchsten Nettomittelzuflüsse seit Februar 2017. Die hohe Nachfrage hatte zwei Treiber: Edelmetalle und diversifizierte Rohstofffonds, die Nettozuflüsse von 990 Mio. EUR bzw. 900 Mio. EUR verzeichneten. 

Geldmarktfonds sammelten netto 12,7 Milliarden Euro ein. Damit war der April der erste positive Absatzmonat für diese Cash-Vehikel seit drei Monaten. In Frankreich ansässige Fonds verzeichneten mit 14,6 Milliarden EUR die höchsten Zuflüsse. Die in Irland domizilierten Fonds verzeichneten mit 1,2 Milliarden EUR die höchsten Abflüsse. 

Tabelle: Mittelflüsse nach Asset Klasse im April

 

Aktiv versus Passiv 

Während passive Fonds (nicht-börsennotierte Indexfonds und ETFs) weiterhin höhere Wachstumsraten aufwiesen als aktiv verwaltete Fonds, waren die Zuflüsse bei beiden Produktgruppen auch im April gedämpft, so, wie auch in den letzten zwei Monaten davor. Absolut gesehen waren die Zuflüsse in aktiv verwaltete Fonds mit 16,15 Milliarden Euro deutlich höher als bei passiven Fonds, die netto 4,5 Milliarden Euro einsammelten. Aufgrund des geringeren Volumens fiel das Wachstum der Passiven indes auch im April überdurchschnittlich aus. 

Passive Rentenfonds setzten ihre Erfolgsserie im April fort. Illustriert wird das Wachstum durch die Tatsache, dass Indexfonds mit 2,2 Milliarden Euro fast so viel einsammelten wie aktiv verwaltete Rentenfonds, die Neugelder in Höhe von 2,5 Milliarden Euro sahen. Das ist deutlich mehr als es der Marktanteil der passiven Rentenfonds von zwölf Prozent des verwalteten Rentenfondsvermögens europaweit vermuten lassen sollte. 

Die Nachfrage nach Aktienindexfonds ging indes im April deutlich zurück. Nach einem Nettoabsatz von 2,9 Milliarden Euro im März gingen die Nettomittelzuflüsse im April auf rund 740 Millionen Euro zurück. Dies geht auf Abflüsse aus Aktien-ETFs zurück, die ihren ersten negativen Monat seit Mai 2016 hatten und netto 1,3 Milliarden Euro verloren. (Nicht-börsennotierte Index-Aktienfonds hingegen erfreuten sich weiterhin einer starken Nachfrage.) 

Physische Rohstofffonds sind mittlerweile eine Domäne von börsengehandelten Indexprodukten. Sie machen 75 Prozent des Rohstofffonds-Marktes aus. Und sie haben im vergangenen Monat weiter ihren Marktanteil gesteigert; Nettomittelzuflüsse in Höhe von 1,6 Milliarden EUR entsprachen 86Prozent aller Zuflüsse in Rohstofffonds. In den letzten zwölf Monaten bis April betrug die organische Wachstumsrate der passiven Rohstofffonds 10,8 Prozent gegenüber 1,6 Prozent bei aktiv verwalteten Rohstofffonds. Innerhalb des Indexfondsbereichs erfreuten sich Edelmetall- und diversifizierte Körbe der höchsten Nachfrage. 

Tabelle: Aktienfonds, Rentenfonds und Mischfonds: Aktiv versus passiv

 

Alles zur Absatzbilanz nach Anbietern, Fondskategorien und Einzelfonds im April finden Sie hier in der europäischen Mittelflussstatistik für aktive und passive Fonds in Europa.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.