Im Juli erleben Fonds ein zaghaftes Comeback – mit einer signifikanten Ausnahme

Nach zwei schwachen Monaten sind Anleger im Juli auf den europäischen Fondsmarkt zurückgelehrt, der dank steigender Märkte wider Erwarten einen neuen Rekord verbucht. Eine bisher höchst erfolgreiche Produktgattung fällt indes im Vertrieb zurück. Der Morningstar Fondsabsatz-Bericht für europäische Fonds.

Ali Masarwah 05.09.2018

Nachdem Investoren in zwei aufeinander folgenden Monaten Geld aus europäischen Investmentfonds abgezogen haben, ging es im Juli wieder aufwärts. Publikumsfonds in Europa verbuchten Nettomittelzuflüsse in Höhe von gut 25 Milliarden Euro, von denen 13,4 Milliarden in langfristige Publikumsfonds (sowohl offene als auch börsengehandelte Fonds) flossen. Geldmarktfonds gingen gut zwölf Milliarden Euro zu.

Im vergangenen Monat wurde zudem ein neuer Rekord aufgestellt. Steigende Aktienmärkte trieben das verwaltete Vermögen in offenen Fonds und ETFs auf das Rekordniveau von 8,6 Billionen Euro. Einschliesslich Money Market Funds betrug das Gesamtvermögen der in Europa domizilierten Fonds 9,8 Billionen Euro. Die negativen Absatzmonate Mai und Juni haben also keine bleibende Delle in der Vermögensbilanz hinterlassen.

Aktienfonds und Obligationenfonds wieder gefragt

Aktienfonds sammelten netto 2,9 Milliarden Euro ein, eine deutliche Erholung nach Abflüssen von 7,7 Milliarden Euro im Juni. Im Vergleich zum bisherigen Monatsdurchschnitt von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr und durchschnittlich 14 Milliarden Euro im Jahr 2017 war das jedoch unterdurchschnittlich. Neben der anhaltenden Verlagerung von Geldern aus aktiv verwalteten Fonds hin zu Index-Aktienfonds, war die Nachfrage nach US-Aktienfonds sowie nach Technologie- und Growth-Fonds prägend für den Monat Juli. Gleichzeitig litten Value-Fonds, Dividendenfonds sowie Fonds britische Aktien weiterhin unter Anteilsscheinrückgaben. Die sich verschärfende Krise in einigen Schwellenländern machte sich auch im Juli bemerkbar: Zum dritten Monat in Folge litten global anlegenden Emerging-Markets-Aktienfonds und Asien-Aktienfonds unter Mittelabflüssen. Allerdings war dies kein Erdrutsch, und der Absatz von China-Aktienfonds war im Juli noch positiv, wenn auch auf unterdurchschnittlichem Niveau. 

Zuflüsse von 6,2 Milliarden Euro markierten ein ordentliches Comeback von Obligationenfonds. Während High Yield Fonds nach wie vor Abflüsse erlitten und EUR-Staatsanleihefonds und andere Kurzläufer-Bondfonds stark nachgefragt wurden, waren Investoren doch nicht durchgängig pessimistisch, wie die hohen Zuflüsse in Emerging-Markets-Anleihefonds (Hartwährungsemissionen) belegen. Diese Hochrisiko-Produkte erlebten damit ihren besten Absatzmonat seit Februar dieses Jahres.

Mischfonds und vor allem Alternatives schwächeln im Vertrieb

Indes stagnierten die Zuflüsse in Mischfonds, die netto 5,2 Milliarden Euro an Neugeldern verbuchten. Da sich Mischfonds auch in den volatilen Vormonaten behauptet hatten, waren die Zuflüsse auf diesem Niveau nicht spektakulär.

Bemerkenswert war indes, dass alternative Fonds, die Hedgefonds-Strategien implementieren, erstmals seit Dezember 2011 einen negativen Absatzmonat hatten. Auch wenn Mittelabflüsse von 760 Millionen Euro keinen Dammbruch darstellen, so dürften die Fondsanbieter diese Entwicklung durchaus als Warnschuss wahrgenommen haben. Der Verkauf von alternativen Fonds, die eine Absicherung in volatilen Marktphasen versprechen, war seit der Finanzkrise ein wichtiges Fundament des Fondsabsatzes in Europa. Neben Mischfonds waren «Hedgefonds light» klar die Domäne der aktiven Manager. Doch die Performance-Bilanz vieler dieser Produkte dürfte Anleger inzwischen zurückhaltend stimmen. Im Juli trennten sich Anleger hauptsächlich von alternativen Fonds der Kategorien Multistrategy- und Long/Short-Bondfonds.

Rohstofffonds sahen im Juli erstmals in diesem Jahr Abflüsse, was angesichts des Rückgangs vieler Rohstoffpreise, vor allem beim Gold, nicht überraschend kommt. Am stärksten litten breit investierende Rohstoffkörbe sowie Edelmetallfonds unter Rückgaben.

Die Zuflüsse in Geldmarktfonds erholten sich aufgrund der Nachfrage nach Produkten, die in Frankreich domiziliert sind.

Tabelle: Juli-Absatzbilanz: Mitteflüsse in Fonds nach Asset-Klasse

 

Aktiv versus Passiv

Im Juni erlitten hatten Index-Aktienfonds seit langem einen negativen Absatzmonat hinnehmen müssen. Dies war jedoch im Nachhinein betrachtet ein Ausreisser. Die Umschichtung von Geldern aus aktiven zu passiven Aktienfonds hat im Juli wieder an Fahrt aufgenommen. Während Index-Aktienfonds netto 3,7 Milliarden Euro an Zuflüssen verbuchten, mussten aktiv verwaltete Fonds Mittelabflüsse von 762 Millionen Euro hinnehmen. Dass es sich hier um einen säkularen Shift handelt, zeigt beispielsweise, dass bei aktiv verwalteten Fonds Geld aus Schwellenländer-Aktienfonds abgezogen wurde, derweil passive Fonds dieser Kategorie weiterhin stattliche Zuflüsse verzeichneten. Auf der aktiven Seite erlitten Fonds von Comgest, Aberdeen, M&G, Eastspring und J.P. Morgan hohe Abflüsse.

Aktiv verwaltete Bondfonds sahen im Juli Zuflüsse von 2,8 Milliarden Euro. Das stellt eine Erholung dar nach hohen Abflüssen in den Vormonaten. Doch passive Obligationenfonds sammelten noch mehr ein und haben damit zum sechsten Monat in Folge ihre aktiven Konkurrenten auch in absoluten Zahlen überflügelt. Wenn man bedenkt, dass passive Bondfonds einen relativ bescheidenen Anteil von 12,5 Prozent am gesamten europäischen Bondfondsmarkt haben, ist diese Leistung umso beeindruckender. In den letzten 12 Monaten sind die passiven Fonds organisch um 9,7% gewachsen, die aktiven Konkurrenten dagegen um nur 4,5 Prozent.

Anders verhält es sich bei den passiven Rohstofffonds, die im Juli 890 Millionen Euro verloren, während aktiv verwaltete Rohstofffonds Zuflüsse von 277 Millionen Euro verzeichneten. Dies ging auf Abflüsse aus breit investierenden Körben sowie Edelmetallfonds auf der passiven Seite zurück, während aktiv verwaltete Fonds von der Nachfrage nach genau diesen Kategorien profitierten.

Tabelle: Juli-Absatzbilanz: Mitteflüsse in Fonds nach Aktiv-Passiv-Schema

Alle weiteren Zahlen zum europäischen Fondsabsatz im Juli, einschliesslich die Vertriebsbilanz nach Fondsanbieter, finden Sie in der englischsprachigen Vollversion des Absatzberichts.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.