Globale Diversifikation war 2018 das einzige Heilmittel für Fondsanleger

Dollar-Investments retten die Performance, Mischfonds bringen Investoren dagegen bittere Enttäuschungen. Übersicht über die Performance der wichtigsten Fondskategorien im vergangenen Jahr – und ein Ausblick auf was Anleger im Januar erwarten könnte.

Ali Masarwah 09.01.2019

Einige Anleger und Journalisten haben sich bei uns in den vergangenen Tagen gemeldet und nachgehakt, ob sich auf unserer Website beim Ausweis von Performance-Daten für Fonds Fehler eingeschlichen haben. Wenn der US-Aktienmarkt 2018 deutlich negativ abgeschlossen habe, wie könne es sein, dass die Performance von einigen US-Aktienfonds – vor allem ETFs - relativ positiv im vergangenen Jahr verlaufen sei? Sie werden vermutlich die Antwort kennen: Weil der US-Dollar gegenüber dem Franken an Wert gewann, hatte die Währungskonversion bei USA-Aktienfonds aus Sicht des CHF-Anlegers Währungsgewinne zur Folge, was manchen US-Growth-Fonds sogar eine leicht positive Performance bescherte. Insofern manifestierte sich 2018 für Franken-Anleger der Charme der globalen Diversifikation! 

Fonds für Staatsobligationen haben (erneut) geliefert

Und es gibt durchaus noch weitere positive Nachrichten: Schweizer Bond-Fonds, die in Staatsobligationen investieren, konnten zwar keine positive Performance erzielen - federten aber die Verluste auf der Aktienseite in typischen gemischten Portfolios deutlich ab. Fonds für sichere Obligationen mögen zwar keine Performance-Turbos sein, aber sie haben sich erneut als exzellente Diversifizierer von Aktien-Risiken erwiesen. Insofern sollten Anleger bei allem Frust über das vergangene Jahr zur Kenntnis nehmen, dass der Charme der Diversifikation über Asset-Klassen und Währungen hinweg nach wie vor umwerfend ist! (Sie könnten an dieser Stelle versucht sein anzunehmen, dass wir für 2019 den Vorsatz gefasst haben, optimistisch auf die Welt zu blicken!). Zu den wenigen positiven Ausnahme des Verlustträchtigen Jahres gehörten Schweizer Immobilienfonds, die im Schnitt ein Plus von 3,4 Prozent verbuchten. 

Was brachte das vergangene Jahr Fondsanlegern noch? Hier müssen wir den Schwenk auf die allgemeine Tristesse nachvollziehen: Verluste gab es, und zwar reichlich! (So viel zum vermuteten Vorsatz!) 

Exoten und Nebenwerte verlieren auf der Aktienseite

Kommen wir zunächst zur Aktienseite. Natürlich finden wir hier unter den Verlierern vor allem Exoten-Kategorien. Türkeifonds brachen 2018 im Schnitt um gut 40 Prozent ein, angetrieben natürlich von den hohen Verlusten bei der Lira. Auch Nebenwerte zählten zu den prominenten Verlierern. Vor allem französische Nebenwertefonds sackten ab, aber auch diversifizierte Europa-Nebenwertefonds mussten hohe Verluste hinnehmen. 

Interessant ist dabei, dass deutsche Standardwertefonds sich nur ein klein wenig besser hielten als deutsche Nebenwertefonds. Sie verloren 22,92 Prozent und somit nur 21 Basispunkte weniger als Fonds, die sich auf kleinere deutsche Unternehmen spezialisieren. Hier erwies sich einmal mehr die zyklische Natur des DAX als Manko, der im Zuge des sich verbreitenden Konjunkturpessimismus viel deutlicher nachgab als die meisten anderen wichtigen Standardwerteindizes. So konnten Schweizer Standardwertefonds die Verluste auf knapp elf Prozent begrenzen. Schweizer Nebenwertefonds verloren indes mit einem Minus von 18,5 Prozent kräftig.

Ansonsten reflektierte das mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Segment der chinesischen Festlands-Aktien einmal mehr schlechte Nachrichten: Fonds, die auf das so genannte A-Segment des chinesischen Marktes setzen, zählten mit einem Minus von gut 26 Prozent zu den schwächsten Performern im Jahr 2018, wie die Tabelle mit den für Schweizer Anleger relevanten Kategorien mit der schwächsten Performern 2018 zeigt (in CHF berechnet).

Tabelle: Die Fondskategorien mit der schwächsten Performance 2018

Im Januar sind die Letzten - wieder einmal - die Ersten! 

Wie die obere Tabelle zeigt, brachte der Start ins neue Jahr bei Risiko-Assets immerhin eine Linderung. Per 15. Januar konnten viele der Verliererkategorien des vergangenen Jahres reüssieren. Auf der Aktienseite legten in den ersten zwei Wochen auch viele Nebenwertefonds zu, ebenso Biotech-Fonds, russische Aktienfonds und Österreich-Aktienfonds. Auf der Bondseite zeigten sich Hochzinsanleihefonds und globale Emerging Markets Bondfonds von ihrer freundlichen Seite. Es gilt also das Motto: Auf den Märkten gibt es Risikoprämien zu ernten, und wer ins Risiko geht, kann Verlieren, aber spiegelbildlich auch gute Gewinne einfahren! 

Doch kommen wir zurück zum Jahr 2018. Auch aktives Management brachte Anlegern in Risiko Assets selten Linderung. Neben Mischfonds, von denen weiter unten noch die Rede sein wird, enttäuschten in der relativen Betrachtung vor allem Biotechnologie-Fonds, Russland- und Edelmetallfonds, die sehr deutlich hinter ihren Benchmarks lagen. Bei den bekannteren Kategorien lagen aktiv verwaltete Fonds vor allem bei den nebenwertelastigen global anlegenden flexiblen Aktienfonds unter ihrer MSCI Benchmark. Auch europäische Dividendenfonds lagen im Schnitt deutlich hinter der Kategorie-Benchmark MSCI Europe High Dividend Yield, was zeigt, dass aktiv verwaltete Dividendenfonds nicht zwangsläufig Vorteile gegenüber Dividenden-ETFs haben.   

Pyrrhussieg für Outperformer nicht auszuschliessen

Doch es gab positive Ausnahmen vom negativen Trend für aktive Manager: Die bereits erwähnten Fonds für China-A-Shares schlugen sich relativ zum MSCI China A Index mit einer Outperformance von knapp sechs Prozentpunkten überaus wacker. Auch Türkeifonds lagen um 50 Basispunkten vor dem MSCI Turkey Index. Und Österreich-Aktienfonds und Griechenland-Fonds schlugen den MSCI Austria bzw. den Athex Composite ebenfalls deutlich, nämlich um 4,3 bzw. 3,9 Prozentpunkte. Leider dürften sich solche Erfolge als ein Pyrrhussieg für Fondsmanager erweisen: Anleger goutieren Verluste nicht, auch dann nicht, wenn ihr Fonds seinen Index in Abschwungzeiten deutlich übertrifft. Bei vielen Fonds-Investoren dürfte das – für Fonds unfaire - Motto gelten: Verluste sind nicht zu tolerieren! 

Bei Aktienfondskategorien fanden sich aus Sicht Schweizer Investoren keine Gewinner im vergangenen Jahr. Recht gut konnten sich USA Wachstumswerte-Fonds mit einem Minus von 2,5 Prozent ins neue Jahr retten. Fonds für Gesundheits-Aktien und Versorger konnten in Gestalt ihrer jeweiligen Fondskategorie ihre defensiven Qualitäten unter Beweis stellen. Sie verloren nur um 0, 7 Prozent bzw. 2,2 Prozent. Auch Brasilien-Aktienfonds kamen mit einem Minus von knapp einem Prozent mit einem blauen Auge davon. Die untere Tabelle zeigt die für Schweizer Investoren relevanten Kategorien mit der besten Performance 2018. Bei zwei Kategorien setzte sich die gute Performance fort: Die Kategorie Aktien Brasilien legte um durchschnittlich gut zehn Prozent zu, und Aktienfonds für Gesundheitswerte stiegen um gut fünf Prozent.

Tabelle: Die besten Fonds-Kategorien 2018

Die Mär von der Fonds-Outperformance in volatilen Zeiten

Bedauerlich ist, dass aktiv verwaltete USA Standardwerte Blend-Fonds, also solche, die typischerweise den S&P 500 als Benchmark haben, Anlegern keinen Mehrwert bescheren konnten. Sie verloren im Schnitt gut sechs Prozent und lagen damit um 2,6 Punkte hinter der Fonds-Benchmark. Das zeigt die Ironie der häufig zitierten Legende, wonach aktive Manager in volatilen Märkten per Saldo Vorteile hätten. Hatten viele Portfolio-Lenker Ende 2017 die niedrige Volatilität als Grund für ihre Performance-Probleme geltend gemacht, so fiel die Performance 2018 mit der Rückkehr der Volatilität sogar im Schnitt noch schwächer aus! 

Auf der Rentenseite waren die oben erwähnten Gewinner bei Staatsanleihefonds eine grosse Ausnahme. Für Schweizer Anleger brachten Fonds für Unternehmensanleihen, flexible Bondfonds mit CHF-Hedge Verluste von zwischen 1,6 Prozent und gut fünf Prozent. 

Indes konnten Dollar-Bond-Kategorien hiesigen Anlegern deutliche Pluszeichen bringen. Diversifizierte USD Kurzläuferfonds legten im Schnitt um 2,1 Prozent auf Frankenbasis zu. Auch hier schlug sich der Dollar-Effekt positiv nieder. Allerdings dürften sich nur die allerwenigsten Investoren in dieser Kategorie tummeln, da für viele die hohe Währungsvolatilität (die naturgemäss auch in die andere Richtung ausschlagen kann) abschreckend wirkt. Typischerweise investieren Anleger hierzulande in CHF-abgesicherte Fonds. Das war bei Spread-Produkten mit Verlusten verbunden. Zusätzlich fielen aufgrund der grossen Zinsdifferenz zwischen den USA und der Schweiz prohibitiv teure Absicherungskosten an, was die gute Laune global diversifizierter Investoren gedämpft haben dürfte.

Mischfonds brachten Anlegern herbe Verluste

Doch das dicke Ende kommt noch. Mischfonds schnitten so schwach ab wie schon lange nicht mehr. Vor allem die grossen CHF-Mischfondskategorien hatten in dem wechselhaften Marktumfeld mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Aggressive CHF Mischfonds verloren 9,3 Prozent und damit 5,2 Prozentpunkte (sic!) mehr als eine kombinierte Aktien-Renten-Benchmark. Ausgewogene Mischfonds büssten 7,4 Prozent ein und lagen damit knapp vier Punkte hinter einer 50:50 Aktien-Renten-Benchmark. Besonders enttäuschend dürfte die Performance von defensiven Mischfonds verlaufen sein, deren konservative Anleger Verluste ein Dorn im Auge sind. Bond-lastige Fonds mit globalem Anlageschwerpunkt verloren knapp fünf Prozent und damit gut 3,5 Punkte mehr als eine 75:25 Aktien-Obligationen-Benchmark.

Bei Mischfonds schlugen gleich mehrere Nachteile durch: die hohen Kosten, die überwiegend unterdurchschnittliche Duration bei sicheren Anleihen sowie eine Übergewichtung von Spread-Papieren auf der Bond-Seite, was diese Produkte aufgrund eines ungünstigen Risiko-Profils auf der Bond-Seite als Aktienwölfe im Mischfonds-Schafspelz erscheinen lässt. Als wäre das nicht genug hatten global ausgerichtete Mischfonds auch damit zu kämpfen, dass sie auf der Aktienseite US-Titel deutlich untergewichtet hatten im Vergleich zur Kategorie-Benchmark. Der typischen Behauptung von Fondsmanagern, eine US-lastige Benchmark repräsentiere nicht die „Anlegerwirklichkeit“ von Investoren hierzulande könnte man entgegensetzen, dass eine europazentrierte Aktien-Gewichtung in den vergangenen Jahren ein sicherer Weg zur Underperformance war. Vielleicht wäre es ja einmal an der Zeit, von der tristen europäischen Anlegerwirklichkeit Abschied zu nehmen und die Fondsportfolios von Investoren stärker global zu diversifizieren?

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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