Aktiv verwaltete Aktienfonds erleiden im Mai die höchsten Abflüsse seit drei Jahren

Das Geschäft mit Anleihefonds und offenen Immobilienfonds rettet der Fondsbranche die Absatzbilanz. Der monatliche Bericht zu den Mittelflüssen in europäische Fonds für den Monat Mai.  

Ali Masarwah 26.06.2019

Die Zuflüsse in Langfristfonds in Europa haben sich nach einem freundlichen April im Mai deutlich verlangsamt. Investoren haben nicht nur Aktienfonds abgestoßen, sondern sich auch von Mischfonds und alternativen Fonds getrennt. Die Rückkehr der Risikoaversion bei Fondsanlegern fällt dieses Mal mit den Kursverlusten an den Aktienmärkten und den sich ausweitenden Spreads bei Risiko-Bonds zusammen. In den Vormonaten wurden Fonds für Risiko-Assets häufig auch bei freundlichen Märkten verkauft. 

Publikumsfonds (ohne Geldmarktfonds) sammelten netto nur 2,9 Mrd. EUR ein, nachdem sie im April fast 15 Mrd. EUR eingeworben hatten. Die einzigen großen Kategorien mit Zuflüssen waren Renten- und Immobilienfonds, die netto 22,6 Mrd. EUR bzw. 1,0 Mrd. EUR einsammelten. Auf der Anleiheseite wurden Fonds aus riskanten Kategorien, etwa Hochzinsanleihen und Anleihen aus Schwellenländern, zurückgegeben; die Abflüsse wurden jedoch durch Zuflüsse in flexible, diversifizierte und Staatsanleihenfonds mehr deutlich kompensiert. Bei der Immobilienseite profitierten vor allem offene Immobilienfonds deutscher Prägung, die sich unverändert in Zeiten extrem tiefer bis negativer Renditen am Anleihemarkt großer Beliebtheit erfreuen. 

Aktienfonds verzeichneten im Mai Abflüsse von 16 Mrd. EUR, weniger als die Abflüsse im März, aber mehr als die Rücknahmen im April. Besonders schmerzlich dürften die Fondsanbieter allerdings die Kursrückgänge am Aktienmarkt empfunden haben. Die Rücksetzer am Aktienmarkt bedingten im Mai einen Vermögensverlust von 200 Mrd. EUR bei Aktienfonds. Zum Vergleich: Im ganzen bisherigen Jahresverlauf zogen Anleger 42,8 Mrd. EUR aus Aktienfonds ab. So bedeutsam das Neugeschäft also für die Fondsbranche ist, so sind es doch die Entwicklungen an den Kapitalmärkten, die den größten Einfluss auf die Entwicklung des Fondsgeschäfts haben.

Rückblickend betrachtet war die Erholung bei Mischfonds im April nur ein kurzer Hoffnungsschimmer, wobei sich die Mittelabflüsse mit 159 Mio. EUR in engen Grenzen hielten. Sie gingen im Wesentlichen auf die Rückgabe von Anteilsscheinen von defensiven und ausgewogenen Mischfondskategorien zurück. 

Investoren gingen weiter höchst ungnädig mit alternativen Fonds ins Gericht. Die regulierten Hedgefonds erlebten ihren neunten negativen Absatzmonat in Folge. Die Mai-Rücknahmen markierten mit 4,7 Mrd. EUR jedoch den niedrigsten Stand seit Beginn der Abflüsse im vergangenen Herbst. 

Geldmarktfonds waren die Profiteure der Volatilität; sie sammelten netto 4,8 Mrd. EUR ein.

Tabelle: Mittelflüsse im Mai nach Asset Klasse

Kommen wir nun zur Aktiv-passiv-Bilanz, die seit Jahren recht gleichförmig ausfällt: Indexfonds – börsengehandelte und nicht-börsennotierte – wachsen weiter auf Kosten der aktiv verwalteten Fonds. Das war im Mai nicht anders. Indexfonds verbuchten weiterhin Zuflüsse, während aktiv verwaltete Fonds Abflüsse hinnehmen mussten. 

Langfristige offene Indexfonds und ETFs sammelten netto 6,6 Mrd. EUR ein, der Löwenanteil entfiel dabei auf nicht-börsennotierte Indexfonds und hier waren vor allem in Großbritannien, Schweden und den Niederlanden vertriebene Fonds gefragt. Indes haben aktiv verwaltete Fonds im Mai Abflüsse von 3,5 Mrd. EUR verbucht. Auch infolge dieser gegenläufigen Absatzdynamik stieg der Marktanteil der passiven Fonds am langfristigen Fondsvermögen in Europa von 17,7% im April auf 18,4% im Mai. Vor einem Jahr hatte der Marktanteil der Indexfonds noch bei 16,5 Prozent gelegen. 

Passive Rentenfonds setzten ihre beeindruckende Erfolgsgeschichte fort. Im vergangenen Monat beliefen sich die Zuflüsse auf drei Milliarden Euro. In den vergangenen 12 Monaten waren es 62 Mrd. EUR. Diese Dynamik wird besonders deutlich, wenn man sich die organische Wachstumsrate vergegenwärtigt. In den vergangenen 12 Monaten lag die organische Wachstumsrate von passiven Rentenfonds bei 18%. Anders gesagt: Der um die Performance-bereinigte Anstieg des Fondsvermögens, der auf Zuflüsse zurückgeht, belief sich im vergangenen Jahr auf 18 Prozent. Zum Vergleich: Aktienindexfonds, die im Mai 3,04 Mrd. EUR einsammelten, wuchsen seit Mai 2018 deutlich langsamer, wie das organische Wachstum von 3,4% zeigt. 

Dass Rentenfonds in diesen Zeiten von einer säkularen Nachfrage profitieren, zeigt auch die hohe Nachfrage nach aktiv verwalteten Rentenfonds, die mit 19,6 Mrd. EUR an Zuflüssen einen sehr erfolgreichen Monat Mai hatten. 

Anders das Bild bei aktiv verwalteten Aktienfonds, die einen massiven Einbruch erlebten. Die Mittelabflüsse beliefen sich auf 19,1 Mrd. EUR, der höchste Monatsverlust seit Juni 2016. Am stärksten betroffen waren aktiv verwaltete globale Schwellenländerfonds, aber auch europäische und asiatische Aktienkategorien waren zutiefst ungeliebt. 

Wie in den Vormonaten stammten die Abflüsse aus alternativen Fonds hauptsächlich von Multistrategiefonds, die Abflüsse in Höhe von 3,3 Mrd. EUR hinnehmen mussten und damit den zwölften Monat in Folge von Nettoabflüssen betroffen waren. Fonds der Kategorie Equity Market Neutral mussten ebenfalls hohe Rückgaben von 1,1 Mrd. EUR verkraften. Dagegen verzeichneten Long-Short-Credit-Fonds den ersten positiven Monat seit August 2018 mit Netto-Zeichnungen von über 300 Mio. EUR. 

Tabelle: Mittelflüsse im Mai nach den Aktiv-Passiv-Schema

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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