Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

“Die lateinamerikanischen Märkte haben in diesem Jahr trotz steigender US-Zinsen zugelegt.“

Morningstar sprach mit Roberto Lampl, Fondsmanager des ING (L) Invest Latin America, über Trends in Lateinamerika.

Fernando Luque 02.12.2005
Lateinamerikanische Aktien waren in diesem Jahr eine der erfolgreichsten Anlageklassen. Woran liegt das und wie sehen Sie den Markt in der nächsten Zeit? Ist es nun zu spät, noch in der Region zu investieren?

Haupttreiber der Aktienmärkte waren Energieaktien, die von steigenden Ölpreisen profitierten. Dies kam auch Unternehmen aus verwandten Bereichen zugute wie z.B. Tenaris, die in diesem Jahr über 100% zulegte und eine große Position im Portfolio war. Zudem gab es ein starkes Kreditwachstum in Märkten wie Brasilien, Mexiko und Kolumbien. Dementsprechend konnten Banken aus diesen Ländern Kursgewinne von über 50% verbuchen. Die Produzenten von Eisenerz und Zement haben sich angesichts der hohen globalen Nachfrage gut geschlagen. Mobilfunkwerte wie America Movil entwickelten sich positiv. Auch die traditionell eher defensiven Versorgerwerte erzielten dank steigender Strompreise und positiver Wachstumsaussichten über 50% Kurssteigerungen.

Ein wichtiger Teil der Rendite waren Währungsgewinne. Der brasilianische Real legte 15% zu, während auch der mexikanische sowie der chilenische Peso etwas stärker wurden.

Insgesamt haben sich die starken Renditen über mehrere Länder und Branchen verteilt. Der Monat November war mit 7,5% sehr stark und folgte auf einen schwachen Oktober mit Verlusten von 5%. Wir glauben nicht, dass es für eine Anlage in Lateinamerika zu spät ist. Wir sind für das kommende Jahr zuversichtlich, glauben aber nicht an eine Wiederholung der diesjährigen Renditen. In 2006 erwarten wir auf der Grundlage von höherem Gewinnwachstum und günstigen Bewertungen im Vergleich zu entwickelten Märkten einen Ertrag von etwa 15%. Das nächste Jahr könnte aufgrund der Wahlen in Kolumbien, Peru, Mexiko und Brasilien volatiler werden.

Welche Chancen bietet ein Investment in der Region und welche Risiken gibt es?

Investoren können an den überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten der Region teilhaben. Die Märkte sind außerdem weniger effizient als entwickelte Märkte, was für uns von Vorteil ist.

Es kann allerdings auch zu hoher Volatilität kommen, erstens aufgrund politischer Krisen, zweiten wegen ausländischer Kapitalflüsse, von denen die Aktienmärkte zeitweise sehr abhängig sind, und drittens durch das globale Umfeld, da die Region Rohstoffe exportiert, deren Nachfrage wiederum unter einer Schwächung der weltweiten Konjunktur leidet.

Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass Lateinamerika am stärksten unter steigenden Zinsen in den USA leidet. Teilen Sie diese Einschätzung?

In der Vergangenheit gab es einen starken Zusammenhang zwischen steigenden US-Zinsen und sinkenden Aktienmärkten in Lateinamerika. Dies war in den letzten 15 Monaten, in denen die amerikanische Notenbank die Leitzinsen von 1% auf 4% erhöhte, nicht so. Im Gegenteil, die Märkte legten um mehr als 100% zu. Dieses Mal wirkte sich die starke Verfassung der regionalen Volkswirtschaften, insbesondere Handelsbilanzüberschüsse und eine Verbesserung der Haushaltslage, zusammen mit dem anhaltenden Wachstum in den USA und China sowie steigenden Ölpreisen positiv aus. Wir erwarten zwar eine gewisse Verlangsamung der globalen Konjunktur, sobald sich die straffere US-Geldpolitik ihre Wirkung entfaltet. Dies sollte allerdings durch eine Lockerung der Geldpolitik in Brasilien und Mexiko ausgeglichen werden. Dort besteht wegen hoher Realzinsen noch Raum für Zinssenkungen.

Die größten Märkte in Lateinamerika sind Brasilien und Mexiko, was sich auch in den entsprechenden Regionenfonds wiederspiegelt. Ist die wichtigste Ertragsquelle für einen Lateinamerikafonds die Aufteilung nach Ländern oder gibt es andere Unterscheidungsmerkmale?

Das hängt vom Anlagestil des Fondsmanagers ab. Bei Top-Down-Ansätzen ist die Länderaufteilung wichtiger. Unser Ansatz ist bottom-up-geprägt. Im letzten Jahr sind wir relativ geringe Länderwetten von maximal +/- 3% eingegangen. Wir haben ein konzentriertes Portfolio von höchstens 55 Werten zusammengestellt, in dem Aktien mit attraktivem Bewertungs- und Wachstumsprofil hoch gewichtet waren. Daher lässt sich unser Mehrertrag gegenüber dem Vergleichsindex MSCI Lateinamerika ND vor allem aus der Aktienauswahl erklären.

Es scheint, dass die meisten Manager in Lateinamerika in ein und dieselben Unternehmen investieren. Sehen Sie das auch so?

Es gibt sicherlich einige Überschneidungen. Der Index umfasst 120 Unternehmen, wobei die 9 größten Titel 50% davon ausmachen. Unterschiede zwischen den Fonds gibt es also vor allem in den unteren 50%. Daneben ist es möglich, außerhalb der Benchmark zu investieren.

Welche Kriterien setzen Sie bei der Aktienauswahl an?

Wir berücksichtigen die Liquidität, die über 500.000 US-Dollar am Tag betragen sollte. Wir legen Wert auf ein gutes Management, analysieren die Wachstumsaussichten des Unternehmens, seine Stellung im Wettbewerb und Branchentrends. Auch die Abhängigkeit vom lokalen oder globalen Umfeld sowie die Bewertung spielen eine Rolle.

Wie unterscheidet sich Ihr Fonds von der Konkurrenz?

Wir verfolgen einen aktiven Ansatz, konzentrieren uns auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und stellen ein konzentriertes Portfolio zusammen.
Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es