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Die Terrorattacken gefährden das Währungssystem

Bei der Frage nach den Folgen der Anschläge in den USA beachten die Anleger vor allem die Aktienmärkte. Doch es gibt noch andere Sektoren, die Anlass zur Sorge geben: Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Wechselkurse auf die internationalen Währungen.

Investoren sollten nie vergessen, dass Währungsschwankungen ihre Performance erheblich beeinträchtigen können. Wenn zum Beispiel ein englischer Anleger einen bescheidenen Gewinn mit amerikanischen Papieren erzielt hat, gleichzeitig aber der Dollar gegenüber dem Pfund gefallen ist, kann für den Briten unter dem Strich ein Verlust entstehen.

Natürlich kann ein Fondsmanager „hedgen“. Das bedeutet nichts anderes als eine Versicherung abzuschließen gegen unerwartete Währungsschwankungen. Aber das kann teuer werden und ist schwierig durchzuhalten, wenn sich die Wechselkurse substanziell verändern.

Kaum jemand kann sich dem Einfluss der Wechselkursschwankungen entziehen. Die Zentralbanken passen regelmäßig die Zinsen an, um die jeweilige Landeswährung auf einem vernünftigen Niveau zu halten: auch die Aktienkurse werden hiervon beeinflusst.

Im Fall des Angriffs auf die USA muss betont werden, dass nicht der eigentliche zerstörerische Effekt – so schrecklich er menschlich ist – den Dollar bedroht. Seriöse Ökonomen sind der Ansicht, dass der unmittelbare Einfluss der Zerstörung des World Trade Centers sehr gering ist – im Vergleich zur Größe der US-Wirtschaft insgesamt.

Jedoch ist es möglich, dass der Ruf Amerikas als sicherer Hafen für Investments angekratzt wird und dies dem Dollar weit mehr schadet als der Angriff selbst. „Das Bild als ´Das unverletzliche Amerika´ wurde durch den Anschlag mindestens getrübt.“, sagt Tim Congdon, Chef-Volkswirt bei Lombard Street Research.

Der Dollar ist besonders verletzbar, weil die Währung bereits vor dem Anschlag der vergangenen Woche als überbewertet galt. In dieser Hinsicht könnte der Terror eher der Auslöser als die Ursache eines gravierenden Kursrückgangs sein.

In der zweiten Hälfte der 90-er Jahre stieg der Kurs des Dollar übertrieben stark im Verhältnis zum relativen Wirtschaftswachstum der USA. Nach den Zahlen der Bank von England stieg der reale Umtauschkurs des Dollar gegenüber dem Pfund in den fünf Jahren bis Juli 2000 um 29 Prozent. Obwohl ein starkes Wirtschaftswachstum für einen Teil des Kursanstiegs verantwortlich ist, erklärt er ihn doch nicht ganz.

Als allgemein akzeptierte Erklärung für den Anstieg des Dollar galten ausländische Investoren, die US-Aktien kaufen. Dafür mussten sie ihre eigenen Währungen zuerst in Dollar umtauschen. Als Ergebnis stieg der Greenback.

Die Kapitalzuflüsse erlaubten es den USA, ein Handelsdefizit aufrecht zu erhalten, während der Wert des Dollar gegenüber anderen Währungen künstlich geschützt wurde. Es war unwahrscheinlich, dass diese Situation langfristig Bestand haben konnte. Sogar vor dem Terror der vergangenen Woche war es klar, dass ein Schock von außen den Anstieg der Währung umkehren könnte.

Obwohl der Dollar während der vergangenen Tage vergleichsweise stabil war, sollte die Entwicklung genau beobachtet werden: Es kann sehr leicht sehr volatil werden.

Zusätzlich könnten die kürzlich erfolgten Zinssenkungen das Problem weiter verschlimmern, weil die Versorgung der Wirtschaft mit Geld weiter gesichert wird. Michael Hughes, der Chef-Volkswirt bei Baring Asset Management betont, dass die Geldversorgung schon wesentlich stärker stieg als die Industrieproduktion. Doch mehr Dollars in die Wirtschaft zu schleusen könnte die Währung im Vergleich zum Euro oder zum Pfund ganz leicht an Wert verlieren lassen.

Es wäre ein Fehler, die Verletzlichkeit des Dollar nur als Problem Amerikas zu sehen. Die Verfassung der amerikanischen Währung hat großen Einfluss auf Ökonomien und Finanzmärkte auf der ganzen Welt.

Ein fallender Dollar könnte Länder treffen, die wichtige Handelsbeziehungen mit den USA unterhalten. Ein Verfall der US-Währung würde amerikanische Güter in anderen Ländern billiger machen und somit asiatischen und europäischen Exporteuren schaden.

Das britische Pfund könnte leicht zwischen den Ausschlägen von Dollar und Euro aufgerieben werden. Durch die Verbindungen sowohl mit der Eurozone als auch zum Dollar könnte das Pfund in erhebliche Schwierigkeiten geraten.

In einer derart unsicheren Situation ist es nicht möglich, auch nur annähernd zu prognostizieren, wie sich die Währungen kurzfristig zueinander entwickeln. Zahlreiche Faktoren – wie das Ausmaß der militärischen Aktionen der USA und die Entwicklung des Ölpreises – beeinflussen die Währungsmärkte.

Jedoch stimmen die meisten Spezialisten zu, dass zumindest die Möglichkeit eines starken Dollarverfalls besteht. Besonders trifft dies gegenüber dem Euro zu. Und wenn sich der Wert der US-Währung grundlegend verändert, wird dies einigen Einfluss haben – weit über diejenigen hinaus, die in Nordamerika-Fonds investieren.
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Morningstar.co.uk Editors  analyse and report on shares, funds, market developments and good investing practice for individual investors and their advisers in the UK.