Was ist eine Anleihe?

Im ersten Teil einer Serie über Anleihen und Anleihenfonds analysiert Morningstar die Grundlagen.

Anleihen und Aktien sind grundlegend verschieden. Wenn ein Anleger eine Aktie kauft, so erwirbt er damit einen Teil des betreffenden Unternehmens. Die Firma ist nicht dazu verpflichtet, den Aktienkurs auf einem bestimmten Niveau zu halten, vorausgesetzt, es wurden alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten. Der Anleger hofft auf Gewinn durch Veräußerung der Aktien in der Zukunft, erhält jedoch keinerlei Garantie dafür.

Wenn ein Anleger hingegen eine Anleihe kauft, so leiht er dem Emittenten dieses Wertpapiers Geld, welches zurückgezahlt werden wird, es handelt sich also um eine Art Schuldschein. Die Rendite des Anlegers setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Ein Teil des Geldes wird jährlich in Form von Zinsen zurückgezahlt. Die Höhe dieser Zahlungen richtet sich nach dem sogenannten Kupon, also dem Zinssatz, der fast immer festgelegt ist. Der andere Teil der Rendite ist die Rückzahlung der ursprünglichen Anlagesumme am Ende der Laufzeit der Anleihe.

Bonität oder Kreditwürdigkeit

Anleihen stehen im Ruf, sicherere Anlagen als Aktien zu sein. In Wirklichkeit gibt es erhebliche Unterschiede beim Sicherheitsgrad. So ist eine Bundesanleihe eine sehr sichere Anlage, denn ein Staatsbankrott ist in Deutschland höchst unwahrscheinlich.

Unternehmensanleihen sowie Anleihen aus Schwellenländern sind jedoch eine andere Sache. Eine gute Methode, die Sicherheit seiner Anlage einzuschätzen, ist, sich die Bonität anzusehen. Diese „Noten“ werden von Ratingagenturen wie Moody´s oder Fitch vergeben. Ratings von AAA+ bis BBB- bezeichnet man als „investment grade“, während jene von BB+ bis hinunter zu D als „non-investment grade“ oder spekulativ eingestuft werden.

Rendite

Da ein Anleger rational gesehen sein hartverdientes Geld eher sicher anlegen möchte, bieten Anleihenemittenten mit niedriger Bonität höhere Renditen, um Anleger anzulocken.

Wenn der Bund zum Beispiel vier Prozent auf seine Anleihen anbietet, dann werden Unternehmen von hoher Bonität (AAA+ bis BBB-) vielleicht 5,5 Prozent anbieten. Ein Anbieter spekulativer Anleihen müsste dann schon etwa sieben bis acht Prozent offerieren.

Wenn man sich für einen Anleihenfonds entscheidet, könnte man sich leicht von den angepriesenen hohen Renditen der Fondsgesellschaften beeindrucken lassen. Ein informierter Anleger jedoch weiß, dass höhere Renditen immer auch höheres Risiko bedeuten. Hochverzinsliche Anleihen oder „High Yields“ hören sich toll an, sind aber nur ein neuer Name für etwas, das die Amerikaner in den frühen neunziger Jahren noch „Junk Bonds“ –auf deutsch Schrottanleihen – nannten. Das soll nicht heißen, dass man mit diesen Fonds keine Rendite erzielen könnte, aber das Risiko eines Zahlungsausfalls ist höher.
Über den Autor

Morningstar.co.uk Editors  analyse and report on shares, funds, market developments and good investing practice for individual investors and their advisers in the UK.