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Albtraumanlage Japan

Fondsmanager sind meist von Haus aus optimistisch veranlagt. Einen Japanfonds zu verwalten muss daher angesichts des seit über einem Jahrzehnt intakten Abwärtstrends der Tokioter Börse schwierig sein.

Es wäre vielleicht etwas einfacher, wenn wenigstens Licht am Ende des Tunnels zu sehen wäre. Leider herrscht in Expertenkreisen weitgehend Einigkeit darüber, dass Japans Wirtschaft weiter abrutschen wird, eventuell sogar zusammenbrechen könnte. So erwarten rund die Hälfte der von Morningstar befragten Fondsmanager in Europa Japan als schwächsten Markt über die kommenden zwölf Monate.

Trotz derart trüber Aussichten gibt es mindestens zwei Gründe, Japan dennoch ernst zu nehmen. Wenn die Pessimisten richtig lägen, dann könnte Japan – immer noch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – den Rest der Welt mit sich in den Abgrund ziehen. Sollten sie sich jedoch täuschen, dann könnten mutige Anleger genau dann den richtigen Einstiegspunkt finden wenn alle anderen das Handtuch werfen.

Für den gelegentlichen Beobachter der japanischen Börse mag diese ultra-pessimistische Umfeld etwas verwirrend sein. Sind doch die vorgebrachten Missstände seit langem bekannt – Bankenkrise, Deflation, Staatsverschuldung.

Vom Sockel gestürzt

Das wesentliche neue Element ist der drastische Popularitätsverfall von Premierminister Koizumi, der vor knapp einem Jahr mit der Ankündigung radikaler Reformen an die Macht gekommen war. Die an ihn geknüpften Hoffnungen wurden bislang jedoch bitter enttäuscht.

Hinzu kommt, dass die verschleppten Probleme mit der Zeit immer gravierender werden. Der Berg notleidender Kredite scheint ins Endlose zu wachsen, während die Wertpapierkurse scheinbar ungebremst weiter fallen.

Zu allem Überfluss sind sich die Experten noch nicht einmal über die Art der notwendigen Reformen einig. Während die eine Seite (zu der die Mehrzahl der Fondsmanager zählt) Strukturreformen für unumgänglich hält, sehen andere (angeführt von Paul Krugman vom renommierten MIT in Boston) die Lösung in inflationsfördernden Maßnahmen der Regierung. Dahinter steht die Hoffnung, dass die Japaner dadurch zum Konsum angeregt werden könnten.

Schmerzhafter Schnitt für alle

Beide Methoden setzen eine hohe Leidensfähigkeit des japanischen Volkes voraus. Während die Deregulierung zu Massenkonkursen und hoher Arbeitslosigkeit führen würde, hätte die gewollte Inflation die Erosion der mühsam angesparten Privatvermögen zur Folge.

Japan-Fondsmanager versuchen sich zu wappnen, indem sie verstärkt auf Unternehmen mit stabilen Bilanzen und soliden Gewinnentwicklungen setzen. Wer sich hingegen am Index orientierte, ist dafür brutal abgestraft worden. Der Wert eines aktiven Fondsmanagements zeigt sich in keiner Anlageregion so stark wie in Japan.
Über den Autor

Morningstar.co.uk Editors  analyse and report on shares, funds, market developments and good investing practice for individual investors and their advisers in the UK.