Mehr als nur Rendite

Viele Faktoren, darunter auch pures Glück, können einem Fonds zu guter Performance verhelfen. Morningstar erläutert, wie Sie sich ein besseres Bild von Rendite und Risiko eines Fonds machen können.

Anleger sollten sich niemals allein auf die Renditen der Vergangenheit verlassen, wenn sie die zukünftige Wertentwicklung einschätzen wollen. Natürlich spielt die Rendite bei der Evaluierung des Anlagekönnens eines Fondsmanagers eine Rolle. Man darf die Wertentwicklung jedoch nicht isoliert betrachten.

Wenn Anleger die Wertentwicklungszahlen in den Werbebroschüren von Fondsanbietern sehen, sollten sie stets darauf achten, welcher Zeitraum angegeben ist. Die Zahlen können irreführend sein, wenn etwa der Zeitraum zu kurz ist (z.B. drei Monate) oder wenn sie durch einen ungewöhnlichen Anstieg gegen Ende der Periode begünstigt wurden.

Aber auch längere Zeiträume können täuschen. Die fünfjährige Rendite eines Fonds ist nicht brauchbar, wenn etwa vier schlechte Jahre durch ein überragendes Jahr ausgemerzt wurden. Die Betrachtung der Renditen verschiedener Zeiträume in unseren Fonds-Quicktakes deckt solcherlei Unregelmäßigkeiten auf.

Wenn die Renditezahlen legitim und konstant erscheinen, sollte der Anleger im nächsten Schritt untersuchen, welche Risiken der Fondsmanager dafür eingegangen ist. Ein Fonds mit sechs Prozent Wertzuwachs bei geringem Risiko kann eine bessere Wahl sein als ein Fonds mit 15 Prozent Anstieg bei zu hohem Risiko.

Die Sharpe Ratio verrät dem Anleger, wie viel Rendite pro Risikoeinheit erwirtschaftet wurde. Eine höhere Zahl bedeutet eine bessere risikoangepasste Performance.

Volatilität ist wichtig

Eine reine Renditezahl ignoriert die Volatilität. Dieser Begriff steht für die Schwankungsbreite eines Fonds und ist ein wichtiger Faktor, den jeder Anleger im Auge behalten sollte. Auch wenn Investoren mit einem längeren Anlagehorizont höhere Schwankungen tolerieren können, so ist eine konstante Entwicklung doch in jedem Fall sicherer.

Nehmen Sie etwa zwei Fonds, die jeweils 30 Prozent Wertsteigerung über drei Jahre erfahren haben. Jener Fonds, der in jedem Jahr konstante Renditen abwirft, ist doch wahrscheinlich vorzuziehen gegenüber demjenigen, der im ersten Jahr um 40 Prozent stieg, dann um 30 Prozent fiel, um schließlich wieder um 36 Prozent zu steigen.

Anleger können die Standardabweichung als Orientierung verwenden, wenn sie die Konstanz der Wertentwicklung untersuchen wollen. Manche Morningstar Kategorien sind volatiler als andere. Ein Vergleich mit dem jeweiligen Kategoriedurchschnitt stellt den Kontext her.

Die Fokussierung oder Streuung eines Fondsportfolios hat ebenfalls Einfluss auf die Wertentwicklung. So setzt etwas eine starke Gewichtung einer bestimmten Branche den Fonds potenziell höheren Schwankungen aus.

Der Anleger kann die Gewichtung einzelner Sektoren und Regionen in einem Fonds mit dem Kategoriedurchschnitt vergleichen. Abweichungen von der Norm sind kein Warnsignal per se, aber wenn keine Strategie erkennbar ist, ist Skepsis schon angebracht.

Wenn der Anleger sich bewusst ist, dass der Fondsmanager große Sektorwetten eingeht, kann er dies in die Analyse der Wertentwicklung einbeziehen. Branchenfonds investieren gar nur in einen Sektor, sie sind daher von vorneherein riskanter.

Einfluss des Index

Wenn ein Fondsportfolio eng am Index angelehnt ist, steht zu erwarten, dass auch seine Wertentwicklung sich an der Benchmark orientiert. Der Einfluss des Index kann anhand einer Kenzahl namens R² gemessen werden. Diese misst, welcher Anteil der Fondsrendite sich mit dem Indexverhalten erklären lässt. Die Skala reicht von 0 bis 100. Je höher die Zahl, desto indextreuer der Fonds. Die Anleger können damit ermitteln, wie aktiv der Fonds verwaltet wird.

Ein Fonds kann aber auch durch glückliche verlaufene Wetten auf einzelne Aktien oder Anleihen gute Resultate erzielen. Gegen diesen Effekt kann sich der Investor kaum schützen, aber er kann zumindest das Portfolio auf starke Abweichungen in der Zusammensetzung im Vergleich zu anderen Fonds der Kategorie untersuchen. Stellt er diese fest, sollte er den aktuellen Kommentar des Fondsmanagers, etwa im Rechenschaftsbericht, konsultieren. Eine fundierte Begründung kann auf einen gewollten Effekt hindeuten. Leider sind die Informationen deutscher Fondsmanager in diesem Bereich oft völlig unzulänglich oder gar überhaupt nicht vorhanden.

Die weitere Entwicklung eines Fonds punktgenau vorauszusagen ist unmöglich. Aktien bieten langfristig höhere Renditen als etwa ein Sparbuch, eben weil ihre Rendite nicht vorhersehbar ist. Wer sich aber näher damit beschäftigt, wie die Renditen der Vergangenheit zustande gekommen sind, kann daraus Schlüsse für die zukünftige Entwicklung ziehen.

Über den Autor

Morningstar.co.uk Editors  analyse and report on shares, funds, market developments and good investing practice for individual investors and their advisers in the UK.