Der Schein kann trügen

Die veröffentlichte Rendite eines Fonds muss nicht mit der Rendite seiner Anleger übereinstimmen. Dies zeigt auch eine Untersuchung unserer amerikanischen Kollegen.

Natalia Siklic, 22.07.2005
Fonds werben gerne mit ihrer Wertentwicklung. Was dabei oft unerwähnt bleibt: Je eindruckvoller die kurzfristige Rendite (im Vergleich zu anderen Marktsegmenten), desto weniger Anleger dürften diese tatsächlich mitgemacht haben.

Denn die meisten Investoren sind zu Beginn eines Höhenflugs nicht dabei. Viele springen erst dann auf den Zug auf, wenn dieser schon stark an Fahrt gewonnen hat. Anleger neigen dazu, die Trends der jüngeren Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben und Fonds zu kaufen, die eine gute Performance vorweisen können bzw. solche zu verkaufen, die stark gefallen sind. Das Gegenteil des berühmten Mottos „Buy low and sell high“.

Fondsfactsheets oder Performancetabellen weisen die Wertentwicklung des gesamten Portfolios aus, unabhängig davon, wie viel Geld darin in welchen Zeitraum investiert war. Sie zeigen die Rendite unter der Annahme, dass der gesamte Anlagebetrag zu Anfang des Betrachtungszeitraums investiert und bis zum Ende der Periode gehalten wurde.

Die Erfahrung des durchschnittlichen Investors ist aber meist eine andere. Anleger tätigen Ein- oder Auszahlungen innerhalb des Anlagezeitraums, da sie einen Sparplan eingerichtet haben oder versuchen, auf kurzfristige Marktbewegungen zu reagieren. Je nachdem, wie richtig oder falsch man damit liegt, kann die persönliche erheblich von der offiziellen Fondsrendite abweichen.

Unsere Kollegen in den USA haben die Lücke zwischen diesen beiden Renditemaßen untersucht, um herauszufinden, mit welchen Fonds Anleger am besten gefahren sind. Sie errechneten dabei die geldgewichtete Rendite eines typischen Fondsinvestors, in dem sie die geschätzten Mittelzu- und –abflüsse in die betreffenden Fonds berücksichtigten. Die Berechnungen beziehen sich auf 17 amerikanische Kategorien und einen Zeitraum von 10 Jahren.

Abweichungen in der Rendite geben einen Hinweis darauf, wie gut Anleger ihre Käufe und Verkäufe zeitlich gesteuert haben. Sie sind auch Anhaltspunkt dafür, ob bestimmte Fonds schwierig in der Handhabung sind.

Vorneweg: Die gewichtete Rendite lag in jeder Kategorie unterhalb der publizierten. Heikel scheinen jedoch vor allem Branchenfonds zu sein. Spitzenreiter (oder eher Schlusslicht) im Untersuchungszeitraum waren Technologiefonds, wo die tatsächliche Rendite der Anleger dem veröffentlichten Wert um 14 Prozentpunkte hinterherhinkte. Ähnlich war es bei Telekomfonds (-5,4%) und Health Care Fonds (-4%).

Auch mit Fonds, die einen Growthansatz verfolgen, bewiesen viele Anleger kein glückliches Händchen: Je nach Marktkapitalisierung ergab sich eine Lücke von 2,5 – 3,4% gegenüber der offiziellen Wertentwicklung.

Dagegen kamen Investoren mit Valuefonds am besten weg. Insgesamt fällt auf, dass die Abweichungen der beiden Renditemaße in weniger volatilen Kategorien geringer ausfallen als in schwankungsintensiven Anlagesegmenten. Die vollständigen Ergebnisse mit den Durchschnittswerten pro Kategorie finden Sie hier.

Fazit

Die Auswahl des „richtigen“ Fonds nützt wenig, wenn ungünstiges Timing die Performance zunichte macht. Dies rührt oft aus übertriebenem Aktionismus und mangelnder Langfristplanung. Eine ausreichende Risikostreuung hilft, um Schwächephasen besser zu überstehen und nicht in pro-zyklisches Handeln zu verfallen.



Zeitgewichtete Rendite

Dies ist die Rendite, die auf Fondsfactsheets, den Webseiten von Fondgesellschaften oder auch auf unserer Internetseite erscheint. Sie beschreibt die Performance des gesamten Fonds im jeweiligen Betrachtungszeitraum und misst die Leistung des Vermögensverwalters (wenn man davon ausgeht, dass dieser keinen Einfluss auf Zu- and Abflüsse hat). Sie wird zudem beim Vergleich verschiedener Fonds eingesetzt. Die zeitgewichtete Rendite wird unter der vereinfachenden Annahme berechnet, dass alle Anleger ihr Geld zum selben Zeitpunkt anlegen und wieder abziehen (ohne Ein- und Auszahlungen innerhalb des Betrachtungszeitraums).

Geldgewichtete Rendite

Die Realität entspricht meist nicht dieser vereinfachenden Annahme: Anleger steigen zu verschiedenen Zeitpunkten ein und tätigen Ein- oder Auszahlungen innerhalb des Anlagezeitraums.

Beispiel

Anleger X investiert am 1. Januar 1 Euro. Bis zum Jahresende verdoppelt sich sein Investment auf 2 Euro. Hocherfreut investiert er Anfang des zweiten Jahres nochmals 1000 Euro. Nach weiteren 12 Monaten steht ein Verlust von 50% zu Buche. Das Investment ist noch 501 Euro wert. Zwar beträgt die zeitgewichtete Rendite über die zwei Jahre 0% (eine Anlage von 1 Euro verdoppelt sich auf 2 Euro und verliert dann 50%, so dass 1 Euro verbleibt). Allerdings wird das den Anleger nicht trösten, da er Geld verloren hat. So wurde hier nicht berücksichtigt, wann er wie viel Geld angelegt hat.

Besseren Aufschluss über die persönliche Performance gibt die geldgewichtete Rendite bzw. der interne Zinsfuß. Dieser berücksichtigt den Zeitpunkt und die Höhe der Ein- oder Auszahlungen und beträgt im obigen Fall -50% (der Zinssatz r, für den der Anfangswert 1 = -1000/(1 + r) + 501/(1 + r)²). In der Praxis verwendet man zu seiner Berechnung (bei einer großen Anzahl von Zahlungsströmen) Tabellenkalkulationsprogramme wie Excel.