Fonds unter der Morningstar-Lupe (2)

Wir achten bei unserer Arbeit auf Aktienauswahl, Managerentlohnung und Gebühren.

Alexander Ehmann 14.05.2008


Aktienauswahl

Wir verbringen viel Zeit mit der Untersuchung der kompletten Portfolios. Das gilt sowohl für die aktuelle Zusammensetzung als auch für die historischen Portfolios. Die Holdings geben uns Aufschluss über die Risiken, die in einem Fonds stecken. Ein Fonds geht beispielsweise ein hohes Risiko ein, wenn er in hochverschuldete Unternehmen investiert, die in einer Rezession unter Druck geraten können. Eine genaue Portfolio-Analyse verrät, ob der Manager an seiner Strategie festhält und wie er sich bei wechselnden Marktbedingungen verhält. Wenn ein auf Large-Caps spezialisierter Fondsmanager plötzlich Small-Caps kauft, wollen wir wissen, warum er das tut. Vor allem dann, wenn er auf kein eigenes Research zurückgreifen kann. Die Informationsbeschaffung ist bei Small-Caps schwieriger als bei Blue-Chips. So fällt auch das Angebot an externem Research spärlicher aus.

Wir haken genauer nach, wenn ein Manager mit einem disziplinierten Value-Ansatz auf einmal überteuerte Aktien kauft. Außerdem beobachten wir das Kauf- und Verkaufverhalten bestimmter Positionen. Besonders interessant ist, wenn Manager entgegen der allgemeinen Marktmeinung mit ihren Einschätzungen richtig lagen oder aber aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

Managerentlohnung

Die Manager-Boni können einem Vielfachen des Grundgehalts entsprechen. Richtet sich der Bonus nach der kurzfristigen Performance, wird der Manager aggressiver handeln und höhere Risiken eingehen. Wenn diese Wetten aufgehen, kann er sein Gehalt deutlich aufbessern. Wir ziehen Manager vor, die nach der langfristigen Wertentwicklung bezahlt werden. So können im Sinne der Anleger langfristige Performanceziele besser erreicht werden. Außerdem ist der Manager länger an die Gesellschaft gebunden. Wenn die Bezahlung aber an der Höhe des Fondsvolumens gemessen wird, lassen Manager ihre Fonds oft über die Schmerzgrenze hinaus wachsen. Das ist vor allem bei Nebenwertefonds mit illiquiden Werten ein Problem.

Wir sehen es gerne, wenn Manager in ihre eigenen Fonds investieren. Wenn ein Manager nicht bereit ist, sein eigenes Geld zu riskieren, wieso sollte es dann jemand anderes tun? Einige der besten Gesellschaften zahlen die Boni in Form von Fondsanteilen aus, die für einen bestimmte Zeit gehalten werden müssen. Leider ist das nicht die Regel.

Gebühren

Viele Faktoren können die Performance beeinflussen, die Gebühren aber zehren Jahr für Jahr an der Rendite. Dieser Effekt summiert sich über die Zeit gravierend auf. Ein großer Wettbewerb, der sich in den Gebühren widerspiegelt, ist in Deutschland leider noch nicht vorhanden. Einzig ETFs (Exchange Traded Funds) setzen die aktiven Mandate unter Druck. Ein Beispiel: Nehmen wir den Lyxor ETF MSCI World und einen aktiv gemanagten Fonds, die beide den MSCI World als Benchmark haben. Der Lyxor ETF MSCI World kostet 0,45% an Verwaltungsgebühr pro Jahr, der aktiv gemanagte Fonds 1,5% (was ungefähr den Durchschnittskosten bei globalen Standardwertefonds entspricht). Angenommen ein Anleger hätte 10 000 Euro investiert und beide Fonds entwickeln sich gleich mit einer jährlichen Rendite von 7%. Nach 10 Jahren hätte er mit dem ETF 1.892 Euro mehr als mit dem aktiven Mandat. Das entspricht beim ETF einer jährlichen Nettorendite von 6,5% Prozent, der aktiv gemanagte Fonds erzielt eine Nettorendite von 5,4%.
Je höher die Kosten, desto mehr Performance muss der Manager eines aktiven Fonds liefern, um die Benchmark zu schlagen. Studien haben gezeigt, dass Manager von Rentenfonds mit hohen Kosten höhere Risiken eingehen als ihre Konkurrenten mit niedrigeren Kosten.

Performance

Einen Fonds allein nach seiner Performance zu beurteilen, kann in einem Desaster enden. Jedoch können wir an bestimmten Mustern in der langfristigen Performance sehen, ob ein Fonds sich nach unseren Vorstellungen entwickelt hat. Wir betrachten nicht nur die Benchmark, sondern vor allem die jeweilige Morningstar Kategorie. Das erleichtert einen Vergleich von Fonds mit ähnlicher Anlagestrategie. Nehmen wir einen Value-Fonds, der in der Technologie-Hausse 1999 gute Ergebnisse erzielt hat. Wenn dieser nach dem Platzen der Blase unter die Räder gekommen ist, hat sich der Manager scheinbar von seiner Strategie entfernt und viele Growth-Aktien gekauft.

Kurzfristige Performance ist bedeutungslos. Wir mögen eine gute langfristige Historie (fünf Jahre und mehr), die mit einem geringen Risiko erreicht wird. Nochmal: die Performance muss im richtigen Zusammenhang beurteilt werden. Es gibt viele gute global investierende Large-Cap-Manager. In den vergangenen Jahren war die Performance von Schwellenländerfonds aber deutlich besser. Einen globalen Aktienfonds kann man wegen der unterschiedlichen Anlagestrategie jedoch nicht einfach mit einem Schwellenländerfonds vergleichen.

Auf die langfristige, risikoangepasste Performance achten

Aufmerksame Leser werden gemerkt haben, dass die Performance der letzte Punkt in diesem Stück ist. Sie ist zwar wichtig, aber sich nur darauf zu verlassen, wäre ein typischer Anfängerfehler. Die Rendite ist ein schlechter Indikator für die Zukunft. Anleger sollten sich zuerst an der langfristigen, risikoangepasste Performance orientieren und danach auf die oben beschriebenen Punkte eingehen. Wer dies berücksichtigt, wird mit seinem Portfolio langfristig mehr Erfolg haben.
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Alexander Ehmann