Bolton findet Blue Chips und Bankaktien interessant

Gleichzeitig warnt er aber davor, nur selektiv an den Kapitalerhöhungen der Banken teilzunehmen.

Alexander Ehmann 13.06.2008
Der legendäre britische Fidelity Manager Anthony Bolton präferiert in der augenblicklichen Situation Qualität und Standardwerte. Bolton ist für sein langjähriges und erfolgreiches Management des Fidelity European Growth (1990 bis 2002) und den Fidelity UK Special Situations (1979 bis 2007) berühmt. Der letztgenannte Fonds war nie in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Bolton legte mit seiner stark überdurchschnittlichen Leistung beim Fidelity European Growth den Grundstein für die hohen Mittelzuflüsse.

Der Small-Cap-Experte von BlackRock Richard Plackett stimmt Bolton zwar beim Thema Qualität zu, jedoch bevorzugt dieser Nebenwerte. Small- und Mid-Caps bieten laut seiner Aussage attraktive Gewinnpotentiale bei vernünftigen Bewertungen, weshalb Anleger jetzt kaufen sollten. Nach unserer Meinung sieht dies nur vordergründig nach einem Widerspruch aus.

Bolton ist zwar auch der Meinung, dass Nebenwerte langfristig höhere Renditen erzielen als Standardwerte, mit Blick auf die nächsten Monate zweifelt er jedoch daran. Wegen der gestiegenen Risikoaversion der Marktteilnehmer sollten Standardwerte in der nächsten Zeit bessere Renditen liefern als die Nebenwerte.

Mit Beginn der Subprime-Krise 2007 liefen Nebenwerte schlechter als Standardwerte, weil Anleger in Blue Chips flüchteten, von denen sie sich mehr Sicherheit erhofften. In Deutschland erzielten Nebenwertefonds zwischen 2003 und 2006 im Durchschnitt 27% pro Jahr, die Standardwerte kamen dagegen auf eine jährliche Performance von 22%. 2007 lagen dafür die Standardwerte mit 17% vorne und waren damit besser als Small- und Mid-Caps, die nur 5% erzielten. Bolton rechnet damit, dass sich dieser Trend noch mindestens ein Jahr fortsetzen wird.

Finanzwerte sind wieder attraktiv bewertet

Die Subprime-Krise befinde sich in den letzten Zügen, so Bolton. Wenn er noch einen Fonds managen würde, wären derzeit Bankaktien seine erste Wahl. Finanzwerte wurden während der Subprime-Krise mit am härtesten abgestraft. Der MSCI World Financials verlor letztes Jahr 17%, der DJ Stoxx 600 Banks verbuchte ein Minus von 14%. Manche Finanztitel seien deshalb im Vergleich zu ihren langfristigen Performancehistorien günstig bewertet. Laut Bolton verkaufen zurzeit viele Investmentgesellschaften Aktien rohstoffabhängiger Unternehmen und holen sich lieber Finanzwerte ins Portfolio. Auch immer mehr Bankvorstände kaufen verstärkt Aktien ihrer Unternehmen, was seine These untermauert.

Der optimale Zeitpunkt für Nebenwerte?

Nach Richard Placketts Ansicht gibt es derzeit viele Small- und Mid-Cap-Unternehmen die ungeachtet der Wirtschaftslage ihre Gewinne steigern und sich damit an der Spitze positionieren können. Anleger sollten sich Unternehmen mit einem erfahrenen Management, einer starken Marktposition und regelmäßigen, hohen Cashflows aussuchen. Trotz hoher Gewinnaussichten mussten diese Firmen wegen kaum vorhandenen Anlegerinteresses Kursverluste hinnehmen. Anleger sollten seiner Meinung nach Aktien kaufen, die langfristig hohe Renditen erzielt haben, kurzfristig aber schlechter waren als der Markt.

Wir ziehen ein ausgewogenes Portfolio vor

Auch wenn beide Experten jeweils für einen anderen Aktientypen plädieren, sind sie sich in einem einig: Nebenwerte schlagen langfristig Standardwerte, Large-Caps bieten in Krisenzeiten kurzfristig mehr Sicherheit. Wir glauben, dass Anleger in turbulenten Zeiten mit einem ausgewogenen Portfolio aus Aktien und Renten am besten beraten sind. Das Portfolio sollte kurzfristig taktisch und langfristig strategisch ausgerichtet sein.

Nach Meinung Boltons war die Bear Stearns Krise der Höhepunkt, allerdings ist er sich nicht sicher, ob es der Tiefpunkt für die Aktien war. Für jetztige Engagements sprechen dagegen eine Reihe von Stimmungsindikatoren, die er regelmäßig überprüft. Dabei verweist er hauptsächlich auf die Nettomittelabflüsse aus Aktienfonds, die ihm ein Signal zum Einstieg liefern. Außerdem erhielten Geldmarktfonds hohe Mittelzuflüsse, was aus historischer Sicht ein gutes Zeichen für einen Wechsel zu Aktien gewesen sei. Ein ähnliches Bild konstatierte Bolton am Ende der Dotcom-Bubble.
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