‚Immobilien sind nach unserer Einschätzung immer noch eine unterschätzte Assetklasse.‘

Dank des Erfolgs von David Swensen, Verwalter des Stiftungsvermögens der Yale Universität, rücken Multi-Asset-Fonds ins Blickfeld der Anleger. Wir sprachen mit Christian Gruben von NV Asset Management über Multi-Asset-Strategien.

Alexander Ehmann 30.07.2008


Herr Gruben, könnten Sie bitte das Anlageziel der NV Strategie Fonds kurz erläutern? In welche unterschiedlichen Strategien können Anleger mit den NV Strategie Fonds investieren?

Der NV Strategie Konservativ sowie der NV Strategie Quattro Plus AMI sind Multi-Asset-Fonds. Diese vermögensverwaltenden Fonds investieren in eine Vielzahl von Assetklassen wie beispielsweise Aktien, Renten und offene Immobilienfonds, Rohstoffe, Immobilienaktien sowie Alternative Investments. Das Ziel des NV Strategie Konservativ ist vergleichbar mit einem Absolut-Return-Fonds. Innerhalb eines Jahres sollen Verluste vermieden werden. Gleichzeitig streben wir einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 5,0% p.a. an. In der Vergangenheit konnten die Renditen jeweils nahezu steuerfrei generiert werden. Der NV Strategie Quattro Plus AMI – als Sinnbild des Multi-Asset-Fonds schlechthin und in den Medien als „echter Multi-Asset-Fonds“ bezeichneter Fonds – hat zum Ziel, innerhalb eines Zyklus eine durchschnittliche Wertentwicklung von 8,0% p.a. zu erzielen.

Was sind die Unterschiede und die Vorteile von Mutli-Asset-Fonds gegenüber herkömmlichen Mischfonds? Wie kommt das Multi-Asset-Konzept bei den deutschen Anlegern an?

Unsere Studien zeigen, dass Balanced Portfolios, also Portfolios aus Aktien und Renten, in den letzten 36 Jahren ein weniger günstiges Risiko-/Ertragsprofil aufwiesen als Multi-Asset-Portfolios. Diese Situation hat sich zuletzt noch einmal deutlich verstärkt, da sich die Diversifikationspotentiale im Bereich der Aktien verringert haben. In den vergangenen zwölf Monate sind die Stärken unseres Multi-Asset-Portfolios um den NV Strategie Quattro Plus AMI besonders deutlich zutage getreten. Mit einer Wertentwicklung von – 0,14% seit Jahresbeginn hat sich der Fonds in einem von der Finanzmarktkrise geprägten Umfeld als sehr widerstandsfähig erwiesen. Im Gegensatz dazu rutschten Balanced Portfolios tief ins Minus und mussten teilweise sogar zweistellige Verluste hinnehmen. Ein weiterer Vorteil ist der Inflationsschutz: Über ein Multi-Asset-Portfolio investieren die Anleger automatisch auch in reale Vermögenswerte wie etwa Immobilien und Rohstoffe. Diese gewähren einen Schutz vor Inflation. Klassische Mischfonds schneiden hier deutlich schlechter ab.

Wie gestaltet sich Ihr Investmentprozess? Wie identifizieren Sie einen guten Fondsmanager, insbesondere dann, wenn er noch keinen Track-Record aufweisen kann?

Der Investmentprozess des NV Strategie Quattro Plus AMI zeichnet sich durch eine hohe Regelgebundenheit aus. Damit wollen wir „Alibigewichtungen“ vermeiden. nachdem wir nicht nur auf Aktien und Renten setzen, müssen wir die Gewichtungen so gestalten, dass auch die übrigen Vermögensklassen einen relevanten Performancebeitrag erzeugen können. Das hat zur Folge, dass sowohl Immobilien als auch Rohstoffe innerhalb unseres Multi-Asset-Ansatzes gleichberechtigt sind. Übrigens, wenn wir von Rohstoffen sprechen, meinen wir physische Rohstoffe, die über Rohstoff-Futures umgesetzt werden und nicht Rohstoff¬aktien. Denn Rohstoffaktien weisen ein Risiko-/Ertragsprofil auf, dass eher mit normalen Aktien als mit Immobilien vergleichbar ist. Im Ergebnis definieren wir also für unsere vier „Kern-Assetklassen“ Aktien, Renten und offene Immobilienfonds, Rohstoffe und Immobilienaktien Bandbreiten. Sowohl Aktien, Rohstoffe und Immobilienaktien müssen sich zu mindestens 15% und maximal 25% im Portfolio befinden. Renten und offene Immobilienfonds müssen zu mindestens 25% vertreten sein. Gleichfalls gibt es ein Beimischungsrecht von alternativen Investments. Deren Anteil im Portfolio beträgt bis zu 10%. Im Anschluss wird die Allokation durch unseren Multi-Manager-Ansatz mit Leben bzw. mit Fonds bzw. Fondsmanagern gefüllt. Die Auswahl der Fondsmanager ist ein Wechselspiel aus unserem Netzwerk, aus vielen Gesprächen mit Fondsmanagern und aus den Ergebnissen unserer quantitativen Analysen. Die Identifikation von Fondsmanagern ohne Track Record ist sicherlich die Königsdisziplin des Asset Managements. Hierzu ist ein tiefes Verständnis der entsprechenden Materie unumgänglich. Genauso wie tiefgreifende Analysen, diverse Gespräche, die Überprüfung von Querverweisen und, am Ende des Tages, auch das Bauchgefühl. Wichtig ist, dass diese Entscheidungen im Port¬foliokontext des vermögensverwaltenden Fonds getroffen werden. Auf diese Weise vermeiden wir, dass zu große Teile des Portfolios durch Fondsmanagertalente bestimmt sind. Hier ist also ein funktionierendes Risikomanagementsystem vonnöten.

Die besten Hedgefonds verlangen hohe Mindestanlagesummen. Wie gehen Sie bei der Auswahl eines Hedgefonds vor?

Da sich ein „normaler“ Fonds von einem Hedgefonds am Ende des Tages doch unterscheidet, ist es unsere Aufgabe zu beurteilen inwieweit die zusätzlichen Fähigkeiten in kurzer Zeit aufgebaut werden können bzw. ohnehin bereits vorhanden sind. Beispielsweise muss uns ein ehemaliger Long-only-Fondsmanager darlegen, in wie fern er innerhalb seines Long-Short-Fonds die Short-Seite abdeckt.

Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Rohstoffboom? Wie haben Sie die Rohstoffquote in Ihren Fonds angepasst?

Wir geben grundsätzlich keine kurzfristigen Prognosen ab. Was wir jedoch sehr wohl beobachten, sind Langfristtrends. Im Hinblick auf das in den nächsten Jahrzehnten zu erwartende starke Wachstum der Weltbevölkerung, insbesondere in den Schwellenländern, den wachsenden Wohlstand der Emerging Markets und einigen anderen Triebfedern für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum gehen wir von weiter steigenden Rohstoffpreisen aus. Gleichzeitig werden wir auch in diesem Segment, wie in allen anderen Assetklassen, deutliche Korrekturen sehen. Wir können uns noch gut an den Januar 2007 erinnern, als das Barrel-Öl für kurze Zeit zu Preisen unter 50 USD zu erwerben war. Damals konnte man in jedem Wirtschafts¬teil vom vermeintlichen Platzen der Rohstoffblase lesen. Heute, eineinhalb Jahre danach, hat sich der Preis nahezu verdreifacht.

Welche Investmentthemen finden, sowohl kurzfristig als auch langfristig, interessant?

Langfristig finden wir reale Vermögensgenstände als Schutz vor Inflation interessant. Hier sind zu allererst Immobilien aber natürlich auch Rohstoffe zu nennen. Ein spezielles Immobilienthema bewegt uns ganz besonders: Das Thema Wald.

Wie wichtig sind Immobilien für einen langfristigen Vermögensaufbau? Welche Immobilien und welche Länder bieten das größte Potential?

Immobilien sind nach unserer Einschätzung immer noch eine unterschätzte Assetklasse. Durch die Ortsgebundenheit der Immobilie ergibt sich im Vergleich etwa zu Aktien ein deutlich interessanteres Diversifikations¬potential. Denn die Korrelationen innerhalb der Anlageklasse Immobilien sind geringer als innerhalb der Aktienmärkte. Langfristig versprechen die Immobilienmärkte in Osteuropa, Asien und Lateinamerika das größte Potential. Wohlstandsmehrung und Urbanisierung sollten in diesen Regionen die entscheidenden Treiber der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein.

Herr Gruben, vielen Dank für das Interview

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Alexander Ehmann