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Fonds-Fokus: cominvest EuropeSelect P

Ein sektororientierter Nebenwerte-Fonds mit turbulenter Vergangenheit.

Alexander Ehmann 12.08.2008
Dieser auf europäische Nebenwerte spezialisierte Fonds hat eine bewegte Vergangenheit. Nach seiner Auflage im Januar 1999 schoss die Performance zunächst steil nach oben und brach knapp zwei Jahre später wieder massiv ein. Mit einem Verlust von 58% bildet der Fonds für 2001 innerhalb der Kategorie Aktien Europa Nebenwerte das Schlusslicht. 2003 ging das Mandat an die britische Fondstochter Jupiter über, was sich positiv für den Fonds auswirkte: 2003 und 2004 übertraf der EuropeSelect knapp vergleichbare Fonds. 2007 verkaufte die Commerzbank Jupiter und der Fonds ging wieder an die cominvest. Seit September letzten Jahres verantwortet Ralf Walter das Mandat, der auf Werte aus der zweiten Reihe spezialisiert ist. Walter managt seit 2003 den Adiselekt, der nach Performance zu den erfolgreichsten deutschen Nebenwertefonds über drei und fünf Jahre gehört.

Nach der Übernahme des EuropeSelect fährt Walter als erstes die Kassequote auf 20% hoch und trennte sich von illiquiden Werten. Der Nebenwertespezialist investiert in europäische Small- und Mid-Caps mit einer Börsenkapitalisierung zwischen 100 Mio. und 5 Mrd. Euro. Der Manager hält nach eigener Aussage nicht gerne Barmittel, weshalb er die Kassequote inzwischen wieder auf etwa 6% reduziert hat.

Die Titelauswahl basiert auf Top-Down Sektorwetten, was die Branchengewichtung zeigt. Der Europe Select entfernt sich deutlich von seiner Benchmark (MSCI Europe Small Cap) und von Vergleichsfonds. Der Fonds ist mit rund 60 Einzeltiteln breit aufgestellt, von denen keiner über eine Gewichtung von 3,6% kommt. Die Hälfte des Portfolios besteht aus Industriewerten, die im Index auf 26% kommen. Seine Favoriten sind Unternehmen wie der Hamburger Schiffbautechniker Intertech, die an Projekten mit mindestens zwei- bis dreijähriger Laufzeit arbeiten (Schiffbau, Kraftwerke, Minen). Akzente werten auch mit Firmen wie dem Mailänder Zementhersteller Buzzi Unicem (Sektor Industriematerialien: 11% im Fonds vs. 7% im Index) gesetzt.

Untergewichtet sind nicht-zyklische Konsumwerte (3% vs. 6%) wie der Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut und Healthcare-Unternehmen (4% vs. 7%) wie der deutsche Arzneimittelhersteller Stada. Biotechnologie-Unternehmen sind zwar wegen ihrer defensiven Ausrichtung für Walter generell interessant, jedoch haben viele Unternehmen nur ein einziges Medikament in der Pipeline. Die Aktienkurse hängen vollständig von der Zulassung ab, die sich über mehrere Jahre hinziehen kann.

Auch der Energiebranche wird weniger Aufmerksamkeit als im Index geschenkt (2,5% vs. 8,3%). Auf die Ölmultis kann das Management wegen des Anlageziels nicht setzen, da es sich um Standardwerte handelt. Walter bleiben die Öl-Dienstleister wie der Hersteller von geophysischen Equipment CGG Veritas, den er als einzigen Energietitel hält.

Walter sieht Probleme bei den Photovoltaikfirmen (Hersteller von Solarzellen), weil staatliche Förderungen wegfallen und Silizium (Grundstoff für Solarzellen) noch immer knapp ist. Solon und Solarworld hat er deswegen zu Jahresbeginn verkauft und sich stattdessen das Solarthermie-Unternehmen Solar Millenium ins Portfolio geholt. Die weiterhin geförderten Solarthermie-Werte (Sonnenkraftwerke) hätten im Gegensatz zu den Photovoltaik-Herstellern zu Unrecht Kursverluste erlitten und würden deshalb attraktive Potentiale bieten.

Europäische Nebenwerte, die zuvor vier Jahre lang besser liefen als Standardwerte, brachen mit Beginn der Subprime-Krise um 31% ein. Standardwerte waren mit einem Verlust von 21% stabiler.

Seit Ralf Walter den Fonds übernommen hat, befindet sich dieser gleichauf mit seiner Kategorie. Die häufigen Fondsmanagerwechsel lassen Beständigkeit missen. Für den 24 Mio. Euro kleinen Fonds fällt neben einer Verwaltungsgebühr von 1,75% eine Performancegebühr von 15% an. Beim cominvest Adiselekt kann Walter bereits einen guten Track Record nachweisen. Wir warten ab, welchen Touch Ralf Walter diesem Fonds geben wird.

Strategie

Die Titelselektion basiert auf einem tradingorientierten Top-Down-Ansatz. Walter hat die Entwicklung der unterschiedlichen Sektoren im Blick, bricht sie dementsprechend auf den Fonds herunter und befüllt sie mit Unternehmen. Die Auswahl an europäischen Nebenwerten wird mit einem quantitativen Filter auf ein Anlageuniversum von rund 1000 Unternehmen reduziert. Ein Unternehmen, das ins Portfolio aufgenommen wird, muss solide historische Ergebnisse aufweisen. Zudem wird eine Firma auf Wettbewerbsvorteile und Besonderheiten beim Geschäftsmodell überprüft. Walter kann dabei auf die Meinung von 14 hauseigenen Buy-Side-Analysten zurückgreifen. Im Schnitt wird das Portfolio einmal pro Jahr ausgetauscht.

Management

Der Europe Select wurde im Januar 1999 von der cominvest (damals ADIG) aufgelegt. 2003 wurde er an die britische Fondsgesellschaft Jupiter abgegeben, einer Tochterfirma der Commerzbank. Dort übernahm ihn zunächst Malcolm Millar, bevor dieser Mitte 2006 das Mandat an Elizabeth Wells abgab. 2007 verkaufte die Commerzbank Jupiter und die Verantwortung wurde an die cominvest zurückgegeben. Seit 1. September 2007 managt nun Ralf Walter den cominvest Europe Select. Walter ist seit 1998 Finanzanalyst und Fondsmanager bei der cominvest und auf deutsche und europäische Nebenwerte spezialisiert. Neben dem Europe Select verantwortet er den Adiselekt, den Nürnberger cominvest A und den cominvest Fund Newtec. Darüber hinaus ist Walter Co-Manager des cominvest Alpha Masters Deutschland und verwaltet insgesamt 800 Mio. Euro. Die cominvest ist eine Tochter der Commerzbank und hat rund 63 Mrd. Euro Assets under Management, was sie zur fünftgrößten deutschen Fondsgesellschaft macht.

Rolle im Portfolio

Anleger sollten bei Werten aus der zweiten Reihe die im Vergleich zu Standardwerten höhere Schwankungsanfälligkeit beachten. Der Fonds eignet sich deshalb nicht als Basisinvestment, sondern als Portfoliobeimischung.
Über den Autor

Alexander Ehmann