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'Mit diesem Konzept ist der Heracles LongShort ideal geeignet, um Stabilität und Ruhe in Depots zu bringen.'

Wir sprachen mit Fondsmanager Iven Kurz.

Alexander Ehmann 09.01.2009


Herr Kurz, könnten Sie uns bitte die Anlagephilosophie des Nordea 1 Heracles LongShort MI skizzieren?

Im Wesentlichen basiert die Anlagestrategie des Heracles LongShort auf einem dreistufigen Modell:

Ein quantitatives, prognosefreies System steuert die Anlageentscheidungen im Fonds – unabhängig von persönlichen Markteinschätzungen. Zudem kommen Long- und Short-Strategien zum Einsatz. Das bedeutet, dass wir – im Gegensatz zu klassischen Fonds – nicht nur steigende, sondern auch fallende Phasen der Kapitalmärkte nutzen und dadurch unabhängig von der Richtung der Kapitalmärkte sind. Der dritte Eckpfeiler ist der internationale Multi-Asset-Ansatz. Die Kombination von bis zu 50 internationalen Aktien-, Renten- und Währungsmärkten ermöglicht eine besonders breite Diversifikation und damit signifikante Reduzierung des Risikos.

Mit diesem Konzept ist der Heracles LongShort ideal geeignet, um Stabilität und Ruhe in Depots zu bringen. Denn erklärte Zielgröße der Anlagestrategie ist, eine stetige positive Rendite von 2 bis 4 %-Punkten über der jeweils aktuellen Geldmarktverzinsung zu erwirtschaften.

Was ist der Vorteil einer Long/Short-Strategie gegenüber eines Long-Only-Konzepts?

Grundsätzlich machen Long/Short-Strategien Fonds unabhängiger von der Richtung der Aktien-, Renten- oder Währungsmärkte, denn sie können dadurch sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren – wodurch das langfristige Renditepotenzial deutlich gesteigert werden kann.

Den Heracles LongShort zeichnet zudem besonders die niedrige Korrelation zu den klassischen Anlageklassen aus, was in unberechenbaren Zeiten wie diesen der Schlüssel für seinen Erfolg ist. Berechnungen zeigen, dass das Konzept in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu den Einzelmärkten in jedem Kalenderjahr einen positiven Ertrag erzielt hätte. Denn durch den konsequenten Einsatz der Long/Short-Strategien kann ein stabiler Ertragsverlauf erreicht werden, was im langfristigen Durchschnitt höhere Wertzuwächse als in Einzelmärkten ermöglicht – und das bei moderatem Risiko.

Wie ist der quantitative Prozess aufgebaut, der hinter dem Ansatz steckt?

Beim Heracles LongShort MI werden grundsätzlich alle Anlageentscheidungen ausschließlich auf Basis einer prognosefreien und regelbasierten Strategie getroffen und damit völlig unabhängig von persönlichen Einschätzungen einzelner Fondsmanager.

Das quantitative, mathematisch gesteuerte System beobachtet börsentäglich die Entwicklung aller Märkte, die im Portfolio abgebildet werden. Anhand von Marktbewegungen nach unten oder oben entscheidet es – natürlich immer unter Berücksichtigung der angestrebten Zielrendite des Fonds – über entsprechende Allokationsänderungen. Jede Währung sowie jeder Aktien- oder Rentenmarkt gibt mit seiner Entwicklung vor, ob und in welchem Ausmaß Long- oder Short-Positionen aufgebaut werden. Wenn eine Marktstrategie den geforderten Beitrag zur Performance geleistet hat, wird die Position sukzessive und antizyklisch geschlossen und der Renditebeitrag „eingelockt“, also gesichert.

Wie wird die Strategie implementiert? Welche Anlageinstrumente setzen Sie ein?

Wichtig für die Umsetzung der Strategie ist es, schnell und unmittelbar auf Marktbewegungen reagieren zu können. Aus diesem Grund investiert das Fondsmanagement nicht direkt in Aktientitel und Rentenpapiere, sondern geht Positionen in liquiden Terminkontrakten ein – zum Beispiel in Futures auf Aktien- und Rentenmarktindizes, Zinsfutures und Währungsforwards. Dadurch wird sichergestellt, dass jederzeit entsprechende Positionen auf- oder abgebaut werden können – je nach dem, was das System vorgibt.

Gibt es bei der Wahl der Anlageklassen Präferenzen oder sind diese im Voraus definiert?

Bei der Asset-Allokation orientiert sich das Fondsmanagement nicht an einem Vergleichsindex oder einer Benchmark. Wie schon erwähnt kann der Heracles LongShort MI in weltweite Aktien- und Rentenmärkte sowie Währungen investieren. Ausschlaggebend für die Auswahl der Märkte ist einzig die Liquidität sowie die Handelbarkeit der Futures. So werden neu entstehende hochliquide Future-Märkte automatisch in das Anlageuniversum des Fonds aufgenommen. Umgekehrt werden Future-Märkte, deren uneingeschränkte Liquidität gefährdet ist, nicht weiter im Fonds berücksichtigt. Das Basisportfolio selbst ist zu jedem Zeitpunkt in Geldmarktpapiere investiert.

Die Gewichtungen der einzelnen Märkte wiederum hängen von deren aktueller Entwicklung ab und den resultierenden Vorgaben des Systems für den Auf- oder Abbau von Long- und Short-Positionen.

Wie machen Sie steigende bzw. fallende Märkte aus? Wann schließen Sie eine Position

Je nachdem, ob die Kurse bestimmter Märkte und Asset-Klassen gerade steigen oder fallen, signalisiert das quantitative System den Auf- oder Abbau von Long- und Short-Positionen. Gleiches gilt bei einem Richtungswechsel der Marktnotierungen.

Konzeptgemäß folgt der Umschichtungsmechanismus festen Regeln: Long-Positionen werden zum Beispiel sukzessive abgebaut, wenn die Kurse an einem Markt sinken. Erst dann werden Short-Positionen eingegangen. Dementsprechend werden Short-Positionen erst sukzessive abgebaut, wenn sich dieser Markt positiv entwickelt.

Die Besonderheit des Systems besteht darin, dass das angestrebte Gesamtrenditeziel des Fonds als feste Größe in die Berechnungssystematik einfließt – quasi als Vorgabe, welchen Performancebeitrag die Marktstrategien dafür leisten müssen. Grundsätzlich sind dabei alle im Fonds abgebildeten Märkte darauf ausgerichtet, in gleicher Höhe zum angestrebten jährlichen Renditeziel des Fonds beizusteuern. Wenn eine bestimmte Marktstrategie ihre geforderte Performance erreicht hat, wird die Position sukzessive und antizyklisch geschlossen und der Renditebeitrag gesichert. Somit hat der weitere Verlauf dieser Einzelmärkte keinen Einfluss mehr auf die Fondsentwicklung.

Wie hat sich das Anlagekonzept seit Auflage bewährt? Wie verhält sich die Strategie in Seitwärtsmärkten?

Der Heracles LongShort hat sich bisher sehr gut geschlagen. Mit einer Wertentwicklung von insgesamt fast 8,3 % seit Auflegung zum Ende November (12.3 bis 28.11.2008, BVI-Methode) zeigt das Konzept, dass es auch in schwierigen Zeiten einen stetigen Renditebeitrag liefern kann. Die systembedingten Short-Postionen in den weltweiten Aktienmärkten und die kontinuierliche Sicherung von Gewinnen im Aktien- und Währungsbereich haben vor allem im September zu einem sehr hohen Renditebeitrag der Heracles-Strategie geführt. Und auch im extrem volatilen Marktumfeld im Oktober konnte der Fonds einen Ertrag von 5,8 % erwirtschaften. Im November wies der Heracles LongShort erneut eine positive Wertentwicklung von 0,93 % aus. Die Gesamtperformance wurde dabei maßgeblich durch die Long-Positionen im Rentenbereich bestimmt. Durch die Sicherung der Gewinne und die damit einhergehende Reduktion der Positionen konnte sich die außergewöhnlich hohe Volatilität der Märkte nur gedämpft auf den Fonds auswirken. Aber auch wenn das Fondskonzept darauf ausgerichtet ist, von allen Marktphasen zu profitieren, können extreme Seitwärtsmärkte das Ergebnis belasten. Wenn beispielsweise ein Großteil der ausgewählten Märkte im Jahresverlauf immer wieder ohne eine deutliche Ausprägung schwach um einen Mittelwert schwankt, reagiert das System mit permanenten Umschichtungen der Anlagemittel. Das kann dazu führen, dass das angestrebte nachhaltig positive Ergebnis in Einzelfällen nicht erreicht werden kann.

Welche Risiken birgt die Strategie?

Die angestrebte jährliche Zielrendite kann nicht garantiert werden. Auch dürfen Anleger nicht damit rechnen, zu jeder Zeit die Renditen aller anderen Anlageklassen zu übertreffen. Denn die angestrebten stetigen Erträge und nicht die Toprenditen in einem bestimmten Zeitraum stehen im Vordergrund. Kurz- und mittelfristig ist es durchaus möglich, dass der Fondskurs seitwärts verläuft oder sogar fällt – beispielsweise in den bereits erwähnten extremen Seitwärtsphasen der Märkte.

Geeignet ist der Heracles LongShort vor allem für Anleger, die die Abhängigkeit ihrer Anlage von der Entwicklung und der Richtung an einzelnen Märkten reduzieren möchten und die die Risiken ihrer Anlage durch eine sehr breite Diversifikation verringern wollen.

Wer also den Schwankungen an den Kapitalmärkten, die uns sicherlich auch zukünftig begleiten werden, gelassen entgegen sehen will, der ist mit dem Heracles LongShort im Depot sicherlich gut aufgestellt.

Herr Kurz, besten Dank für das Interview.

Herr Kurz ist verantwortlich für quantitative Strategien bei Metzler Asset Management.
Über den Autor

Alexander Ehmann