Die Stärken und Schwächen der Fondsindustrie

Teil II: Wie es mit der Fondsindustrie weiterging.

John Rekenthaler 28.05.2009
Letzte Woche zeichneten wir die Entwicklung der US-Fondsindustrie in den vergangenen 25 Jahren seit der Gründung von Morningstar nach ( mehr). Hier folgt die Fortsetzung:

Letztendlich zogen neue Fondsideen wie die berühmt-berüchtigten Internetfonds zwar jede Menge Aufmerksamkeit auf sich, viel Geld haben sie aber nicht eingesammelt. Einfach und ohne Schnickschnack – das war den meisten Anlegern lieber.

In den späten 1990er Jahren begannen Fondsgesellschaften zunehmend, ihre Fonds nach einem bestimmten Anlagestil (Value/Growth) auszurichten. Dies rief zehn Jahre später einige Kritiker auf den Plan, die sich dadurch in ihren Anlageprozessen zu sehr eingeengt sahen. American Funds scherte sich gar nicht um Style-Begrifflichkeiten und wurde zum bei weitem größten Anbieter unter den Fondsgesellschaften auf dem US-Markt, die ihre Produkte vor allem über unabhängige Finanzberater vertreiben.

Im Januar 1998 wurde ich Zeuge davon, wie ein promovierter Ökonom, der später zum Chef einer Fondsgesellschaft aufstieg, einer Gruppe von Finanzberatern „garantierte“ (schon wieder dieses Wort!), dass der DJ Industrial Average innerhalb von fünf Jahren 15.000 erreichen würde. Seine Rede wurde mit stehenden Ovationen empfangen.

Zwei Jahre später wurde ein Privatinvestor in einer bekannten Zeitung mit den Worten zitiert, sein Finanzberater könne ihm routinemäßig zu einer jährlichen Rendite von 18% verhelfen. Um ‚richtig’ Geld zu verdienen, d.h. etwa 40% pro Jahr, müsste er schon selbst aktiv werden.

Als sich das Jahrhundert seinem Ende näherte, konnte das damals viel diskutierte Jahr-2000-Problem der Rallye des Jahres 1999 nichts anhaben. Das erste Quartal des neuen Millenniums fing so an, wie die 90er Jahre geendet hatten.

Der Kollaps der Internet- und Technologieaktien in den Jahren 2000-2002 hatte nur geringen Einfluss auf die US-Fondsbranche. Die Fondsgesellschaften ließen sich nicht wie noch im Anschluss an den Black Monday dazu verleiten, neue Modethemen aggressiv zu vermarkten und Anlegergelder laufend umzuschichten. Stattdessen konzentrierten sie sich auf klassische Aktienfonds, Mischfonds und Anleihenprodukte hoher Bonität.

Mitte des neuen Jahrzehnts kamen vermehrt Hedgefonds auf den Markt. Das darin verwaltete Vermögen erreichte 2007 mit 2 Billion US-Dollar seinen Höchstwert – zehn Mal mehr als die Fondsindustrie 1984, dem Geburtsjahr von Morningstar, unter Verwaltung hatte. Verwandte Konzepte wurden im Zuge der ‚Konvergenz’ zwischen der traditionellen und der alternativen Kapitalanlage zunehmend von der klassischen Fondsindustrie aufgegriffen (marktneutral, 130/30, Long-Short). Im Gegenzug boten Hedgefondsmanager auch Long-Only-Fonds an. Bisher hat dies aber vor allem Symbolcharakter. Größere Volumina finden sich in solchen Fonds nicht.

Unter den Trümmern des Bärenmarktes 2008 fanden sich überraschenderweise die Lebenszyklus- bzw. Laufzeitfonds. Da manche Fonds mit relativ kurzer Laufzeit Verluste von 25% und mehr produzierten, gerieten sie in den Fokus von Aufsichtsbehörden und US-Kongress.

Nun, da Morningstar seinen 25. Geburtstag feiert, finden wir uns in gewissem Sinne da wieder, wo wir schon angefangen haben: inmitten eines Konjunkturabschwungs, hoher Arbeitslosigkeit und steigender öffentlicher Verschuldung. Andererseits ist die Fondsbranche nicht mehr dieselbe wie vor 25 Jahren. Und auch Morningstar ist mit 2300 Mitarbeitern anstatt eines einzigen ein anderes Unternehmen.

Auf Wiedersehen in 25 Jahren!

John Rekenthaler, CFA, ist Vice President of Research bei Morningstar.

Über den Autor

John Rekenthaler  is vice president of research for Morningstar.