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Union Investment jetzt aktiver Fondsmanager?

Union möchte sich vom Produktanbieter zum Asset Manager entwickeln.

Werner Hedrich 31.07.2009
Das Spiel mit den Medien ist schon ein merkwürdiges. In den Urlaubstagen finden News den Weg in die erste Reihe, die auf den ersten Blick den Nachrichtenwert haben, dass sich am Südpol Pinguine wohl fühlen. So nehmen wir erstaunt davon Kenntnis, dass die Union Investment sich nun verstärkt auf aktives Management konzentrieren will. Zudem grenzt man sich in Pressemitteilungen und Interviews von Exchange Traded Funds (ETFs) ab. An dieser Stelle sei eine Frage erlaubt: Was hat die Union Investment eigentlich vorher gemacht?

Uns fehlt zwar bis dato der Einblick, wie die Union Investment arbeitet. Wir haben bis heute noch keinen Fonds mit einem Qualitativen Rating analysiert. Also bleibt der holistische Blick auf die Renditen der Aktienflaggschiffe und die Kosten.



Unions Kernprodukte

Die Performance- und Risikozahlen der größten Aktienfonds Uniglobal , UniFonds , UniEuropa oder UniEuroaktien weisen auf straffes Risikomanagement und Indexnähe hin. In diesen effizienten Märkten ist es sehr schwer, dem Markt nach Kosten einen Mehrertrag abzutrotzen. Meist gelingt dies nur sehr erfahrenen Fondsmanagern, die auf ein solides hauseigenes Research zurückgreifen können. Diese Strukturen für indexnahe Stockpicker im Standardwertebereich (Engl. diversified stock pickers) sind jahrelang gewachsen. Es geht hier um vermeintlich einfache Fragen wie die Wahl der richtigen Pharmaaktie in einem Fonds: Soll der Portfoliomanager Aventis, Pfizer oder GlaxoSmithkline im Sektor Pharma kaufen? Fehlt einem Fondshaus dieser fundamentale Unterbau, bleiben ausgeprägte Sektor- oder Länderwetten. Das geht manchmal gut, auf lange Sicht meistens nicht. Oder man schiebt einem Mandat ein paar High-Beta-Aktien aus den Emerging Markets unter. Das funktioniert in Bullenmärkten, in schwankenden Marktphasen oder Bärenmärkten stellt sich schnell heraus, wer mit Verstärkern gearbeitet hat. Ein weiteres Instrument ist das Hantieren mit Aktienfutures. Das hat dann nicht mehr viel mit aktivem Management zu tun, wird aber gerne angewandt – geht aber auch oft in die Hose, wenn man es zu extrem treibt. Von all diesen Performancequellen etwas, dabei den Schwerpunkt auf Aktienresearch und das Ganze beständig über mehr als drei Jahre zu einem vernünftigen Preis, so sieht ein guter aktiv gemanagter Fonds aus. Sonst können Anleger zu einem passiven ETF greifen, der ist günstiger. Es scheint, dass die Performance der Union auf kontrollierten Sektor- oder Länderwetten basiert.



Wie steht es um die laufenden Kosten bei den bekanntesten Union-Fonds?

Hier hat die Union bislang die Nase vorn. In den Kernstrategien sind die Verwaltungsvergütung und die TERs ohne erfolgsabhängige Vergütung unterdurchschnittlich. Das schont das Fondsvermögen des Anlegers und verschafft den Union-Fonds einen strategischen Vorteil in den Rankings. Wer weniger belastet, ist näher an der Benchmark – die Aufholjagd zum Index ist kürzer. Die Kombination aus risikokontrolliertem indexnahen Fondsmanagement und niedrigen laufenden Kosten ist aus Produktsicht clever. Manche Union-Fonds wie die Top-Seller UniGlobal und UniFonds haben allerdings eine erfolgsabhängige Vergütung eingeführt. Diese flexible Entlohnung beträgt ein Viertel des Betrages, um den die Anteilswertentwicklung die Entwicklung der Bemessungsgrundlage (hier MSCI World und DAX) übersteigt. Im Klartext bedeutet diese Konstruktion, dass der Fonds nach Kosten den Index übertreffen muss, um eine erfolgsabhängige Vergütung zu erheben. Minus 10% sind übrigens relativ besser als minus 15%. Diese Art der Konstruktion einer Performance Fee ist methodisch sauber, hinterlässt dennoch einen faden Beigeschmack, wenn die Wertentwicklung im Berechnungszeitraum negativ ist, zumal 25% des Mehrertrags nicht wenig sind. Nach Angaben der Union Investment wird bei den Performancegebühren in der Praxis von der Definition im Verkaufsprospekt abgewichen und nur dann eine Gebühr erhoben, wenn die Einjahreswertentwicklung gegenüber dem Vorjahr positiv ist. Diese Art der Auslegung der erfolgsabhängigen Vergütung ist eine Gratwanderung, wie Recherchen der Financial Times Deutschland zeigen. Wenigstens ist die Basisvergütung des UniGlobal und des UniFonds von 1,2% unterdurchschnittlich.



Wettbewerb durch Ausländer und ETFs lässt Raiffeisen- und Sparkassenlager offensiver agieren

Wir haben die Union Investment bisher als durchaus kostengünstigen, indexnahen und stark durch Risikomanagement kontrollierten Produktanbieter mit fast konkurrenzloser Vertriebsmacht wahrgenommen. Die Leistungen in den meisten Kernprodukten lassen sich quantitativ durchaus sehen. Fondsmanagern rein technisch mehr Freiheit geben, ist eine Herausforderung, denn dazu müssen die internen Strukturen mitwachsen. Die Union Investment macht sich auf vom Produktanbieter zum Asset Manager. Gleiche Ambitionen haben wir vor einem Jahr bei der Deka vorgestellt bekommen. Damit will mehr als die Hälfte des deutschen Fondsmarktes ETFs und ausländischen Asset Managern Paroli bieten. Es tut sich was auf dem deutschen Investmentmarkt.
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Werner Hedrich