Wie setzt man einen Fonds im Portfolio ein?

Die Rolle eines Fonds im Portfolio bestimmt stark das Anlageergebnis.

Werner Hedrich 17.08.2009
Grundsätzlich sollten Anleger Investmentfonds in die drei Vermögensklassen Aktien, Anleihen und Mischfonds grob einteilen. Mischfonds verteilen die Anlagen auf mehrere Asset Klassen, weswegen man auch gerne von vermögensverwaltenden Mandaten spricht. Aktien- und Rentenfonds sollten aber nochmals unterteilt werden. Dabei gibt es drei Funktionen, die ein Fonds erfüllen kann. In den Morningstar Qualitativen Fonds Research Reports finden Anleger auf der ersten Seite die Sektion Rolle im Portfolio, in der wir jedem Fonds eine Position zuordnen.

Kernmandate – Core Holdings auf Finanzsprech

Die Kernmandate bilden das Zentrum eines Portfolios. Diese Aktienfonds sind über Sektoren und Länder diversifiziert. Meist liegen die Risikokennzahlen um die des Marktes. Anleger sollten hier den größten Teil des Vermögens strategisch und langfristig investieren. Deutschen Anlegern bieten sich Europa- (inkl. Schweiz und Großbritannien), Eurozone- oder globale Aktienfonds an. Meist sind diese Fonds keine reinen Nebenwertemandate. Fonds, die Blue Chips und Nebenwerte kaufen (sogenannte All Cap Fonds), kommen auch in die engere Auswahl. Ein Grenzfall wären globale Schwellenländerfonds. Allerdings können diese Fonds für risikoaverse Anleger auch als Beimischung gelten. Es gibt keine Daumenregel. Das Portfolio und die Einzelfonds müssen zum Risikoprofil und dem Anlagehorizont des Anlegers passen. Das hört sich einfach und abstrakt an; ist es aber in Realität nicht.

Beimischungen – kontrollierte Offensive und Nischenfonds

Als zweite und dritte Kategorien existieren Fonds, die ein höheres Rendite- und Risikopotential haben, deshalb stärker schwanken und in boomenden Märkten erhebliche Performancebeiträge liefern (im Abschwung wirken sie wie ein Verstärker nach unten). Small und Mid Cap Fonds (Nebenwerte), Emerging Markets und Länderfonds können hierzu gezählt werden. Diese Fonds sorgen für eine kontrollierte Offensive, im Englischen nennen wir sie Supporting Players. Deutsche Aktienfonds gehören unserer Ansicht zu dieser Gruppe, weil deutsche Aktien historisch stärker schwanken. Grund hierfür ist die stark zyklische Ausrichtung deutscher Aktien, was den DAX in einem positiven globalen Umfeld stärker steigen lässt als zum Beispiel Schweizer Blue Chips, die von den Pharmagiganten Roche und Novartis sowie den Nahrungsmittelkonzern Nestlé dominiert werden. In Deutschland fehlen diese defensiven Riesen, in die Investoren in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gerne flüchten. In boomenden Märkten lassen Siemens, Daimler und MAN den DAX aber wieder stärker steigen. Ein Europafonds kann in beide Märkte investieren, weshalb wir ihn als Core Holding oder Kerninvestment in einem Investmentportfolio sehen, wohingegen wir Schweizer oder Deutsche Aktienfonds als Beimischung einordnen.

Die dritte Gruppe sind Nischenspieler oder Spezialitätenfonds wie Themen-, Sektor- oder Länderfonds an den Emerging Markets. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der richtige Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg in Sektoren und Themen teuflisch schwer ist. Meist fangen Anleger an, diese Fonds zu kaufen, wenn die Zeitungen voller Meldungen über den bevorstehenden Klimawandel oder eine Internetrevolution sind. Sind die Aussichten für die Unternehmen in diesen Sektoren wirklich so aussichtsreich, sollten gute, breit anlegende Fonds diese Aktien ebenfalls in den Portfolios halten. Also, keine Angst, man ist dabei.

Bei den Nischeninvestments kommt das Element der Taktik hinzu. Buy-and-Hold zahlt sich meist nicht aus, weil an den Aktienmärkten Sektoren (Branchen) gespielt werden. Fondsanleger in Rohstoffaktienfonds können davon ein Lied singen. Internet- und Technologiefondsanlegern ist das Singen wahrscheinlich vergangen. Die meisten haben ihre Einstandspreise nicht wiedergesehen. Die Fonds dümpeln als Depotleichen rum. Spezialitätenfonds gleich Depotleichen wäre zu hart. Aber wer nicht aufpasst und in ein vermeintliches Megathema investiert, könnte in einigen Jahren enttäuscht werden. Uns würde es nicht wundern, wenn in fünf Jahren weniger Klimafonds auf den Kurszetteln stehen als heute. Nicht, dass das Klima sich dann nicht mehr ändert – das tut es schon seit Millionen von Jahren – aber es taugt dann halt nicht mehr als Thema, um Gelder einzusammeln.
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Werner Hedrich