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Ein Lob auf Buy-and-Hold

Buy-and-Hold trotz 2008 die bessere Alternative?

John Rekenthaler 10.09.2009
Wenn das Jahr 2008 eine bleibende Lektion bereit hält, dann die, dass die auf langfristiger Vermögensplanung basierende Buy-and-Hold-Strategie* (‘Kaufen und halten’) versagte. Sie war ein Kind des Bullenmarktes. Statt solch einer statischen Vorgehensweise benötigen Anleger einen flexiblen Ansatz, der das aktuelle Marktumfeld und die Konjunkturbedingungen berücksichtigt und darauf reagiert.

Das zumindest ist der allgemeine Tenor, auf Konferenzen, im Fernsehen, in online-Artikeln und eigentlich überall sonst auch. Wie funktioniert das allerdings in der Praxis? Gar nicht, vermute ich. Man betrachte nur Zahlen wie diese: Emerging-Markets-Aktien oder europäische Nebenwerte lieferten im laufenden Jahr, wenn man die relevanten Indizes betrachtet, rund 50%. Euro-High-Yield Anleihen sind mit 65% im Plus.

Eine wunderbare Sache. Ein solcher Höhenflug passiert nur einmal in mehreren Jahren – im Idealfall. Eine Belohnung für diejenigen, die bereit sind, risikoreiche Anlagen zu halten.

Nehmen wir nun an, Sie hätten sich 2008 an eine flexible Anlagestrategie gehalten und die genannten Investments aus Ihrem Portfolio geworfen. Unter der richtigen Annahme, dass diese in der Krise besonders unter die Räder kommen würden.

Wenn Sie also diese Anlagen im Namen der Flexibilität verkauft hätten, wären Sie bestimmt nicht wieder rechtzeitig im Markt gewesen, um die Gewinne im laufenden Jahr mitzunehmen.

Ich erinnere mich an Anfang März 2009. Ich war auf einer Konferenz für institutionelle Investoren. Am Aktienmarkt gab es jeden Tag Verluste, Schnäppchenjäger hatten sich in den zurückliegenden 18 Monaten nichts als die Finger verbrannt, die Nachrichten von der Konjunkturfront waren düster und Ökonomen sahen weit und breit keine Trendwende. Wer kaufte damals?

Irgendwer war dazu bereit, denn der Kursrückgang kam zu einem Ende und es ging wieder nach oben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Kaufkraft am Anfang gering war, dass die Rallye in Fahrt kam, weil die Verkäufer erschöpft waren und diejenigen, die sich nie aus dem Markt verabschiedet hatten, etwas neues Geld ins Spiel brachten. Ich habe aber sehr starke Zweifel daran, dass die Anhänger flexibler Anlagestrategien genau in diesem Monat die Entscheidung fällten, wieder in den Markt einzusteigen. In einigen Fällen weiß ich es sogar, da die Hedgefondsbranche als Ganzes die Märzrallye komplett verpasste.

So läuft es immer. 1988, 1991, 2003 und nun 2009. Im Rückblick auf 2008 ist es plausibel, das Versagen einer starren Investmentstrategie anzuerkennen und sich vorzunehmen, mehr auf die eigene Vernunft zu hören. Allerdings ist diese Vernunft nicht immer vorhanden, wenn es um die Rückkehr in den Markt nach einem starken Kursabsturz geht.

Es gibt Zeiten, in denen Flexibilität angebracht ist und man denen genauer zuhören sollte, die Zurückhaltung am Aktienmarkt empfehlen. Unglücklicherweise ist dies derzeit nicht der Fall. Nicht nachdem man derartige Verluste erlitten hat. Vorsicht ist angebracht, wenn der Aktienmarkt Rekordstände erreicht und es in Internetforen vor spekulativen Aktientipps wimmelt. Nur, wer hört dann zu?

Um mit Winston Churchill zu sprechen: Buy-and-Hold* ist unzweifelhaft die schlechteste aller Anlagestrategie – mit Ausnahme der Alternativen.

* Mit Buy-and-Hold ist in diesem Artikel eine langfristige Strategie mit regelmäßiger Rebalancierung gemeint. Die Rebalancierung, d.h. die Anpassung des eigenen Portfolios nach größeren Marktbewegungen, um die angestrebte langfristige Aufteilung wiederherzustellen, ist ein entscheidender Bestandteil dieser Strategie. Eine Rebalancierung hätte 2008 nicht viel Spaß gemacht, aber dafür gesorgt, in ausreichendem Maße investiert zu bleiben, um am Aufschwung 2009 teilzuhaben.

Die Originalversion dieses Artikels erschien ursprünglich auf www.morningstar.com.
Über den Autor

John Rekenthaler  is vice president of research for Morningstar.