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Perfektionismus bei der Anlage fehl am Platz

John Rekenthaler 24.09.2009
An der Uni war Stevie einer der besten. Er brillierte in seinem gewählten Fach, der Ökonomie. Er übersprang locker einige Jahre und belegte Kurse beim letztjährigen Nobelpreisgewinner.

Und dann gab er plötzlich auf. Begrub seine Pläne, Ökonom zu werden. Ich frage ihn nach dem Warum. Er war doch von Anfang an so begeistert gewesen.

Es lag daran, dass er vom Glauben an sein Fach abgefallen war: Die Theorie war wunderbar und die Mathematik präzise. Aber als er sich weiter eingearbeitet hatte, kam er zu der Schlussfolgerung, dass das Fundament morsch war. Die Ökonomie war in seinen Augen nicht mehr in der Lage, menschliches Verhalten korrekt zu beschreiben. Sie wirkte vielmehr wie ein schönes und ausgeklügeltes, aber letztendlich fiktionales Konstrukt. Er war tief enttäuscht.

Ich musste an Stevie denken, als ich Paul Krugmans Artikel im New York Times Magazine, ‚Wieso lagen die Ökonomen so komplett falsch?‘, las. Unabhängig von den Meinungen, die Krugman in der ökonomischen Debatte vertritt, verdeutlicht der Artikel, wie vorausschauend Stevie war. Diverse Anomalien und Ausnahmen haben die traditionellen ökonomischen Modelle zum Wackeln gebracht. Diese Merkwürdigkeiten existieren aufgrund von vereinfachenden Annahmen und Thesen. Würde man sie korrigieren, wäre solche Modelle so komplex, dass man sie nicht länger manipulieren könnte – auch nicht mit höherer Mathematik. Und selbst wenn es möglich wäre, ließen sich die Ergebnisse nicht einfach interpretieren.

Das ist der Grund dafür, dass sich Alan Greenspan während seiner 20 (meist erfolgreichen) Jahre bei der US-Notenbank (wenn man sein Missverständnis der Immobilienblase außen vor lässt) nicht auf ein einziges großes Modell stützte. Er sammelte an unterschiedlichen Ecken und Enden seine Erkenntnisse und Perspektiven. Darauf baute er seine Handlungen auf, ohne eine offizielle Gebrauchsanleitung. Krimskrams-Ökonomie. Seiner Meinung nach ließ sich der Leitzins nicht an einer einheitlichen Theorie ableiten. Man benötigt mehrere Theorien – oder eher Signale, Theorie ist ein zu erhabenes Wort. Und natürlich viel Menschenverstand, um diese zusammenzusetzen.

Dasselbe gilt für einen Unterbereich der Ökonomie, die Kapitalanlage. Meistens gehen Fondsmanager fallweise vor. Traditionelle Manager wie Warren Buffett orientieren sich an generellen Leitlinien und sehr viel Bauchgefühl. Die meisten Hedgefondsmanager arbeiten auch eher situationsbezogen als mathematisch getrieben, z.B. Julian Robertson oder George Soros. Erfolgreiche Rohstoffhändler bauen typischerweise Systeme, die sich an Vergangenheitsdaten orientieren und nicht an einer Theorie. Ähnlich ist es bei Arbitrageuren.

Analog ist die Botschaft an uns Fondsanleger. Quälen Sie sich nicht damit, Modelle oder Bewertungssysteme zu bauen, um den perfekten Fonds zu finden. Beachten Sie ein paar grundlegende Prinzipien und nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand, um ein vernünftiges Portfolio zusammenzustellen, das Ihren persönlichen Geschmack trifft. Zu den grundlegenden Prinzipien gehören: moderate Gebühren; eine Fondsgesellschaften, die ihre Anleger ernst nimmt und Expertise in der gewählten Anlageklasse hat; die Anlageklasse ist nicht offensichtlich ‚heißgelaufen‘ (wie aktuell Gold). Diese Konstruktion wird nicht makellos sein. Ein Krimskrams-Portfolio eben. Aber in unruhigen Zeiten hat es gute Chancen zu bestehen.

John Rekenthaler ist Vice President of Research bei Morningstar in den USA. Die Originalversion dieses Artikels erschien ursprünglich auf www.morningstar.com.
Über den Autor

John Rekenthaler  is vice president of research for Morningstar.