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An der Schnittstelle von Kommerz und Gemeinnutz

Finanzkrise beflügelt Idee sozialer Kapitalmärkte.

Natalia Wolfstetter 24.09.2009
Investments mit Nachhaltigkeitsanspruch sind nicht neu. Eine der bekannteren Strategien ist, aus sozialer Sicht heikle Branchen wie Alkohol, Tabak oder Militär zu meiden. Andere Nachhaltigkeitskonzepte kennen zwar keine Tabubranchen, beziehen aber Umwelt- und soziale Kriterien in die Analyse ein, um die Vorreiter in einer Branche (oder auch die geringsten Übeltäter) aufzuspüren. Je nach Handhabung gibt es damit eine mehr oder weniger große Schnittmenge mit dem herkömmlichen Anlageuniversum.

Die Debatte, ob und wie Kapitalmärkte mehr sozialen Nutzen stiften können, hat nun durch den Nahezukollaps der Finanzmärkte zusätzliche Dringlichkeit erhalten. Das unverantwortliche Handeln vieler Akteure des bisher vorherrschenden Finanzsystems hat enorme Kosten verursacht. Im Kern geht es hier darum, an die Stelle des kurzfristigen Gewinnstrebens eine langfristige Orientierung zu setzen, die auch soziale Zielsetzungen mit einschließt.

Dennoch macht die Anlage nach Umwelt- und sozialen Kriterien nur einen Bruchteil dessen aus, was nach wie vor nach traditionellen Maßgaben investiert ist. Was braucht es, um Geldgebern das soziale Investieren schmackhafter zu machen?

Beklagt wird hier vor allem das Fehlen von anerkannten, allgemein gebräuchlichen Definitionen und Bewertungssystemen für nachhaltige Anlagen. Etwas, das vergleichbar mit der klassischen Gewinnkennzahl Aufschluss über den sozialen Nutzen eines Investments gibt. Das Knackpunkt hierbei: Nicht nur die ‚soziale und ökologische Performance’ gilt es zu messen und zu erklären. Auch über die Definition, was sozialen Nutzen ausmacht, besteht keine Einigkeit. Darunter leidet die Transparenz, was wiederum die Beurteilung und den Vergleich von Investments schwierig macht, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben. Letztendlich ist es auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Manche Anleger bevorzugen es deshalb, traditionell zu investieren und einen bestimmten Betrag direkt für wohltätige Zwecke zu verwenden.

Es gibt keinen Mangel an unterschiedlichen Nachhaltigkeitsratings, doch ein globaler Standard fehlt. Auf der SOCAP-Konferenz, die Anfang September in San Francisco rund ums Thema sozialer Kapitalmärkte stattfand, will man dieses Manko angehen. Das ‚Global Impact Investing Rating System’ (GIIRS) ist solch ein Versuch. Es wurde von verschiedenen größeren Investoren zusammengestellt, darunter der Rockefeller Foundation, einer US-Stiftung. Die Kriterien sind gängig und erscheinen in ähnlicher Form auch in vielen bestehenden Screeningsystemen. Sie berücksichtigen beispielsweise, wie viele und welche Arten von Arbeitsplätzen geschaffen wurden (Vollzeit/Teilzeit, ganzjährig/saisonal, Anteil Minderheiten, Ausbildungsstand, Personalfluktuation etc.). Es geht aber nicht nur darum, das Anlageuniversum einzugrenzen, sondern auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen abzuschätzen und über verschiedene Anlageprodukte vergleichbar zu machen.

Welche Spielarten nachhaltigen Investierens es gibt, lässt sich auch in unseren qualitativen Ratingberichten nachlesen. Diese liegen bisher für folgende Fonds vor:

SAM Sustainable Climate Fund

SAM Smart Energy Fund

SAM Sustainable Water Fund

Weitere Fonds werden folgen.
Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar