Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Marktkommentar: Emerging Markets

Franklin Templeton: Mark Mobius über den Reiz der Schwellenländer.

Templeton AM Ltd, 11.03.2010

Überblick

Die Schwellenländer schlossen den Februar so gut wie unverändert.
Die Sorge der Anleger galt weiterhin
Griechenlands hohen Schulden, China strengerer Geldpolitik
und der Anhebung des für Banken geltenden Zinssatzes
für kurzfristige Kredite durch die US Federal Reserve
um 0,5%. Der MSCI Emerging Markets Index rentierte in
US-Dollar 0,4%. Spitzenreiter waren die lateinamerikanischen
Märkte, die von höheren Rohstoffpreisen und
festeren einheimischen Währungen profitierten. Die schwachen
Konjunkturdaten in der Eurozone, die Sorge wegen
Griechenlands hoher Defizite und der schwache Euro
führten zu einer Korrektur der osteuropäischen Märkte, die
im Januar besonders gut abgeschnitten hatten. Der türkische
Markt schloss den Monat mit zweistelligem Rückgang,
woran auch die Anhebung des Kredit-Ratings durch Standard
& Poor’s nichts änderte. Die Ursache dafür waren Verhaftungen
im Zusammenhang mit Vorwürfen bezüglich
eines 2003 geplanten Coups, Ansteckung durch
Griechenland und die Schwäche der Lira. Die asiatischen
Märkte boten im Februar ein gemischtes Bild: Thailand, die
Philippinen und Hongkong übertrafen vergleichbare Länder
der Region. Auch China schloss den Monat mit positiven
Renditen, obwohl die restriktiveren Maßnahmen, die ergriffen
wurden, um der exzessiven Kreditvergabe durch
Banken Grenzen zu setzen, fortgesetzt wurden.

Aktuelles aus den Regionen

Bereits zum zweiten Mal in 2010 hob die People’s Bank of
China (PBOC) die für die Banken geltenden Mindestreserveanforderungen
an: für die größten Banken des Landes
um 50 Basispunkte (0,5%) auf 16,5% und für kleinere Institute
auf 14,5%. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die exzessive
Bankkreditvergabe einzuschränken. Der Verbraucherpreisanstieg
ging im Januar auf 1,5% im Jahresvergleich
zurück, nachdem er im Dezember 2009 mit 1,9% den höchsten
Stand der letzten 13 Monate erreicht hatte. Die Einfuhren
stiegen im Januar, wodurch der Handelsbilanzüberschuss,
der im Dezember 2009 18,5 Mrd. US-Dollar betragen
hatte, auf 14,2 Mrd. US-Dollar zurückging. Die Importe
waren 85,5% höher als im Vorjahr.

Der kräftige Anstieg war der Binnennachfrage, der größeren
Nachfrage nach Rohmaterial und der niedrigen
Vergleichsbasis zu verdanken. Auch die Exportzahlen
stiegen weiter: Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Anstieg
um 21,0% (im Dezember noch 17,7%).

In Südkorea konnten sich Handel und Produktion weiter
erholen. Dank der weltweiten Konjunkturerholung schnellten
im Dezember die Exportzahlen in die Höhe (+33,7%
gegenüber dem Vorjahr). Dieses Jahr belief sich der Handelsbilanzüberschuss
auf 41,0 Mrd. US-Dollar, den höchsten
Wert aller Zeiten. Im Produktionssektor stieg der Output
im November im Vorjahresvergleich um 18,6%, was vor
allem höheren Investitionsausgaben zu verdanken war.
2009 stiegen die Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich
2,8%, also weniger als 2008, als es 4,7% waren. In den drei
Jahren 2007 – 2009 stiegen die Verbraucherpreise im
Durchschnitt um 3,3%. Damit lagen sie in der von der Zentralbank
gesetzten Zielspanne von 2,5% bis 3,5%. Für den
nächsten Dreijahreszeitraum hat die Bank ein Inflationsziel
von 2% – 4% festgelegt. Die Arbeitslosenquote war 2009
jedoch 3,7% höher als im Vorjahr. 2008 hatte der Anstieg
nur 3,2% betragen.

In Indien legte die Regierung ihren Haushalt für das
Haushaltsjahr 2010/11 vor. Das Defizit beläuft sich auf 5,5%
des BIP und liegt damit unter den für das laufende
Haushaltsjahr angestrebten 6,9% bzw. 7,8% für das Vorjahr.
Die Regierung nahm die gewährten Erleichterungen zum
Teil wieder zurück, indem sie die Gebrauchssteuern leicht
anhob. Die Erhöhung der Steuer für den Ölsektor könnte die
Inflation steigen lassen. Der Finanzminister nahm jedoch
einige zu begrüßende Änderungen vor, um die Steuersätze
für persönliche Steuern niedrig zu halten. Außerdem gab es
mehr Erleichterungen für kleine Unternehmen. Die Industrieproduktion
legte weiter kräftig zu: Im Dezember stieg der
Output gegenüber dem Vorjahr 16,8%. Dies war bereits der
dritte Monat in Folge mit zweistelligem Wachstum. Die Zuflüsse
durch Direktinvestitionen aus dem Ausland beliefen
sich 2009 auf 38,0 Mrd. US-Dollar. Dies bedeutet ausgehend
von 41,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 einen Rückgang
um weniger als 10% – trotz der weltweiten Finanzkrise.
2009 waren die Zuflüsse allerdings höher als in den vorhergehenden
Jahren. Das Land ist weiterhin ein attraktiver
Zielort für Anleger, weil es qualifizierte Arbeitskräfte, eine
enorme Verbraucherbasis und niedrige Kosten bietet.

Brasiliens Privatverbrauch war auch im Dezember in guter
Verfassung: Die Einzelhandelsumsätze waren 9,1% höher
als im Vorjahr. Im November waren es noch 8,6% gewesen.
Die Hauptfaktoren waren die kräftigen Umsätze bei Baumaterial,
Kraftfahrzeugen und Möbeln. Die Inflation war auf
dem höchsten Stand seit sieben Monaten: Die Verbraucherpreise
stiegen im Vorjahresvergleich um 4,6%. Das lag vor
allem an den höheren Kosten für Lebensmittel und Transport.
Was die politische Entwicklung anging, so gab Brasiliens
Regierungspartei Partido dos Trabalhadores (PT)
bekannt, dass Dilma Rousseff die Präsidentschaftskandidatin
für die im Oktober 2010 anstehenden Wahlen ist. Es
war allgemein erwartet worden, dass Rousseff, die zurzeit
Präsident Lulas Kabinettschefin ist, dessen Nachfolge antreten
würde. Sollte sie gewählt werden, so geht man davon
aus, dass Rousseff die gegenwärtige makroökonomische
Politik der Regierung fortführt.

Südafrika verzeichnete den stärksten BIP-Zuwachs seit
über einem Jahr: Im Schlussquartal 2009 schnellte das
Wachstum gegenüber dem Vorjahr, das im 3. Quartal noch
0,9% betragen hatte, auf 3,2%. Diese Stärke dürfte von
Dauer sein, da die größere Rohstoffnachfrage und die Erholung
der Binnennachfrage der Wirtschaft Halt geben dürften.
Der Produktionssektor, einer der Hauptfaktoren für das
Wirtschaftswachstum, konnte sich weiter verbessern: Der
wertschöpfende Output legte im 4. Quartal 10,1%
gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Im 3. Quartal waren
es noch 7,6% gewesen. Die Einzelhandelsumsätze waren
immer noch geringer als im Vorjahr, gingen jedoch
inzwischen langsamer zurück (von 6,6% im November auf
nunmehr 3,7%).

2009 schrumpfte Russlands Wirtschaft gegenüber dem
Vorjahr um 7,9%. Dieses Ergebnis war aber immer noch
besser als der von der Regierung erwartete Rückgang um
8,5%. 2008 hatte es noch 5,6% Wachstum gegeben. Der
BIP-Rückgang war auf weniger Investitionen, Verbrauch und
Ölexporte zurückzuführen. Die Regierung rechnet damit,
dass die Volkswirtschaft 2010 3,1% gegenüber dem Vorjahr
zulegt. Nach den signifikanten Abflüssen in den ersten neun
Jahren des Monats gab es zum Jahresende 2009 wieder
positive Kapitalzuflüsse. Im Schlussquartal 2009 beliefen
sich die Zuflüsse auf insgesamt 11,6 Mrd. US-Dollar, was im
Vergleich zu Abflüssen in Höhe von 64,0 Mrd. US-Dollar in
den ersten drei Quartalen 2009 zu sehen ist. Der Inflationsdruck
ließ weiter nach. Die russischen Verbraucherpreise
stiegen im Januar 2010 im Jahresvergleich um 8,0%. Dies
gestattete der Zentralbank die Fortsetzung ihrer lockeren
Geldpolitik, mit der sie ihren Beitrag zur Ankurbelung der
Binnenkonjunktur zu leisten versucht. Die Bank senkte ihren
Leitzins um 25 Basispunkte (0,25%) auf 8,5%.

Im Februar hob die internationale Rating-Agentur Standard
& Poor’s das Kredit-Rating der Türkei an. Wegen der
besseren Wirtschaftspolitik der Türkei wurden die Ratings
für die langfristigen Fremd- und Inlandswährungsanleihen
des Landes auf BB bzw. BB+ angehoben. Der Industrie-
Output stieg im Dezember um 25,2% gegenüber dem Vorjahr,
nachdem er im November 2,3% zurückgegangen war.
Das gute Ergebnis ist zum Teil auch auf die niedrige Ausgangsbasis
zurückzuführen. Der Output des Produktionssektors
stieg im Dezember gegenüber dem Vorjahr um
28,0% an. Im November waren es noch +13,1% gewesen.
Der Inflationsdruck wurde immer stärker: Die Verbraucherpreise
verzeichneten im Januar einen Anstieg von 8,2%
gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg, der zum Teil auf
die höheren Steuern auf Kraftstoff und Zigaretten
zurückzuführen ist, war der höchste seit einem Jahr. Im
Februar gab es Treffen zwischen türkischen Regierungsbeamten
und ihren Kollegen aus China und Bangladesch,
die auf den Ausbau der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen
abzielen.

Thema des Monats: Fragen und Antworten zu
Schwellenländern

Welche Vor- und Nachteile haben Direktanlagen in Aktien
und Anleihen aus Schwellenländern im Vergleich zu
Papieren von Unternehmen aus entwickelten Ländern,
die auch in Schwellenländern tätig sind?

Wer direkt in Aktien aus Schwellenländern investiert, profitiert
voll von der Entwicklung dieser Länder. Wer dagegen in
Unternehmen investiert, die zwar auch in Schwellenländern
tätig, jedoch in entwickelten Ländern ansässig sind, nimmt
nicht in vollem Umfang an deren Entwicklung teil und hält
auch Länder mit langsamerem Wachstum und geringerem
Wachstumspotenzial. Einige Unternehmen aus entwickelten
Märkten bieten jedoch den Vorteil, dass sie weltweit tätig
sind, so dass das Engagement des Anlegers etwas diversifizierter
ist. Natürlich gibt es aber auch einige Unternehmen
aus Schwellenländern, die ähnlich breit aufgestellt sind.

Wie wahrscheinlich ist es, dass China schon bald seine
Geldpolitik weiter verschärft? In welcher Form würden
solche Maßnahmen wohl erfolgen?

Sehr wahrscheinlich wird die Geldpolitik in bestimmten
Bereichen restriktiver, aber nicht allgemein. Die Chinesen
haben klargestellt, dass sie sicherstellen wollen, dass die
Wirtschaft weiter kräftig wächst. Das bedeutet, dass sie die
Liquidität und die Geldmenge auf hohem Niveau halten wollen,
allerdings mit der Maßgabe, dass Kreditvergabe und
Geldmenge bei steigender Inflation etwas eingeschränkt
werden. Sie werden nach Möglichkeit versuchen, Maßnahmen
zu vermeiden, die das Wachstum des Landes gefährden
könnten. Deshalb werden restriktivere Maßnahmen
speziell auf die Inflationsbekämpfung in bestimmten Bereichen
zugeschnitten sein.

Und Ihr Ausblick für Afrika?

Die Aussichten für Afrika scheinen uns vor allem aus drei
Gründen sehr gut: (1) reichlich Naturressourcen, (2) eine
junge Bevölkerung und (3) steigendes Interesse der reichen
Schwellenländer. Afrika hat einige der größten Rohstoffvorkommen
der Welt. Bislang wurde erst ein Bruchteil dieser
Ressourcen erschlossen. Hinzu kommt die junge und
wachsende Bevölkerung, die mit besserer Bildung und Ausbildung
von großer Bedeutung für den Ausbau der Produktions-
und Bergbauunternehmen werden könnte. Diese Faktoren
haben das Interesse von Ländern wie China und Indien
geweckt, die für ihre wachsenden Volkswirtschaften auf
Rohstoffe angewiesen sind. Aber auch Russland und Brasilien
sind interessiert, weil sie ihre Unternehmen weltweit
ausdehnen wollen. Länder in allen Teilen der Welt interessieren
sich zunehmend dafür, in Afrika für den afrikanischen
Markt zu produzieren. Dies gilt vor allem für Unternehmen
aus Schwellenländern, die es gewohnt sind, unter schwierigen
politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu arbeiten.

Afrika ist eine interessante Region. Die Bemühungen
südafrikanischer Unternehmen, ihren internationalen Marktanteil
auszubauen und fähige Führungsteams einzusetzen,
ist ein Zeichen für die Anleger, dass dort echte
Schnäppchen zu finden sind. Die weltweit höhere Rohstoffnachfrage,
die Erholung der Binnennachfrage wie auch die
Vorbereitungen und Durchführung der Fußball-WM 2010
dürften dem Wirtschaftswachstum dieses Jahr mehr Halt
geben.

Abgesehen von Südafrika haben wir uns auch die weniger
bekannten Grenzmärkte Afrikas angeschaut. Einige davon
sind sehr große Länder wie etwa Nigeria. Auch regionale
Märkte wie Ägypten und Kenia beginnen attraktiv zu wirken,
und wir sehen bereits neue Märkte in dieser Region
wachsen. Libyen zum Beispiel hat bereits einen Aktienmarkt
und fördert die Privatisierung von Staatsunternehmen – dies
ist eine Entwicklung, die sich in zahlreichen afrikanischen
Ländern wiederholt.

Manche Beobachter meinen, die Grenzmärkte stellten
zurzeit bestenfalls konträre Anlagen dar. Sehen Sie das
auch so? Und falls ja: weshalb?

Ja, das ist sicherlich richtig. Viele Menschen würden zum
Beispiel niemals in Nigeria investieren oder vielleicht nicht
einmal das Land besuchen, weil sie Angst vor Gewalttätigkeit
haben. Tatsächlich bieten sich dort jedoch hervorragende
Anlagechancen. Es gibt also schon allein deshalb
Chancen, weil diese Chancen anderen Anlegern nicht attraktiv
erscheinen, da sie mit den dortigen Gegebenheiten
nicht vertraut sind.

Katar, Kasachstan und Nigeria zählen zu den Ländern,
die dieses Jahr als sehr interessant gelten. Woran liegt
das Ihrer Meinung nach?

Dies sind einige der Länder, von denen gesagt wird, man
solle sie beobachten. Aber es gibt noch einige andere, etwa
Vietnam, Rumänien und ein paar andere. Katar, Kasachstan
und Nigeria sind alle wegen ihrer Naturressourcen interessant.
Katar hat Gas, Kasachstan und Nigeria haben beide
Öl.

Und gibt es bestimmte Sektoren innerhalb der
Grenzmärkte, die Ihrer Meinung nach besser abschneiden
werden als andere?

Unsere Anlagestrategie beruht auf einem wertorientierten,
langfristigen Bottom-up-Ansatz. Wenn wir nach
Anlagemöglichkeiten suchen, konzentrieren wir uns eher auf
einzelne Unternehmen als auf Wirtschaftszweige oder Regionen.
Im Zuge unserer Analysen berücksichtigen wir jedoch
auch die Position des Unternehmens in seinem Sektor
sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.

Für uns stehen nach wie vor zwei Hauptthemen im Vordergrund:
Verbraucher und Rohstoffe. Bei steigenden Pro-
Kopf-Einkommen und hoher Nachfrage nach Konsumgütern
sind die Aussichten dieser Aktien auf Ertragssteigerungen
günstig. Auch Rohstoffaktien sehen gut aus, denn wir
rechnen mit einem Aufwärtstrend der Rohstoffpreise, teils
wegen des schwachen US-Dollar, aber auch, weil die
globale Nachfrage nach Rohstoffen langfristig das Angebot
übersteigen dürfte.

Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Asset
Management Ltd