Globale Fondsmanager setzen nach QE2 auf Risiko

BofA Merrill Lynch Umfrage: Risikoappetit unter globalen Fondsmanagern steigt deutlich.

Weltweit wenden sich Fondsmanager verstärkt risikoreichen Anlageklassen zu. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Ankündigung der US-Fed, die Anfang des Monats eine zweite Runde an quantitativen Lockerungsmaßnahmen (‚QE2‘) einläutete.

Die Umfrage unter 218 Fondsmanagern, die Anlagegelder in Höhe von 634 Mrd. US-Dollar managen, erfolgte eine Woche danach. Die Umfrageteilnehmer waren zuletzt im April dieses Jahres so optimistisch gewesen wie nun im November. Die Vermögensverwalter sind für das Wachstum und insbesondere Zykliker sehr positiv gestimmt, so der Tenor der Umfrage. Gary Baker, Aktienstratege von BofA Merrill Lynch Global Research, spricht von einer durch QE2 ausgelösten radikalen Umkehr der Erwartungen.  

Die Umfrage weist allerdings auch auf wachsende externe Risiken hin, insbesondere die sich vertiefende europäische Schuldenkrise und die deflationäre Rallye des US-Dollar. Daher fürchten BofA Merrill Lynch Analysten davon aus, dass die historische Jahresendrallye bereits stattgefunden haben könnte oder dass sie durch diese Risiken schwächer ausfällt als erhofft.

Wachstumserwartungen im Steigen begriffen

Während die entwickelten Staaten Mühe haben, die Konjunktur anzukurbeln, präsentieren sich die Schwellenmärkte sehr stark. Insgesamt steigt das Vertrauen institutioneller Investoren in den globalen Aufschwung. 35% der befragten Fondsmanager gehen mittlerweile von einem stärkeren globalen Wachstum in den kommenden 12 Monaten aus – im Oktober waren es nur 15%.

Die Anleger glauben verstärkt an einen liquiditätsgetriebenen Boom. Das wird besonders an ihrem Engagement in den Emerging Markets deutlich. 56% der befragten Fondsmanager sind in den Schwellenmärkten übergewichtet. Dies liegt nur einen Prozentpunkt unter dem bisher höchsten Wert, der in der Umfrage im April 2004 ermittelt wurde. Insbesondere Finanzdienstleister aus den Emerging Markets haben es den Fondsmanagern angetan. Deren Übergewichtung ist derzeit die höchste seit Juli 2007. Die steigende Risikobereitschaft spiegelt sich auch im BofA Merrill Lynch Risiko- und Liquiditätsindikator wieder, der im November erneut über seinen langjährigen Durchschnitt von 40 auf 45 gestiegen ist.

Auf Branchenebene ist in der Umfrage eine klare Verschiebung von defensiven Sektoren hin zu Zyklikern erkennbar. So waren im Oktober nur 9% der Umfrageteilnehmer in Rohstofftiteln übergewichtet, im November waren es bereits 21%.

Potenzielle Korrektur
Trotz des zunehmenden Optimismus deuten einige Indikatoren der Umfrage auf die Möglichkeit einer Korrektur hin. Während die Fondsmanager Aktien gegenüber Renten klar bevorzugen, ist die Barquote im Durchschnitt auf 3,5% des Portfolios gefallen. Solch niedrige Kassebestände haben bei BofA Merrill Lynch ein taktisches Verkaufssignal ausgelöst, was in der Vergangenheit tendenziell von negativen Marktbewegungen gefolgt wurde. Gary Baker weist allerdings darauf hin, dass QE2 die Risiko- und Liquiditätserwartungen verzerrt, was auch die technische Analyse beeinträchtigen kann.  

Allerdings haben die Erwartungen für das chinesische Wachstum ebenfalls einen Dämpfer bekommen, was für die Marktstimmung im Hinblick auf das globale Wachstum bedeutsam werden kann, so Gary Baker.

Eurozone – ausgewogene Aussichten
Bei Euroland-Aktien ist in der Umfrage die seit April 2004 höchste Übergewichtung zu beobachten (15% im November gegenüber 3% im Oktober), aber der positive Trend ergibt sich aus der allgemein positiven Einschätzung von Aktien. ‚Schließlich könnten Investoren nicht nur in den Schwellenländern anlagen‘, sagt Gary Baker.

Die Makroeinschätzungen für die Eurozone haben sich dagegen trotz QE2 kaum verbessert. Anders dagegen in den USA, wo mittlerweile 65% der befragten Fondsmanager glauben, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden 12 Monaten verbessern wird (24 Prozentpunkte mehr als im Oktober). Für Japan stieg diese Zahl um 35 Prozentpunkte auf 41%.

Sorgen über Euro-Peripheriekrise
Die Stimmung für Europa leidet insbesondere unter der Schuldenkrise der Euro-Peripheriestaaten. 34% der befragten Vermögensverwalter halten diese für das größte Risiko, im Oktober waren es noch 21%.

Dennoch deutet die Umfrage auf steigende Risikobereitschaft an den europäischen Aktienmärkten hin. Dies lässt sich an der steigenden Präferenz für zyklische Sektoren ablesen. Sechs von acht Branchen, die laut Umfrage übergewichtet sind, fallen in diesen Bereich.

Gary Baker sieht wenig Anzeichen, dass die Schuldenkrise auf die Stimmung an den Euro-Kernaktienmärkten übergreift. Die potentiellen negativen Auswirkungen sind seiner Ansicht nach im Vergleich zur Griechenland-Krise begrenzt. Damals war noch unklar, welche Maßnahmen die EU-Länder ergreifen würden, während mittlerweile ein Rettungsschirm bereitstehe. Im Gegensatz zu anderen weniger optimistischen Meinungen sieht Baker durch die aktuellen Entwicklungen nicht die ganze EU in Gefahr.

Fällt die Bescherung aus?
Während sich Irland weniger dramatisch auswirken könnte als die Griechenland-Krise und die Währungsbewegungen relativ geordnet verliefen, weist Baker darauf hin, dass die Unsicherheit über die Erholung in der Eurozone bestehen bleibt.

‚Möglicherweise liegt die Jahresendrallye bereits hinter uns und Anleger bleiben verwundbar durch die Staatsschuldenkrise in der Eurozone oder eine US-Dollar-Aufwertung‘, so Michael Hartnett, leitender Aktienstratege von BofA Merrill Lynch Global Research.

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