Quo vadis Templeton Growth?

Handwerkliche Fehler oder Anlagestil aus der Mode?

Werner Hedrich 13.12.2010

Der Wechsel an der Spitze des Templeton Growth lässt zwangsläufig die Frage aufkommen, warum dieser in Deutschland so beliebte Fonds innerhalb von zehn Jahren den dritten Lead Manager bekommt. Der Blick auf die nackte Performance lässt so manchen Investor reflexartig folgern: Die Wertentwicklung hat nicht gestimmt. So einfach ist es in diesem Falle aber nicht. Schon alleine die Pressemitteilung Franklin Templetons zum Managerwechsel schwächt diese These ab. Die noch amtierende Fondsmanagerin Cindy Sweeting wird laut Unternehmenskommunikation nach erfolgreicher Neuausrichtung befördert und bleibt dem globalen Aktienteam damit in leitender Funktion für die strategische Ausrichtung der Portfolios und deren Risikomanagement Prozesse verbunden. Ein Abstieg hört sich anders an. Glaubt man dieser Mitteilung und interpretiert sie, dann sollte man eher die Frage stellen, ob das übergebene Portfolio von Murdo Murchison neu ausgerichtet werden musste. Von Murchison hat man nie wieder etwas gehört. Auch die angepriesene 'erfolgreiche Neuausrichtung' unter Sweeting mit Blick auf die Performance kann uns nicht richtig überzeugen. Aber 'erfolgreiche Neuausrichtung' kann auch eine Änderung oder Optimierung des Prozess bedeuten. Das Analysegespräch mit Franklin Templeton wird dies zeigen.     

Gleichzeitig wird uns jedes Mal beim Wechsel der Manager signalisiert, dass sich zwar der Kopf ändert, aber nicht der Ansatz. Dies können wir mit Blick auf die Portfolios bestätigen. Die Personalrochaden lassen sich nun endlos durchdeklinieren, zielführend wird dies aber nicht sein. Zugegeben, das mediale Spiel mit den Starmanagern ist wunderbar bildlich, die Fondsmanager stehen im Rampenlicht und Franklin Templeton lässt sie auch einmal im Jahr einfliegen. Als Investment- oder Portfolioanalysten stehen wir bei Morningstar aber vor einem anderen Dilemma.

Wir müssen nun herausfinden, ob es sich im Falle des Templeton Growth Fund um handwerkliche Fehler des Asset Managers/ Fondsmanagers handelt oder ob die nicht auskömmlichen Ergebnisse dem Marktumfeld geschuldet sind. Den einzigen handwerklichen Fehler, den man vielleicht ausmachen könnte, ist das Aussparen an direkten Positionen in den Emerging Markets. Aber im Großen und Ganzen können wir keine handwerklichen Fehler identifizieren. Dem einen oder anderen mag der Fonds auf Einzeltiteleben zu stark diversifiziert sein, aber das ist Geschmacksache. Ein sogenannter Value Trap, eine Value Falle, kann sich nächstes Jahr schon als Goldgrube erweisen. Die Überzeugungen Franklin Templetons in die starken Sektorabweichungen stammen nicht aus Markoüberlegungnen, sondern sind Funktion des Aktienresearchs. Wo wir auch suchen, handwerkliche Fehler lassen sich nur schwer finden. Bei handwerklichen Fehlern wäre eine Handlungsanweisung einfach. Sie würde sich bei uns in einem Morningstar Qualitative Rating 'Schwach' oder 'Ungenügend' ausdrücken.

Beim Templeton Growth Fund hat wahrscheinlich in den letzten Jahren die Philosophie des globalen Aktienteams von Franklin Templeton nicht gepasst. Dieser Ansatz ist recht träge und antizyklisch, was im Marktumfeld der letzten acht Jahre mehr von Nachteil als von Vorteil war. Der Zufluss in Indexfonds und ETFs sowie von Momentum getriebene Ansätze machen möglicherweise so viel Lärm, dass dieser streng fundamentale Ansatz in volatilen Marktphasen ins Leere läuft. Gleichzeitig waren andere globale Manager, die auch in das günstigere Drittel des Aktienmarktes investieren (Morningstar Kategorie Aktien Standardwerte weltweit Value), in der gleichen Stilrichtung erfolgreicher. Value Investing ist eben nicht gleich Value Investing.

Wir haben grundsätzlich den Eindruck, dass Franklin Templeton ein guter Investmentmanager ist, im Interesse der Fondssparer handelt und eine gute Firmen- und Investmentkultur vorweisen kann. Auch der bewertungsbewusste Ansatz liegt uns sehr nahe. Unsere 100 Morningstar Aktienanalysten beurteilen Aktien nach der gleichen klassischen Art. Die gute Investmentkultur und disziplinierte Vorgehensweise haben uns trotz jüngster unterdurchschnittlicher Ergebnisss ein 'Standard' Rating vergeben lassen.

Wird ein Managerwechsel unsere Einschätzung ändern? Wahrscheinlich nicht, denn der Prozess sollte bestehen bleiben. Wird der Ansatz auch künftig nach Kosten hinter dem Markt zurückbleiben? Ganz ehrlich, wir wissen es nicht. Sollte der Markt aber den Mega Caps, Big Pharma und Technologiekonzernen mehr Beachtung schenken, dann wird der Templeton Growth Fund relativ zum Markt und anderen Fonds aufschließen. Unser Dilemma ist, dass wir nicht wissen, wann diese Aktien relativ stärker steigen als die anderen (oder relativ weniger in der Baisse nachgeben). Franklin Templeton argumentiert, dass der fundamentale und disziplinierte Ansatz langfristig überlegen sein wird. Über die letzten zehn Jahre liegt der Templeton Growth Fund dank überragender Jahre 2001 und 2002 noch vorne. Alles, was danach kam, war unterdurchschnittlich. Wir werden bald mit dem neuen Manager Norman J. Boersma  sprechen und Investoren eine Einschätzung geben können. Bis dahin bleibt der Fonds auf 'Under review'.

Wahrscheinlich wird aber unser Dilemma bestehen bleiben. Im Falle des Templeton Growth ist es sehr schwer festzustellen, ob die unterdurchschnittlichen Anlageergebnisse dem Markt geschuldet waren oder dem rigiden Prozess (und wenn er bei anhaltender Underperformance nicht geändert würde, könnte man von einem handwerklichen Fehler sprechen).

Über den Autor

Werner Hedrich