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„Ich sehe keine Stagflationsgefahr in China“

Ein Interview mit Jan Ehrhardt, Fondsmanager des DJE Asien High Dividend.

Ali Masarwah 04.11.2011

Im laufenden Jahr hat der Nimbus Chinas als Wachstumsmotor Kratzer abbekommen. Auch wenn die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal um gut 9 % im Jahresvergleich zugelegt hat, ist das die niedrigste Wachstumsrate in zwei Jahren, die zudem angesichts einer Inflationsrate von gut 6 Prozent im September einiges an Strahlkraft verloren hat. Die Sorgen über die Zukunft des Reichs der Mitte wachsen, zumal die Importmärkte USA und – vor allem – Euroland sich wackelig zeigen. Wir sprachen mit einer Reihe von Asien-Fondsmanagern über die Rolle Chinas in ihrer aktuellen Portfolio-Strategie. Teil I der Interview-Reihe: Jan Ehrhardt, Fondsmanager und Vorstand bei der DJE Kapital AG. 

Herr Ehrhardt, ist die Wachstumsstory Chinas noch intakt, oder zeigt die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bei konstant hohen Inflationsraten, dass es in Richtung Stagflation geht?
 
Jan Ehrhardt: Die restriktive Politik der chinesischen Notenbank wirkt sich heute negativ auf die Wirtschaftsentwicklung aus. Die geringe Kreditvergabe führt beispielsweise dazu, dass so genannte Schattenbanken Zinssätze von bis zu 6% verlangen - pro Monat! Interessanterweise haben Schätzungen zufolge kleinere Immobilienentwickler rund 60 Prozent dieser Kredite in Anspruch genommen. Diese Immobilenentwickler könnten früher oder später dazu gezwungen werden, ihre Immobilien zu niedrigeren Preisen zu verkaufen. Dennoch ist die Situation aufgrund der geringen Verbreitung von Hypotheken nicht mit der Situation in den USA vor einigen Jahren vergleichbar. Die Investitionen in diesem Segment sowie das gesamte Wachstum der Anlageinvestitionen dürften allerdings zurückgehen. Generell kam das chinesische Wachstum in den letzten Jahren stark aus dem Bereich der Anlageinvestitionen. Dies wird sich zukünftig zugunsten des Binnenkonsums verschieben. Auch aktuell entwickelt sich der Einzelhandel in China mit einem Wachstum von 17,7% im September gegenüber dem Vorjahreszeitraum sehr erfreulich. Eine Stagflation sehe ich daher nicht.
 
Welche Rolle wird China in Asien künftig spielen? Die einer Exportlokomotive oder des Konsumenten und Rohstoffimporteurs?
 
Der Export spielt für Wirtschaftswachstum in China bereits seit Jahren eine geringere Rolle. Auch wird das Wachstum bei der Rohstoffnachfrage aufgrund der abnehmenden Bedeutung der Anlageinvestitionen zurückgehen. Die gewaltige Modernisierungswelle hält jedoch an, so dass die absoluten Nachfragemengen einzelner Rohstoffe hoch bleiben werden. Gerade im Bereich des Konsums sehe ich langfristig unter anderem aufgrund der hohen Sparquote jedoch die größten Chancen. Man denke allein an das Wachstum bei der Medizinversorgung.
 
Welche Folgen ziehen Sie als Manager Asiatischer Portfolios aus dieser Einschätzung?
 
Chinesische Aktien sowie Aktien aus Hongkong bieten meines Erachtens mittel- und langfristig die größten Chancen. Sollte die Inflationsrate etwa in 2012 unter 5% fallen, dürfte die Geldpolitik wieder expansiverer werden. In Kombination mit den aktuell sehr günstigen Bewertungen sowie den strukturell weiter guten Wachstumschancen bin ich für das kommende Jahr sehr zuversichtlich für chinesische Aktien.
 
Welche chinesischen Aktien bzw Branchen favorisieren Sie?
 
Im DJE-Asien High Dividend sind Konsumgüter besonders stark vertreten. Zu den 10 größten Werten gehören aktuell etwa Texil- bzw. Einzelhandelsunternehmen wie Texwinca, Glorious Sun oder Giordano, welche Hunderte bzw. Tausende von Läden in China betreiben und über Dividendenrenditen von 6% bis 8% verfügen. Mir gefallen auch einige Mautstraßengesellschaften, Uhreneinzelhändler sowie Pharmawerte auf jetzigem Niveau sehr gut.
 
Wie ist der Fonds en gros aufgestellt?
 
Der DJE-Asien High Dividend setzt verstärkt auf defensive und dividendenstarke Unternehmen. Außerdem sind wir gerade bei mittelgroßen Value-Aktien aus Hongkong stark engagiert.
Wegen seiner defensiven Titelauswahl entwickelt sich der DJE-Asien High Dividend in Abwärtsmärkten tendenziell besser als der Gesamtmarkt. Das war in der zweiten Jahreshälfte 2008 der Fall. In starken Aufwärtsmärkten wie 2009 oder 2010 hinken wir dem Markt dagegen oft hinterher. Über den Gesamtzyklus wollen wir jedoch den Markt bzw. die Benchmark schlagen.

Welche Rolle chinesische Aktien in Asienfonds spielen, lesen Sie im Überblick im Beitrag, der in der vergangenen Woche auf morningstar.de erschienen ist (klicken Sie hier).

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich