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US-Häuser dominieren 2011 den Fondsabsatz in Europa

Die Euro-Schuldenkrise macht den französischen Häusern BNP Paribas und Amundi zu schaffen.

Im vergangenen Jahr haben US-Asset Manager das Absatzrennen auf dem europäischen Fondsmarkt gemacht. Dies geht aus der aktuellen Morningstar-Absatzstatistik für 2011 hervor. Franklin Templeton, JPMorgan, BNY Mellon, Pimco und BlackRock (ohne iShares) waren die erfolgreichsten Fondshäuser im Vertrieb im vergangenen Jahr. Dabei führt Franklin Templeton mit Nettomittelzuflüssen von 13,62 Milliarden Euro die Rangliste der Fondshäuser mit der höchsten Absatzleistung europaweit an, gefolgt von JPMorgan und BNY Mellon, wie aus der Tabelle hervorgeht.

Sortierkriterium: Die höchsten Nettomittelzuflüsse (absteigend) im Gesamtjahr 2011, Stand: 31.12.2011, Quelle: Morningstar Direct.

Punkten konnte Franklin Templeton im Wesentlichen mit zwei aktiv verwalteten Anleihefonds: dem Templeton Global Total Return und dem Templeton Global Bond Fund. Die von Michael Hasenstab und Sonal Desai verwalteten Fonds sammelten im vergangenen Jahr laut der Morningstar-Absatzstatistik netto 6,31 Milliarden beziehungsweise 5,32 Milliarden Euro ein. Damit machten die beiden global anlegenden Produkte den Löwenanteil des Absatzerfolgs von Franklin Templeton aus. Inzwischen ist der Templeton Global Bond Fund mit einem Vermögen von 31,32 Milliarden Euro einer der größten Publikumsfonds in Europa. Der Templeton Global Total Return kommt per Ende Dezember 2011 auf ein Volumen von 15,93 Milliarden Euro.

Erst mit gebürtigem Abstand folgten auf der Templeton-Absatzliste die Aktienfonds Franklin US Opportunities (Absatz: 621 Millionen Euro), Templeton China (511 Millionen Euro) und der Schwellenländer-Rentenfonds Templeton Asian Bond (432 Millionen).

Das Beispiel der beiden Hasenstab-Fonds zeigt allerdings, dass Absatzerfolge flüchtig sein können: Wegen einiger Fehlgriffe Hasenstabs im vergangenen Jahr lagen die beiden Absatzrenner zuletzt weit hinter ihren Benchmarks. Während der Templeton Global Bond Fund 2011 mit einem minimalen Plus von 0,1% beendete, legte der Index JPMorgan Global Government Bond in dem Zeitraum um 10,8% zu. Der Templeton Global Total Return Fund wiederum gewann nur 2,2 Prozent und lag damit fast 700 Basispunkte unter seinem Referenzindex, dem Barclays Capital Multiverse Index, der 9,1 Prozent gewann. Die Folge der Underperformance: Im vierten Quartal mussten beide Fonds Abflüsse hinnehmen: der Global Bond Fund verlor 570 Millionen, der Total Return sogar 1,5 Milliarden Euro (lesen Sie mehr zum Templeton Global Bond Fund hier). 

JPMorgan punktet mit Geldmarktfonds, Pimco mit aktivem Bond-Management

Anders sind indes die Erfolgsstories bei JPMorgan Asset Management, BNY Mellon und BlackRock gelagert, die vor allem mit Geldmarktfonds erfolgreich waren. Dieser Absatzerfolg ist auch ein klarer Ausdruck der Euro-Schuldenkrise: In Europa waren 2011 auch bei Geldmarktfonds Fremdwährungen gefragt - und mit solchen Fremdwährungsprodukten können nun einmal vor allem die Angelsachsen punkten (lesen Sie mehr zu den Top- und Flop-Asset-Klassen im Vertrieb 2011). Dabei profitierte vor allem JPMorgan von seiner globalen Marktführerschaft bei Geldmarktfonds. Top-Seller waren der JPM US Dollar Liquidity, der netto 12,31 Milliarden Euro einsammelte,und der JPM Sterling Liquidity (plus 2,73 Milliarden Euro). Mit gebürtigem Abstand folgt nach vier Geldmarktfonds der Aktienfonds JPM US Growth Fund mit einem Absatz von netto 631 Millionen Euro. 

Ähnlich das Bild bei BNY Mellon; hier waren die zwei Fonds mit den höchsten Zuflüssen US-Dollar und Pfund-Sterling-Geldmarktprodukte. Sie sammelten zusammen rund 9,7 Milliarden Euro netto ein. Der Mischfonds Newton Real Return Fund war mit einem Nettoabsatz von 2,33 Milliarden Euro der drittstärkste Fonds im Vertrieb der Amerikaner, die Brands wie Newton im Portfolio haben. 

Mit aktiven Bond-Produkten konnte indes die Allianz-Tochter Pimco punkten. Ungeachtet der – inzwischen wieder korrigierten - Fehlentscheidung von Pimco-Gründer Bill Gross, im Jahresverlauf 2011 US-Staatsanleihen aus den Bond-Portfolios zu werfen, konnten Pimco-Fonds 2011 kräftig wachsen. Pimco-Top-Seller war der Global Investment Grade Credit Fund, der inzwischen 9,82 Millarden Euro schwer ist. Er sammelte 2,1 Milliarden Euro ein. Auch der Pimco Unconstrained Bond Fund (1,45 Milliarden Euro) und der Pimco Diversified Income Fund (1,12 Milliarden Euro) zählten zu den Absatz-Rennern 2011. 

Die Flop-Anbieter kamen samt und sonders aus Europa

Des einen Freud ist des anderen Leid: Spiegelbildlich zum Erfolg der US-Amerikaner mussten Europas Fondshäuser 2011 an der Vertriebsfront empfindliche Einbußen hinnehmen. Wie die Morningstar-Statistik zeigt, mussten die Gesellschaften des „Alten Kontinents“ teilweise sehr hohe Abflüsse hinnehmen. Absolut, aber auch gemessen am Nettovermögen - ein weiteres Gesicht der Krise, die sich auch im Vertrauensverlust der Anleger gegenüber französischen Banken manifestierte.

Die Rote Absatz-Laterne hatte BNP Paribas inne. Das französische Haus musste im vergangenen Jahr 21,7 Milliarden Euro an Abflüssen aus seinen Fonds hinnehmen. Dabei machten Euro-Geldmarktfonds rund die Hälfte der Abflüsse aus. Verkauft wurden aber auch Garantiefonds, konservative Mischfonds, Euro-Rentenfonds und Produkte aus diversen Aktienkategorien.

Auch das Haus mit der zweitschlechtesten Absatzbilanz 2011, Amundi, kommt aus Frankreich. Wie auch bei BNP Paribas wurden vor allem Euro-Geldmarktfonds verkauft. Aber eben nicht nur. Auch eine Spezialität des Hauses, Volatilitätsfonds, mussten Abflüsse in Höhe von 1,93 Milliarden Euro hinnehmen. Abflüsse mussten auch Fonds aus einer weiteren Nische hinnehmen: der alternative Bereich "Debt Arbitrage" verzeichnete ein Absatzminus von 973 Millionen Euro.

Wie aus der Morningstar-Absatzstatistik weiter hervorgeht, zählten auch die britische HSBC, die Tochter der italienischen Unicredit, Pioneer Investments, sowie KBC zu den Häusern mit den höchsten Abflüssen aus Fonds. Auch die Deka war 2011 mit Abflüssen in Höhe von 8,22 Milliarden Euro eines der Absatzschlusslichter in Europa.

Sortierkriterium: Die höchsten Nettomittelabflüsse im Gesamtjahr 2011 (aufsteigend), Stand: 31.12.2011, Quelle: Morningstar Direct.

Unter den Schweizer Asset-Management-Häusern war Pictet Asset Management mit Zuflüssen von 1,04 Milliarden Euro am erfolgreichsten; UBS (minus 3,2 Milliarden Euro) und Swisscanto (minus 2,57 Milliarden Euro) mussten die höchsten Abflüsse hinnehmen.

Hinweis: Morningstar schätzt die Daten zum Absatzgeschäft der Fondsindustrie in Europa auf monatlicher Basis. Wir wenden folgende Methodologie an: Es werden - kurz gesagt - die Volumina der in Europa zugelassenen Fonds zum Ende des jeweiligen Monats mit ihrem Volumen zum Monatsanfang abgeglichen. Die Residualgröße, die sich nicht auf die Performance-Entwicklung zurückführen lässt, stellt die (positive oder negative) Nettoabsatzleistung des jeweiligen Fonds dar. Die aggregierten Morningstar-Daten geben zuverlässig und sehr zeitnah die Absatztrends in Europa wider, können sich aber von den offiziellen Daten der nationalen europäischen Fondsverbände und der europäischen Fondsvereinigung Efama unterscheiden. Unterschiede basieren im wesentlichen darauf, dass unser Schätzverfahren durch die Dynamik der Zuflüsse innerhalb eines Monats beeinflusst werden kann. Darüber hinaus unterscheiden sich unsere Fondskategorien von denen der Fondsindustrie; auch der unterschiedliche Umgang mit instutitionellen Fondstranchen, die wir nicht in der Publikumsfondsstatistik erfassen, kann zu Abweichungen zu den endgültigen Fondsstatistiken der Fondsindustrie führen.

Über den Autor

Morningstar Europe Editor  .