Die Highlights der Indexwoche: ETF Times

Unsere Kolumne zu börsengehandelten Indexprodukten für die Woche 30. Januar bis 3. Februar 2012.

Gordon Rose 03.02.2012

Willkommen zu unserer neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz fassen wir die Highlights der Märkte zusammen. Wir stellen die Gewinner und Verlierer der Woche unter den in Europa gelisteten ETPs vor und geben einen Überblick über die neugelisteten Produkte in Europa.

Marktbericht

Für die meisten Märkte standen hinter dem Januar dicke Pluszeichen. Japan verzeichnete den besten Januar seit über zehn Jahren. Die US-Börsen haben den besten Jahresstart sei 15 Jahren registriert. Grund zur Freude waren die besseren Aussichten der US-Konjunktur, wohin gegen die Eurokrise bereits eingepreist ist. Am Freitag konnten erfreuliche Arbeitsmarktdaten aus den US den DAX zu neuen Höhenflügen verhelfen. Die Anzahl der Beschäftigten außerhalb des Agrarsektors stieg um 243.000 – das größte Plus seit April 2011. Marktteilnehmer erwarteten hingegen nur einen Anstieg von 150.000. Die Arbeitslosenquote sank von 8,5% auf 8,3% und ist damit auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Große Überraschungen vom EU-Gipfel Anfang der Woche gab es nicht. Am Montag einigte man sich auf einen strengen Fiskalpakt. Außerdem haben sich die Länder auf den vorzeitigen Start des Rettungsschirm ESM im Juli dieses Jahres geeinigt, was etwas Ruhe in den Markt brachte. Die Hoffnung auf eine Einigung im Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen unterstütze Mitte der Woche zudem einige Finanztitel.

Wie bereits in den letzten Tagen erwartet, ist die Mega-Fusion zwischen der Deutschen Börse und der NYSE am Veto der EU-Kommission gescheitert.

In Deutschland kletterte der Einkaufsmanagerindex im Januar um 2,6 auf 51,0 Punkte und ist damit wieder über der Wachstumsschwelle von 50. Für den Euroraum stieg der Index lediglich um 1,9 Punkte auf 48,8 Zähler.

Auch in Großbritannien stieg der Einkaufsmanagerindex mit 52,1 Zählern über die Wachstumsschwelle, erwartet wurden lediglich 49,5 Punkte.

Außerdem gab es eine Reihe an Anleihenauktionen im Euroraum, insbesondere von den „Krisenstaaten“. Italien konnte erfolgreich Staatsanleihen auf dem Markt platzieren und sorgte somit zu Wochenbeginn für ein Aufleben an den Märkten. Die italienische Regierung konnte insgesamt 7,5 Milliarden Euro mit einer Rendite von 6,08% einsammeln und lag damit 1 Prozentpunkt unter der Rendite der letzten Auktion. Portugal konnte Anleihen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro mit einer Rendite von 4,463% veräußern. Das Zinsniveau lag zwar unter der Rendite vom Januar, jedoch ging auch die Nachfrage insgesamt zurück. Auch Spanien reihte sich diese Woche in die Länder erfolgreicher Anleihenauktionen ein. Das hochverschuldete Land konnte insgesamt 4,56 Milliarden Euro zu teilweise deutlich günstigeren Konditionen einsammeln. Mit 1,63 – 3,75-facher Überzeichnung erfreute sich die Auktion reger Nachfrage. Aber auch Frankreich war mit einer Anleihenauktion im Wert von knapp 8 Milliarden Euro zu günstigeren Konditionen als bisher in den vergangenen Monaten erfolgreich.

Ungeachtet der guten Arbeitsmarktdaten stagniert der Konsum: In den USA stagnierten die Konsumausgaben im Dezember, nachdem ein leichter Anstieg von 0,1% erwartet worden war. Das Verbrauchervertrauen in den USA sank im Januar hingegen von 64,8 auf 61,1 Zähler, erwartet wurden 68,0 Punkte. Der Binnenkonsum ist ein sehr wichtiger Faktor in der US-Wirtschaft, da dieser ca. 2/3 des BIP ausmacht. Auch der Immobilienmarkt zeigt sich von seiner schlechteren Seite. Die Preise für Einfamilienhäuser in Ballungsräumen sind im November stärker gefallen als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex in den USA stieg hingegen auf 54,1 Punkte und erreichte damit das Niveau von Juli letzten Jahres. Laut ADP-Arbeitsmarktdaten konnte die Wirtschaft im Januar 170.000 Stellen schaffen, erwartet wurden jedoch 185.000 neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig ging die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 12.000 auf 367.000 letzte Woche zurück, erwartet wurde ein Rückgang auf lediglich 370.000.

Auch China vermeldete Mitte der Woche erfreuliche Konjunkturdaten. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Januar um 0,2 auf 50,5 Punkte, erwartet wurde ein Rückgang auf 49,5 Zähler.

In Ägypten brachen die Börsenkurse nach Krawallen in einem Fußballstadion mit 74 Toten ein. Es wird vereinzelt die Vermutung geäußert, dass Anhänger des gestürzten Ex-Präsidenten Mubarak hinter den Krawallen stecken. Mittlerweile breiten sich die Unruhen Landesweit aus. 

ETP Markt

Anfang der Woche wurde der lang erwartete Bericht von ESMA zum Thema ETFs und UCITs veröffentlicht über den wir bereits hier berichtet hatten. Generell blieb der große regulatorische Schock, den viele erwartet hatten, aus. Insbesondere hat die ESMA nicht empfohlen, zwischen komplexen und nicht-komplexen ETFs zu unterscheiden. Dies hätte Auswirkungen auf alle OGAW-Fonds gehabt und nicht nur ETFs. Insgesamt werde viele der vorgeschlagenen Leitlinien bereits von der ETF-Industrie umgesetzt. Wir sehen es als positiv, dass die ESMA strengere Regeln für die Wertpapierleihe vorschlägt und empfiehlt, dass 100% der Einnahmen an den Fonds gehen, um Investoren vollständig für das Kontrahentenrisiko zu kompensieren. In Bezug auf die Kennzeichnung der Produkte glauben wir, dass die ESMA hätte weiter gehen können. Insbesondere hält ESMA eine Kennung im Produktnamen, der eindeutig zwischen synthetischen und physischen Produkten unterscheidet, für nicht wichtig, auch wenn einige Anbieter diese Unterscheidung im Namen bereits vornehmen. Anleger fragen häufig nach, wie sie auf einen Blick die verwendete Replikationsmethode identifizieren können. Weitere umfassende Richtlinien zur Kennzeichnung wären aus unserer Sicht wünschenswert gewesen.

Außerdem wurde diese Woche bekannt, dass Lyxor-CEO Laurent Seyer den französischen ETF-Anbieter verlässt und zukünftig bei Axa Investment Management als Global Head of Investment Solutions sein Geld verdienen wird. Nachfolger von Herr Seyer soll Ines de Dinechin werden. Frau Dinechin ist derzeit zuständig für die Personalabteilung von Société Générale Corporate and Investment Banking.

Die spanische Finanzaufsichtsbehörde CNMV hat den Handel von zwei ETFs von BBVA suspendiert, nachdem der ETF-Anbieter entschieden hat, diese zu liquidieren. Damit hat der spanische Anbieter in den letzten sechs Monaten über sieben seiner Produkte vom Markt genommen. Die Bank gab an, sich in Zukunft nur noch für ETFs zu interessieren, die auch genügend Nachfrage generieren. ETFs werden in Spanien steuerlich ungünstiger als Fonds behandelt, was natürlich das Wachstum stark einschränkt.

Gewinner – Verlierer der Woche

Die Gewinner der Woche sind griechische und vor allem türkische Aktien. Griechenland konnte von aufkeimender Hoffnung einer baldigen Lösung des Schuldenschnitts profitieren. Die türkische Lira erreichte ein Zweimonatshoch gegenüber dem US-Dollar und der Rückgang des Außenhandelsdefizit, das bis dato vielen Investoren von einer Anlage in der Türkei abgehalten hat, ging zudem zurück.

Bei den Verlieren finden wir diese Woche einmal mehr Energiewerte, die unter einem relative milden Winter leiden. Wenn ich mir aber den Wetterbericht und das Thermostat anschaue, könnte sich das bald ändern.

ETP Markt – Neuemissionen

Auch diese Woche gaben sie die ETF-Anbieter recht fleißig. SPDR brachte ihren SPDR S&P 400 US Mid Cap ETF an die Deutsche Börse. Anleger erhalten hierdurch Zugriff auf die Wertenwicklung des S&P MidCap 400 Index welcher sich aus 400 mittelgroßen Unternehmen mit Sitz in den USA zusammensetzt. Der Index repräsentiert ca. 7% des amerikanischen Markets, gemessen an der Marktkapitalisierung.

UBS hat zudem zwei ETFs mit demselben Referenzwert an der Deutschen Börse gelistet. Der UBS ETF MSCI USA Infrastucture (USD) I richtet sich an institutionelle Anleger, die Anlageklasse A an Privatinvestoren. Der Referenzindex bietet Zugriff auf die Wertentwicklung von amerikanischen Unternehmen aus dem Infrastruktur-Sektor.

db X-trackers hat sechs ETFs an der Borsa Italiana quergelistet. Alle Produkte sind ETFs auf Anleihenindizes und bilden teilweise die inverse oder gehebelte Wertentwicklung des jeweiligen Referenzwertes ab.

 

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.