Kommentar: Aktive Manager für die Dividenenstrategie!

Für Morningstar-Fondsanalyst Simon Nöth sind Dividenden-ETFs nicht nur verzichtbar, sondern gefährlich.

Simon Nöth 28.03.2012

Entgegen vieler Vorurteile lohnt sich aktives Fondsmanagement in vielen Anlage-Segmenten. Gute Fondsmanager sind in der Lage, Mehrwert für Anleger zu schaffen und haben das auch über längere Zeiträume bewiesen. Sie zu finden, stellt allerdings eine Herausforderung dar. Das aufwändige Research führt immer mehr Anleger hin zu ETFs, die einen günstigen Zugang zum Kapitalmarkt ohne Anspruch auf Überrenditen versprechen. Doch es gibt gute Nachrichten: Nach einem guten aktiven Managern zu suchen, lohnt sich bei einem Anlagesegment auf jeden Fall: bei Dividendenstrategien. Um es auf den einfachen Nenner zu bringen: Aktives Management ist bei Dividendenstrategien nicht nur sinnvoll, sondern absolut notwendig. Denn es sind tiefe Einblicke in die Bilanz von Unternehmen nötig, um die Spreu vom Weizen zu trennen. ETFs können das nicht in dem Maße leisten. Deshalb kann es sogar fahrlässig sein, in Dividenden-ETFs zu investieren. Warum?

Dividenden-ETFs basieren auf statischen Konzepten. Vereinfacht gesagt bilden sie die Story ab, die bereits gelaufen ist. Das kann sie übermäßig riskant machen, weil das Enttäuschungspotenzial bei den Highflyern von gestern groß ist. Im Jahr 2008 bestanden Dividenden-Indizes beispielsweise zu großen Teilen aus Finanztiteln. Entsprechend tief war der Absturz 2008 und Anfang 2009. Doch es kam für Anleger noch schlimmer. Als Folge der existenzbedrohlichen Krise haben viele Banken ihre Dividenden im Laufe der Finanzkrise zusammengestrichen. Die Aktien wurden danach aus den Dividenden-Indizes und entsprechend auch aus den ETFs entfernt. Die zweite unangenehme Folge für Investoren in Dividenden-ETFs: Sie profitierten nicht von der rasanten Aufholjagd der Finanztitel im Verlauf des Jahres 2009.

Im Gegensatz dazu haben einige Manager aktiv verwalteter Dividendenfonds rechtzeitig erkannt, dass die hohen Dividenden der Banken nicht nachhaltig sein konnten und sind entsprechend frühzeitig ausgestiegen.

Doch auf Dividendenfonds statt -ETFs zu setzen, ist nicht nur ein Gebot des Risikomanagements, sondern auch eine Frage der Chancenwahrnehmung. Bedenken Sie, dass Anleger nicht nur von hohen Ausschüttung heute, sondern auch von der Aussicht auf höhere Dividenden profitieren können. Aktien, die ihre Ausschüttungen erhöhen werden, besitzen überproportional hohe Kurschancen, da nicht alle Marktteilnehmer (ETFs!) das heute erkennen. Gute aktive Fondsmanager werden das antizipieren. Beispielhaft für Dividenden-Stars von morgen sind einige US-Technologiekonzerne, deren Cashflow-starke Geschäftsmodelle zukünftig überproportionales Dividendenpotential bieten. Derartiges Kurssteigerungspotenzial können aktive Fondsmanager frühzeitig ausschöpfen. ETFs nicht.

Übrigens: Das Dilemma von Dividenden-ETFs wird auch nicht durch „intelligentere“ Algorithmen und „ETFs 2.0“ oder „ETFs 3.0“ behoben. Das Grunddilemma der Vergangenheitsorientierung bleibt bestehen. Auch 2011 gab es einige Aktien, die zwar eine hohe Dividendenrendite auswiesen, deren Kursentwicklung aber insgesamt eher enttäuschend war. Wer im vergangenen Jahr auf Titel wie die spanische Telefonica setzte, war in eine der schwächsten Aktien im europäischen Telekomsektor investiert. Und wer will seine Hand dafür ins Feuer legen, dass die Deutsche Telekom angesichts der stagnierenden Gewinnentwicklung nicht in Zukunft ihre Dividende kürzen wird? Nebenbei bemerkt: In ETFs schlummern Risiken, die für Anleger glücklicherweise nicht immer akut werden. Aber das beruht auf Zufall. Wenn beispielsweise die Immobilienmärkte in diesem Jahr wegen der besser als erwarteten konjunkturellen Lage nicht aus der Spur fliegen, könnte das die Dividenden von vielen Immobilien-Aktien (Reits) retten, die – Sie erahnen es –zumindest in einigen Dividenden-ETFs prominent vertreten sind. Aber auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn!

Zusammengefasst: Passiv in Dividenden-Strategien zu investieren, kann gefährlich sein und lässt Chancen aus. Für Langfristinvestoren kommt es nicht auf die Dividendenhöhe von heute an, sondern auch auf die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen. Der Weg zu solchen Aktien führt über fundamentales Research!

Über den Autor

Simon Nöth  ist Fondsanalyst bei Mornigstar