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Kommentar: Anleger sollten Dividenden-ETFs nicht abhaken

Hortense Bioy, ETF-Analystin bei Morningstar, warnt vor Manager-Risiken bei aktiv verwalteten Dividendenfonds.

Hortense Bioy, 28.03.2012

Angesichts der niedrigen Zinsen gewinnen Dividenden für Anleger zunehmend an Bedeutung. Dividenden zählen langfristig zu den wenigen Konstanten in der Investmentwelt. Untersuchungen haben wiederholt gezeigt, dass Dividenden langfristig mindestens ein Drittel der gesamten Aktienrenditen ausmachen. Angesichts der gestiegenen Bedeutung von Income-Strategien haben ETF-Anbieter in Europa entsprechende Indexprodukte auf den Markt gebracht. Heute zählen wir europaweit 27 Dividenden-ETFs, von denen alleine 5 in den vergangenen 6 Monaten auf den Markt gekommen sind. Auch wenn ihnen gemein ist, dass sie einen Zugang zu liquiden und diversifizierten Märkten bieten, unterscheiden sich viele der Strategien voneinander. Das zu beachten, ist wichtig.

Die Dividenden-ETFs der ersten Stunde zeichneten sich dadurch aus, Aktien nicht nach ihrer Marktkapitalisierung, sondern nach der höchsten Dividendenrendite zu gewichteten. Diese Vorgehensweise hat sich als nachteilig für Investoren erwiesen. Denn die höchsten Dividendenrenditen weisen häufig solche Unternehmen aus, die zuvor besonders hohe Kursverluste hinnehmen mussten. Doch ein tief gefallener Aktienkurs kann auf Probleme im Unternehmen hindeuten. Diese scheinbar großzügigen Unternehmen könnten also in naher Zukunft die Dividende kürzen oder ganz streichen. Die Finanzkrise 2008/09 liefert ein gutes Beispiel für dieses Risiko. Die traditionell spendierfreudigen Banken mussten ihre Dividenden deutlich reduzieren – was die Abwärtsbewegung der Aktienkurse noch verstärkte und auch viele Dividenden-ETFs in Mitleidenschaft zog.

Sollten Investoren angesichts der negativen Erfahrungen mit passiven Dividendenprodukten nur auf aktiv verwaltete Fonds setzen? Dagegen spricht die bisherige Erfahrungen mit aktiv verwalteten Fonds. Aktive Manager schaffen es mehrheitlich nicht, über lange Zeiträume adäquate Benchmarks zu übertreffen. Um beim Beispiel des Jahres 2008 zu bleiben: Viele aktiven Dividenden-Manager sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen und haben in die seinerzeit hochrentierliche Bankaktien investiert. Auch für Dividenden-Investments gilt die Faustregel: Prognosen über die Zukunft sind nicht trivial. Entsprechend oft liegen aktive Fondsmanager, die prognosebasiert arbeiten, daneben. Dividenden-ETFs bleiben also eine Option!

Was spricht für Dividenden-ETFs heute? Neben dem nach wie vor validen Argument der niedrigen Kosten macht eine neue Generationen von Dividenden-ETFs von sich reden. Investoren sollten sich ETFs näher ansehen, die sich nicht nur an der Höhe der Dividenden (der Vergangenheit) orientieren. Die STOXX Dividend-Indizes beispielsweise enthalten nur Unternehmen, die in den vergangenen 5 Jahren ihre Dividende nicht gesenkt haben und die gleichzeitig nicht mehr als 60% ihres Gewinns ausschütten.

Der qualitative Filter der neuen Serie der State-Street-ETFs „SPDR Dividend Aristocrats“ ist ebenfalls sehr ausgefeilt. Auch hier geht es um Unternehmen, die in den vergangenen Jahren eine konstante Dividendenpolitik gefahren haben. Voraussetzung für eine Aufnahme in den S&P Euro High Yield Dividend Aristocrats Index sind konstante oder steigende Dividenden in den vergangenen 10 Jahren. Sein US-Pendant, der „S&P US High Yield Dividend Aristocrats“ macht sogar eine konstante Dividendenpolitik in den vergangenen 25 Jahren zur Voraussetzung. Ein Komitee überwacht den Index und veranlasst gegebenenfalls Adjustierungen. Neben der üblichen quartalsregelmäßigen Neugewichtung tritt das Indexkommitee auf den Plan, wenn ein Unternehmen zwischen den Überwachungsterminen die Index-Kriterien nicht länger erfüllt. Die Experten können den Wert entfernen, haben aber auch die Möglichkeit, den Wert im Index zu belassen, wenn er absehbar nur temporär die Indexkritierien nicht erfüllt.

Diese Beispiele zeigen, dass die Welt der ETFs Fortschritte gemacht hat. Die Konzepte der Zukunft versprechen ausgefeiltere Indexkonstruktionen, die die Nachteile der ETFs der ersten Stunde vermeiden.