Zum Selbstverständnis der ETF-Branche gehört es, Investoren einen günstigen Zugang zu diversen Risikoquellen anzubieten, damit sie entsprechende Risikoprämien vereinnahmen. Die ausgewiesenen Kosten sind bei den Indexprodukten im Vergleich zu denen aktiv verwalteter Fonds in der Tat günstig. Während bei aktiv verwalteten Aktienfonds im Durchschnitt zuletzt Gesamtkostenquoten (TER, steht für Total Expense Ratio) von 1,81% jährlich angefallen sind, lagen die Kosten bei Aktien-ETFs 2011 im Schnitt bei 0,46% jährlich.
Doch das ist nur ein Teil des Bildes. Bei ETFs kommen Handelskosten hinzu, die im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen von aktiven Fonds sehr stark schwanken können, was für die meisten Anleger weitgehend unbekannt ist. Insofern gibt die Gesamtkostenquote TER nicht das gesamte Bild der Kosten eines ETFs wider. (Lesen Sie hier mehr zum Thema "Kosten für ETF-Anleger").
Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel entsteht (Lesen Sie hier mehr zu Handelsspannen bei ETFs). Um Anlegern ein besseres Bild über die Zusatzkosten von ETFs zu geben, liefern wir Ihnen in lockerer Folge Überblicke über die Handelskosten von ausgewählten Produktkategorien. Wie wir vorgehen: Wir prüfen den durchschnittlichen Spread, der in der abgelaufenen Woche in ETFs einer ausgewählten Morningstar-Kategorie angefallen ist. Wir entscheiden uns dabei für den Börsenplatz in Europa mit den günstigsten Werten.
In dieser Woche haben wir uns Aktien-ETFs für nordamerikanischen Standardwerte vorgenommen. Erfasst wurde der Durchschnitt der Handelsspannen an den 4 Handelstagen 23. bis 26. April. Ausgewertet wurden die Kosten von 38 Produkten am europäischen ETF-Markt.
Nordamerika-ETFs im Fokus: Spreads versus Mangement-Gebühren
Die ETFs sind in der unteren Tabelle nach den niedrigsten Handelsspannen sortiert. Diese entscheidende Information finden Sie in der grün markierten Spalte (zweite von rechts) unter der Überschrift „4-Tages-Durchschnitt“. Hintergrund: Wir wollten Tagesausreißer vermeiden und haben deshalb bei der Spread-Berechnung den Durchschnitt der zuletzt verfügbaren Handelsdaten verwendet. An jedem Tag werden dafür tausende von Datenpunkten gesammelt. Daraus wird ein Tagesdurchschnitt gebildet. Die Information, an welcher Börse die besten Werte berechnet wurden, finden Sie weiter links. Um zu verdeutlichen, wie wichtig es für Investoren ist, die Handelsspannen als Kostenfaktor in Rechnung zu stellen, haben wir auch die Gesamtkostenquote der jeweiligen ETFs in der äußersten Spalte rechts aufgeführt. Oft genug zeigt sich, dass es für Anleger günstiger sein kann, auf die Handelskosten zu achten als auf die jährlich anfallende TER. Denn mit jedem Kauf oder Verkauf fallen Handelskosten an - die TER ist dagegen eine jährliche Kostenposition.
Unsere Tabelle zeigt im Großen und Ganzen ein stimmiges Bild. Die großen ETFs haben die günstigsten Handelskosten. Der günstigste ETF mit Blick auf die Handelskosten war in der vergangenen Handelswoche der Platzhirsch unter den Anbietern von Nordamerika-ETFs, iShares. Der irische iShares S&P 500, wies an der NYSE in Amsterdam einen kaum messbaren Spread und somit so gut wie keine Handelskosten auf. Der deutsche S&P-500-ETF von iShares zählte auf Xetra mit 0,01% an Handelsgebühren ebenfalls zu den günstigsten Produkten. Der iShares S&P 500 ist mit gut 7,7 Milliarden Euro der mit Abstand größte ETF auf US-Aktien europaweit.
Tabelle: Bei Nordamerika-ETFs hat ein iShares-ETF hat den engsten Spread

Mit einem Spread von jeweils 0,1% zählen Produkte von db-X-trackers und Lyxor ebenfalls zu den günstigsten 4 USA-Aktien-ETFs am Markt. Dass 2 der 4 günstigsten ETFs im Handel voll replizierende Produkte sind, ist angesichts der Größe des Index bemerkenswert. Und dennoch schneiden ETFs, die den US-Standardindex mit Swaps abbilden, kostenseitig besser ab. Das zeigt ein Blick auf die jährliche Verwaltungsgebühr, die bei iShares mit 40 Basispunkten doppelt so hoch ausfällt wie bei den Produkten von db X-trackers und Lyxor. Bei Buy-and-hold-Investoren, also Anlegern, die diesen Index strategisch-langfristig halten wollen, lohnt sich also in erster Linie der Blick auf die Gesamtkosten-Quote, die ansonsten bei ETFs nicht die entscheidende Größe sein muss. In diesem Zusammenhang könnten auch die Produkte von HSBC (Platz 5), Amundi (Platz 6) und die UBS (Platz 22) interessant sein, die sehr günstige TERs für S&P 500-ETFs aufweisen.
Je weiter nach unten man sich in der Tabelle bewegt, desto teurer werden die Handelskosten, wobei signifikante höhere Kosten gegenüber den günstigsten Produkten im Handel erst in etwa ab Rang 15 anfallen.
Systematisch teurer sind die Produkte, die auch eine Währungsabsicherung betreiben. Der db x-trackers S&P 500 Euro Hedged TR auf Platz 17 kostet mit einem Spread von 7 Basispunkten 7 mal so viel wie das nichtwährungsgesicherte Schwesterprodukt. Ähnlich sieht es beim gehedgten iShares-ETF auf Rang 21 aus.
Und wer hat bei den unterschiedlichen Indizes die Nase vorn? Hier ist das Urteil ein salomonisches: Unterschiedliche Provider haben Vorteile bei unterschiedlichen Indizes. Während iShares am besten beim S&P 500 abschneidet, hat db x-trackers beim MSCI USA die Nase vor, derweil Lyxor beim DJ Industrial Average punktet.
Interessant ist allerdings, dass sich Anleger möglicherweise nicht immer an den Handelskosten orientieren. Der Source S&P 500 ETF war zumindest in der abgelaufenen Handelswoche mit einem Spread von 37 Basispunkten der teuerste von allen USA-ETFs im Handel. Blickt man auf die Absatzzahlen fällt auf, dass der Source-ETF das am stärksten nachgefragte Indexprodukt für US-Standardwerte in diesem Jahr gewesen ist. Der Source S&P 500 ETF konnte im ersten Quartal 2012 laut Morningstar-Daten netto 115 Millionen Euro europaweit einsammeln - deutlich mehr als die meisten Konkurrenzprodukte.








