Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Licht, Schatten und viel Griechenland

Die wichtigsten Konjunkturdaten im Markroüberblick der Woche.

Lee Davidson 11.05.2012

Die Nachrichten von der Konjunturfront waren in dieser Woche gemischt - aber den meisten Marktakteuren dürfte nicht der Sinn nach Differenzierung gestanden haben: Über dem Geschehen an den Märkten hing wie ein Damoklesschwert die Eurokrise, vor allem aber die Frage, ob die griechische Tragödie ein Ende finden könnte. Mit dem Ausscheiden Griechelands aus der Eurozone. Werden weitere Hilfen für Athen zurückgehalten, wie die Bundesregierung jüngst drohte, wäre ein Zahlungsausfall und damit auch das Ende der Euromitgliedschaft Griechenlands besiegelt. Wir wollen dennoch ein Blick auf die aktuellen Konjunkturdaten werfen. 

Anstieg der deutschen Industrieproduktion und Neuaufträge

Die Produktion in der deutschen Industrie ist im März deutlich gestiegen. Mit einem Plus im Jahresvergleich von 1,6% lag die Industrieproduktion deutlich über den Erwartungen der Volkswirte, die mit einem Rückgang um 1,2% gerechnet hatten. Im Vergleich zum Vormonat machte sich vor allem der starke Anstieg der Bautätigkeit in Deutschland um 30,7% bemerkbar, dieser Bereich hatte im Februar noch ein Minus von 16,9% ausgewiesen. Zudem erhöhte sich der Auftragseingang im März im Vergleich zum Vormonat um 2,2%. Hier hatten die Experten ein nur moderates Plus von 0,5% prognostiziert. Der Anstieg beim Auftragseingang ist ein Zeichen für die zunehmende Nachfrage nach deutschen Industriegütern und ist üblicherweise ein Frühindikator für das gesamte Ausgabenverhalten in der Volkswirtschaft.  

Volkswirte werten die Daten als Anzeichen dafür, dass Deutschland eine technische Rezession – definiert als zwei Quartale mit negativem BIP-Wachstum – abwehren kann. Im vierten Quartal 2011 war noch ein leichter Rückgang verzeichnet worden. Dennoch scheinen die jüngsten PMI-Daten darauf hinzudeuten, dass sich die deutsche Konjunktur abkühlt, vor allem mit Blick auf den privaten Sektor, wo die Aktivität der Umfrage zufolge im April stark zurückgegangen ist. Aktuell notiert der aggregierte Gesamtindex für Deutschland mit 50,5 Punkten auf dem tiefsten Stand seit fünf Monaten, zeigt aber eine leichte Expansion an. Allerdings tendierte der Indikator zuletzt abwärts.

Industrieproduktion in Eurozone und Großbritannien rückläufig

Im starken Kontrast zu den Zahlen der deutschen Industrie stehen die jüngsten Daten aus den anderen großen Ländern Europas, wo das Verarbeitende Gewerbe zuletzt Rückgänge verbuchen musste. In Frankreich sank die Industrieproduktion im März im Vergleich zu Februar um 0,9% und beendete damit den jüngsten Wachstumstrend. Die meisten Experten hatten nicht mit einem so deutlichen Minus gerechnet. In Italien ging es für den Sektor weiter steil abwärts: Im März fiel die Industrieproduktion um 5,8% nach einem bereits starken Rückgang von 6,8% im Februar. In Großbritannien wurde für März ein Minus von 0,3% im Vergleich zum Vormonat ausgewiesen.

Durch den Rückgang der Industrieproduktion in der Eurozone und in Großbritannien wurde der Ruf nach höheren Investitionen in den schwächeren Euro-Mitgliedsländern wieder lauter, vor allem angesichts der tendenziell weiter steigenden Arbeitslosigkeit. Einige Volkswirte haben vorgeschlagen, dass bereits bestehende Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) diese Aufgabe übernehmen sollen. Um die negativen Folgen der politischen Sparprogramme zu bekämpfen, solle die EIB ihre Kreditvergabe an kleine und mittelgroße Unternehmen deutlich aufstocken, damit Arbeitsplätze geschaffen werden.  

Weniger Anträge auf US-Arbeitslosenhilfe

Den vom US Bureau of Labour Statistics veröffentlichten Daten zufolge sank die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 5. Mai um 1.000 auf 367.000. Die Zahl der Anträge lag damit in der Summe unter den prognostizierten 370.000. Im 4-Wochen-Schnitt, eine Zahl, die von Volkswirten als aussagekräftigerer Maßstab für die Trends am Arbeitsmarkt erachtet wird, weil sich Ausreißer nicht so deutlich bemerkbar machen, fiel die Zahl der Anträge um 5.250 auf 379.000 und somit unter das zuletzt erreichte Rekordniveau. Liegt die Zahl der Anträge nachhaltig unter 400.000, wird das als Zeichen für die Schaffung von Arbeitsplätzen gedeutet.

Der Rückgang der Anträge auf Arbeitslosenhilfe geht einher mit der Ankündigung des US-Arbeitsministeriums, dass im März mehr Stellen ausgeschrieben wurden. Zudem stieg die Zahl derjenigen, die im März freiwillig gekündigt haben, deutlich – ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Stimmung am US-Arbeitsmarkt bessern könnte.

Über den Autor

Lee Davidson  is an ETF analyst with Morningstar Europe.