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EZB-Präsident Draghi erweist sich als Retter in der Not

Kurzfristig könnten Anleihekäufe der EZB die Renditen spanischer Anleihen in Schach halten.

Dave Sekera 01.08.2012
Die Renditen spanischer Staatsanleihen waren Anfang vergangener Woche stark gestiegen und hatten neue Hochs markiert. Doch just in dem Moment, als es aussah als gerate die Situation außer Kontrolle, tauchte EZB-Präsident Mario Draghi als Retter in der Not auf: Am Donnerstag ließ er sich mit den Worten zitieren, dass die EZB sehr wohl zuständig sei, wenn hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Wirkung der Geldpolitik entgegenstünden. An den Finanzmärkten wurden diese Äußerungen so interpretiert, dass die EZB in den Markt eingreifen und über ihr Anleiheankaufprogramm spanische Staatsanleihen ankaufen würde. Sofort begannen die Anleihehändler selbst, die Staatsanleihen des angeschlagenen Landes zu kaufen, um der Notenbank zuvorzukommen. Die Rendite von spanischen Titeln mit zweijähriger Laufzeit sank daraufhin auf 5,30%, nachdem Mitte der Woche noch 6,64% erreicht worden waren. Die zehnjährigen Staatsanleihen Spaniens rentierten mit 6,74% nach 7,62%.

Die EZB trifft sich an diesem Donnerstag zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung. Nach diesen Äußerungen in der Öffentlichkeit hat Draghi seinen Standpunkt klargemacht. Die EZB muss ihr Anleihekaufprogramm fortsetzen, wenn sie nicht die Marktteilnehmer vor den Kopf stoßen will. Die Renditen der spanischen Staatsanleihen dürften sonst auf neue Höchstmarken schießen.
Bei der Vorbereitung ihrer Maßnahmen muss die EZB mehrere wichtige Punkte abwägen. Etwa, wie viel Geld sie für die Käufe auszugeben bereit ist, und über welchen Zeitraum hinweg sie Bonds kaufen will. Es besteht auch die Gefahr, dass unter den Investoren die Befürchtung aufkommt, dass die EZB-Maßnahmen ihnen schaden. Denn als Griechenland umschuldete, wurde die meisten Anleihen in den Händen der privaten Gläubiger abgewertet, nicht aber das Gros der Anleihen im Bestand der EZB. Damit ging der Schuldenschnitt letztlich vor allem zu Lasten der Privatgläubiger. Sollten die Käufe der spanischen Staatsanleihen zu umfangreich werden, könnten sich daher große Investoren dazu entschließen, die Käufe der EZB zum Ausstieg zu nutzen. Das wiederum würde den Anteil erhöhen, den die verbleibenden Gläubiger schultern müssen (und damit die Chancen auf eine Erholung bei einer Restrukturierung der Anleihen schmälern). Es wäre aber auch denkbar, dass die Renditen wieder steigen, wenn die EZB nicht die nötige Kraft und das nötige Durchhaltevermögen hat, um ausreichend Anleihen einzusammeln, wenn ihr viele Verkäufer gegenüberstehen.

Leider scheinen der EZB, abgesehen von den Anleihekäufen auf dem Sekundärmarkt, die Hände gebunden. Den Notenbankern ist es untersagt, Regierungen direkt zu finanzieren, und bis der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) in Deutschland ratifiziert wird, können noch Monate vergehen - ganz abgesehen davon, dass die Gefahr besteht, dass das Bundesverfassungsgericht den ESM für gesetzeswidrig erachtet. Wir sind nicht sicher, welche Asse die Politiker der Eurozone dann noch in ihrem Ärmel haben. Zudem hat Moody's den Ausblick für das „Aaa“-Rating einiger wichtiger EU-Länder, darunter auch Deutschland, auf „negative“ gesetzt. Das war ein Weckruf für viele deutsche Politiker und die Bevölkerung, denn es führte ihnen vor Augen, welche Kosten die Schuldenkrise für Deutschland mit sich bringt. Würde Deutschlands herabgestuft, könnte es sein, dass Deutschland weitere Hilfsprogramme nicht mehr unterstützt. Unserer Meinung nach könnte sowohl ein Scheitern des ESM als auch ein Downgrade des Länderratings von Deutschland letztlich dazu führen, dass das Land die Eurozone verlässt und wieder zur Deutschen Mark zurückkehrt.

Nachdem die Äußerungen Draghis publik wurden, kursierten Berichte, dass Spanien offiziell um ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 300 Milliarden Euro bitten wird – zusätzlich zu den 100 Milliarden Euro, die Spanien bereits zur Rettung der Banken zugesagt wurden. Sollten hierzu Neuigkeiten bekannt werden, könnte das den Markt wieder verunsichern. Auch Neuverhandlungen zwischen Griechenland und der Troika zählen zu den Nachrichten, die die Stimmung der Marktteilnehmer beeinflussen können.
Kurzfristig könnten Anleihekäufe der EZB die Renditen spanischer Anleihen in Schach halten. Aber es dürfte ein schwieriger Balanceakt werden, wenn man den Markt nicht das Gefühl geben will, dass er übervorteilt wird. Wir denken, dass die Schuldenkrise auch in der nächsten Zeit die Schlagzeilen beherrschen und für unruhige Zeiten sorgen wird - mal mehr, mal weniger. Das wird sich erst ändern, wenn die Verluste im Bankensystem erkannt, benannt und geklärt sind. Im nächsten Schritt müssen die Politiker dann die strukturellen Unterschiede in der Regulierung und in den Arbeitsmärkten der einzelnen Länder der Eurozone angehen.

Doch nicht nur die EZB, auch die amerikanische Notenbank steht unter Zugzwang. Ein Bericht des „Wall Street Journal“ löste am Markt die Erwartung aus, dass die Federal Reserve in dieser Woche eine neue Runde an Konjunkturmaßnahmen verabschieden werde. Für die Marktteilnehmer, mit denen wir gesprochen haben, ist das eine abgemachte Sache. Es sei nur noch unklar, wie groß diese Hilfen ausfallen werden, welche Wertpapiere die Fed kaufen werde und zu welchem Kurs. Doch selbst wenn das Hilfsprogramm die Preise riskanterer Anlageklassen kurzfristig steigen lassen dürfte, scheint sich die Geldpolitik nicht mehr auf die Realwirtschaft auszuwirken. Um dieses Problem zu lösen, erwarten wir, dass die US-Notenbank auf neue Strategien setzen wird. Doch nachdem sich der Markt so stark auf Schritte der Federal Reserve und der EZB eingestellt hat, fürchten wir die Folgen, sollten die Notenbanken keine oder nur kleinere Maßnahmen als erhofft ergreifen. Es bestünde in einem solchen Fall erhebliches Abwärtspotenzial und das Risiko starker Schwankungen.

Unternehmensergebnisse sorgen für Bewegung bei den Einzelwerten
Während sich viele Marktteilnehmer auf die Gerüchte um die Notenbanken konzentrierten, kam die Berichtssaison richtig in Schwung und sorgte bei einigen Einzeltiteln für kräftige Bewegungen. Beispielsweise waren die Anleihen von Sprint (Rating „B+“) nach Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal sehr gefragt. Die Senior Notes des US-Mobilfunkanbieters mit einem Kupon von 6% und Laufzeit bis 2016 legten deutlich zu. Wir haben die Titel auf unserer Empfehlungsliste „Best Ideas“, auch wenn wir das nach der aktuellen Aufwärtsbewegung noch einmal überdenken. Die Anleihen zu halten lohnt sich unserer Meinung nach auch weiterhin, aber möglicherweise ist jetzt nicht mehr der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg. Auch die Anleihen von Telefonica (Rating: „BBB-“) konnten merklich Boden gutmachen, nachdem die Firma einige Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Bilanz unternommen hat, und die Marktteilnehmer wieder spanische Titel kauften. Die Quartalszahlen waren nicht sehr gut ausgefallen, doch setzte Telefonica seine Dividendenzahlung und das Aktienrückkaufprogramm aus. Die Entscheidung, die Gewinnausschüttung ausfallen zu lassen, zeigt unserer Meinung nach, wie ernst es Telefonica ist, seine Schuldenziele zu erreichen.

Auf den anderen Seite weitete sich der Spread bei den Titeln von RadioShack (Rating: UR-) um etwa 300 Basispunkte, nachdem der Elektronik-Einzelhändler einen massiven Rückgang seiner Margen mitteilte und auf operative Ebene in diesem Quartal ein Minus auswies. Wir prüfen derzeit das Emittentenrating auf eine Herabstufung. Zuvor hatten wir die Einschätzung „B-“ vergeben, und lagen damit zwei Stufen unter dem Urteil der Ratingagenturen. Auch bei den Anleihen von Weatherford's (Rating: „BBB-“) kam es zu einer Ausweitung der Spreads um 20 Basispunkte. Zuvor hatte der Erdöl-Ausrüster über sinkende Margen, Steuerprobleme und Abschreibungen berichtet. Die Zahlen zum dritten Quartal dürften der Stärke der Produkte Weatherford's eher gerecht werden. Dennoch stehen wir dem Unternehmen etwas skeptischer gegenüber als die Ratingagenturen und stufen das Kreditrisiko des Konzerns eine Stufe schlechter ein.

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