Die Highlights der Indexwoche: ETF Times

Seitdem die ESMA letzte Woche die endgültigen Richtlinien für ETFs veröffentlichte, sorgt das Thema „Wertpapierleihe“ für viel Diskussionsstoff / Die Morningstar ETF-Kolumne.

Gordon Rose 03.08.2012
Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neugelisteten Indexprodukte.

ETF Markt

Nachdem die ESMA letztes Jahr ihr Diskussionspapier zu den Richtlinien für Exchange-Traded Funds veröffentlicht hatte, startete in der Presse eine wilde Debatte zum Thema Risiken bei synthetischen ETFs. Seitdem die endgültigen Richtlinien letzte Woche erschienen sind, sorgt zudem das Thema „Wertpapierleihe“, insbesondere die Verwendung der Gebühren, für heißen Diskussionsstoff. Allen voran ist Moody’s mit ihren Vermutungen, dass die neuen Regulierungen ETF-Anbieter wie iShares und State Street belasten würden, da nun alle Einnahmen der Wertpapierleihe an den Investor weitergereicht werden müssen. Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass es dabei durchaus Interpretationsspielraum gibt. Zwar müssen alle Gebühren, abzüglich Kosten, an den Investor weitergegeben werden, was aber als Kosten deklariert werden darf/kann, bleibt außen vor. Die Regulierungen führen daher zwar zu mehr Transparenz, was zu begrüßen ist, stellen aber keine Garantie für einen Mehrertrag für die Anleger dar. Aus einigen Diskussionen mit ETF-Anbietern lässt sich sogar schließen, dass sich für den Investor unter dem Strich nicht viel ändern wird. Zukünftig werden nur die Kosten expliziter im Prospekt ausgewiesen, wobei ich davon ausgehe, dass nur wenige Anleger dieses Dokument überhaupt lesen.

Das Edhec Risk Institute vermutet im Gegenzug dazu, dass die neuen Regulierungen die Kosten für ETF-Anleger sogar erhöhen werden, da die Anbieter ihr Geschäftsmodell ändern müssen. Aber jetzt heißt es erst mal abwarten und Tee trinken, da zunächst die verschiedenen nationalen Regulierungsbehörden an der Reihe sind.

Der Index-Anbieter FTSE hat die Studie von Vanguard, über die wir letzte Woche berichtet hatten, wohl nicht gelesen. Jedenfalls wurde diese Woche bekannt, dass der britische Indexanbieter seine Produktpalette um alternative Indizes erweitert. Die insgesamt acht Indizes verfolgen den sogenannten „Minimum-Varianz“-Ansatz. Zielsetzung ist es die Volatilität zu verringern, indem Aktienvolatilität und Korrelation als Grundlagen in einem Optimierungsmodell dienen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Indizes unter realen Bedingungen schlagen; wahrscheinlich schlechter als die Rückrechnung ergeben hat.

Ende letzten Jahres hatten wir von einem möglichen Verkauf von ETF Securities berichtet. Wie diese Woche bekannt wurde, ist dies nun endgültig vom Tisch, was im derzeitig unsicheren Marktumfeld auch nicht sonderlich verwundert. Für €830 Millionen war der Markführer bei ETCs den meisten potentiellen Interessenten wohl zu teuer. Zudem ist ETF Securities stark konzentriert und bietet fast ausschließlich ETCs an. Der Fall Lyxor dient als Paradebeispiel für eine konzentrierte Produktpalette und ihre Folgen. Interessant wird also nun sein, ob ETF Securities seine Marktposition als ETC-Anbieter weiter zu festigen versucht, oder versuchen wird das Angebot besser zu diversifizieren.

Außerdem wurde diese Woche bekannt, dass BlackRock weltweit seinen Vertrieb für iShares ETFs und andere Investmentfonds umstrukturiert. Künftig sollen die Produkte an allen Standorten stärker aus einer Hand vertrieben werden. Der weltweit größte Vermögensverwalter spürt wahrscheinlich die Konkurrenz im Nacken. Wie wir in einer der letzten Kolumnen berichtet haben, verliert iShares zunehmend Marktanteile in den USA an günstigere Anbieter wie Vanguard.

ETF Markt – Neuemissionen

Diese Woche war es auf dem Parkett in Bezug auf Neuemissionen sehr ruhig. Lediglich iShares hat den ersten währungsgesicherten, physisch replizierenden ETF auf japanische Standardwerte für britische Investoren an der London Stock Exchange gelistet. Der iShares MSCI Japan Monthly GBP Hedged ETF bietet Anlegern Zugriff auf über 300 Unternehmen aus Japan mit Fokus auf Industriewerte, Konsumgüter und Finanzunternehmen.



ETF Markt – Gewinner und Verlierer

Auf der Gewinnerseite finden wir diese Woche ein sehr gemischtes Bild und keinen klaren Trend. Die Verliererseite der Woche wird hingegen von Rohstoffen, insbesondere Industriemetallen, dominiert, die weiterhin unter schwachen Konjunkturdaten und einem schlechten Ausblick leiden dürften.
 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.