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Die ersten Herbststürme kündigen sich an

Unternehmensanleihen profitieren aber nach wie vor von den mangelnden Rendite-Alternativen von Investoren. Der Morningstar Bond-Bericht.

Dave Sekera 29.08.2012

In der vergangenen Woche fiel der Markt für Unternehmensanleihen nun doch in das lang erwartete Sommerloch. Das Geschäft sei sehr, sehr ruhig gewesen, berichteten uns Marktteilnehmer. Neuemissionen waren Mangelware, und auch der Handel am Sekundärmarkt verlief schleppend. Die Kreditaufschläge veränderten sich in der Summe kaum, denn Abschläge bei einzelnen Papieren wurden durch die generell herrschende Nachfrage nach Unternehmensanleihen wieder ausgeglichen.

Nach wie vor sind die Aussichten für Unternehmensanleihen gut – auch wenn am Horizont durch die schwächelnde Weltwirtschaft und die Unsicherheit gegenüber Staatsanleihen erste Gewitterwolken aufziehen. Je näher der September rückt, desto mehr kommen die ersten Herbststürme in Sicht. Die US-Staatsanleihen lockten in der vergangenen Woche wieder mehr Investoren an, und die Renditen der 10- und 30-jährigen Papiere fielen um 16 Basispunkte auf 1,66% beziehungsweise 2,77%.

Investoren berichteten in den vergangenen Wochen immer wieder, dass sie viel Cash haben, das sie anlegen müssen. Aber die meisten von ihnen wollen nicht stärker ins Risiko gehen und sind auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Anlagemöglichkeiten. Doch es gibt kaum Neuemissionen. Eine gute Idee scheint es da, bei Titeln zuzugreifen, die Portfolio-Manager anbieten, weil sie ihr Depot aufräumen. Aber seien Sie vorsichtig: Zwar wäre es nur allzu verständlich, wenn  einige dieser Papiere stammen von Unternehmen, bei denen wir von einer Investition abraten.

Tun sie es oder tun sie es nicht?

Am Freitag spricht der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke auf der alljährlichen Notenbankkonferenz in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Experten erwarten, dass er dort weitere Unterstützungsmaßnahmen ankündigen wird, um der Wirtschaft wieder auf die Sprünge zu helfen. In Gesprächen mit zahlreichen Marktteilnehmern haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Ankündigung neuer oder zusätzlicher Hilfen den Märkten kurzfristig einen Schub geben wird.

Die Realwirtschaft wird letztlich aber kaum von solchen Maßnahmen profitieren. Wie einer unserer Kunden sagte: „Der Geldhahn ist schon weit aufgedreht, öffnet man ihn noch weiter, werden die Märkte in Geld ertrinken”.

Schon vor dem Auftritt von Bernanke wird sich zeigen, wie interessiert die Märkte derzeit an neuen Staatsanleihen aus den Peripherieländern der Eurozone sind: Italien bringt am Donnerstag Staatsanleihen mit fünf und zehn Jahren Laufzeit auf den Markt, einige Tage später folgt Spanien. Daneben stehen in den kommenden Tagen wieder zahlreiche Konjunkturdaten auf der Tagesordnung, darunter die deutschen Verbraucherpreise, das US-BIP sowie die Veröffentlichung des als „Beige Book“ bezeichneten Konjunkturberichts der US-Notenbank am Mittwoch. Am Donnerstag werden Daten zu den Ausgaben und Einnahmen der US-Verbraucher publik gemacht, am Freitag der Chicagoer Einkaufsmanagerindex und die Auftragseingänge der amerikanischen Industrie. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass all diese Daten ein rosiges Bild der Weltwirtschaft zeichnen.

Am 12. September werden sich die Blicke der Marktteilnehmer dann nach Karlsruhe auf das Bundesverfassungsgericht richten. Dort wird entschieden, ob der europäische Rettungsschirm ESM verfassungskonform ist. Sollte der ESM nicht planmäßig in Kraft treten, würde das für die Politiker der Eurozone einen großen Rückschlag im Kampf gegen die Haushaltslöcher und der Verschuldung seiner Sorgenkinder bedeuten. Es bleibt abzuwarten, welchen Trumpf die Politiker dann noch in petto haben.

Kommt jedoch kein Störfeuer, dürften die spanischen Banken in den Mittelpunkt rücken. Die Institute nehmen immer größere Kredite von der Europäischen Zentralbank (EZB) auf, da sie von den öffentlichen Märkten de facto abgeschnitten sind. Noch ist unklar, wie die bereits zugesagten Hilfen für den Bankensektor aussehen und ob die spanische Regierung für die Kredite in Höhe von offenbar 60 Milliarden Euro garantieren muss, wodurch die Staatsverschuldung steigen würde.

Das alles sorgt für latente Unsicherheit, ebenso wie das Warten auf das Urteil der Ratingagentur Moody's, die in Kürze ihr Urteil über die Bonität Spaniens verkünden dürfte. Moody's hatte im Juni angekündigt, das Rating „Baa3” auf eine Herabstufung zu überprüfen. Üblicherweise wird eine solche Überprüfung innerhalb von drei Monaten abgeschlossen, so dass in Kürze eine Entscheidung fallen dürfte.
Daneben steht der Bericht der Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) zur Lage Griechenlands aus. Im Vorfeld kursierten wieder Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Viele Marktteilnehmer ließ das allerdings kalt – zu lange schon sorgt das südeuropäische Land für Schlagzeilen.

Letztlich warten die Investoren derzeit ohnehin nur auf eine Antwort auf die Frage: Welche Maßnahmen ergreifen die Notenbanken? Schließlich hatten sowohl die Federal Reserve als auch die EZB erklärt, alles zu tun, um der Lage Herr zu werden. Doch bislang wurden keine konkreten Schritte angekündigt. Während zu möglichen Maßnahmen der US-Notenbank schon in dieser Woche Nachrichten zu erwarten sind, müssen wir auf solche Schlagzeilen von der EZB noch warten. Die nächste Sitzung der EZB findet erst am 6. September statt. Doch schon seit Tagen wird hitzig darüber diskutiert, wie genau die Notenbanker um Mario Draghi den angeschlagenen Ländern der Eurozone helfen wollen.

Zur Debatte steht etwa die Festlegung von Zinsschwellen für die Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder. Die EZB würde Staatsanleihen kaufen, wenn der Spread zu deutschen Bundesanleihen diesen Schwellenwert überschreitet. Die Deutsche Bundesbank steht solchen Plänen allerdings skeptisch gegenüber und geht auf Konfrontationskurs. Der Geldsegen der Zentralbanken „würde anhaltende Begehrlichkeiten wecken“, warnte Bundesbank-Chef Jens Weidmann jüngst in einem Interview. Das löse nicht die grundlegenden Probleme. Man solle „die Gefahr nicht unterschätzen, dass Notenbankfinanzierung süchtig machen kann wie eine Droge.“ Es wird also spannend, welche Maßnahmen die EZB ergreift – und ob das der Eurozone helfen wird.

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