Oft nur halbe Portionen bei Edelmetall-ETFs

Bei Edelmetallkörben bekommen Investoren meist nur Gold und Silber ins Portfolio - und müssen dafür eine hohe Prämie bezahlen. Der wöchentliche ETF-Spread-Bericht. 

Gordon Rose 05.10.2012

ETFs sind günstig - aber eben nur dann, wenn man die Feinheiten im Handel beachtet. Zum Selbstverständnis der ETF-Branche gehört es, Investoren einen günstigen Zugang zu Risikoquellen zu verschaffen. Die ausgewiesenen Kosten sind im Vergleich zu denen aktiv verwalteter Fonds günstig. Während bei Aktienfonds im Schnitt Gesamtkostenquoten (TER) von 1,8 % jährlich anfallen, liegen die Kosten von Aktien-ETFs im Schnitt europaweit bei 0,46%.

Allerdings sind die TERs nur ein Teil des Bildes. Bei ETFs kommen Handelskosten hinzu, die im Gegensatz zum Ausgabeaufschlag von aktiven Fonds je nach Produkt, Zeit und Handelsplatz stark schwanken können. Insofern gibt die TER nicht das gesamte Bild der Kosten eines ETFs wider. Vor allem die Handelskosten eines ETFs können ins Kontor schlagen (lesen Sie hier mehr zum Thema "Kosten für ETF-Anleger").Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel entsteht (Lesen Sie hier, wie die Handelsspannen bei ETFs zustande kommen).

Um Anlegern einen besseren Überblick zu ermöglichen, berichten wir jede Woche über die Handelskosten einer ausgewählten ETF-Kategorie. Dabei prüfen wir den durchschnittlichen Spread, der an den vorangegangenen 30 Handelstagen angefallen ist. Der durchschnittliche Spread an den 30 Tagen setzt sich aus tausenden von Datenpunkten zusammen und bildet das Sortierkriterium unseres wöchentlichen Rankings (grün unterlegtes Feld in der unten stehenden Tabelle). Bei der Auswahl entscheiden wir uns für den Börsenplatz in Europa mit den günstigsten Handelskonditionen.

In den vergangenen Wochen haben wir uns mit Gold- und Silber-Produkten befasst. Diese Woche schließen wir das Kapitel Edelmetalle ab und nehmen uns die Spreads für Indexprodukte auf Edelmetall-Baskets vor. Zu den Edelmetallen gehören neben Gold und Silber auch Platin und Palladium. Wer das Einmaleins der Portfolio-Konstruktion gelernt hat, könnte nun aus Diversifikationsgründen mit einem breit aufgestellten Edelmetallkorb liebäugeln. Anleger sollten allerdings einen zweiten Blick auf die Produkte am Markt werfen. Denn legen sie sich einen derartigen ETC (Exchange Traded Commoditiy) auf Edelmetalle ins Portfolio, nehmen sie meist nur an der Wertentwicklung von Gold und Silber teil. Palladium und Platin bleiben zumeist außen vor. Dies dürfte den einen oder anderen Investor überraschen.

Obwohl Gold und Silber in ETFs und ETCs überwiegend physisch abgebildet werden, bevorzugen ETF-Anbieter bei den kombinierten Edelmetallprodukten zumeist die synthetische Replikation. Den Indizes liegen hier Futures zugrunde, was zur Folge hat, dass die Indexrenditen von den Spot-Preisen abweichen. Mehr zu dieser Thematik können Sie in unserem Artikel „Vorsicht bei Rohstoffen“ nachlesen.

Zudem unterscheidet sich die Gewichtung der einzelnen Edelmetalle von Index zu Index, bzw. von ETC zu ETC. Der S&P GSCI gewichtet etwa die Rohstoffe nach dem  relativen Werte ihrer Produktionsmenge. Bei der Berechnung der Indexgewichtung wird der Durchschnittspreis der letzten fünf Jahre herangezogen.

Im Vergleich dazu ist der Dow Jones-UBS Commodity Index nach der Liquidität eines Futures, seines Handelsvolumens und der Produktionsmenge des Rohstoffs gewichtet. Das hat etwa zur Folge, dass Gold im S&P GSCI mit 87% gewichtet ist, im DJ-UBSCI dagegen nur mit 78%.

Kommen wir nun zur Analyse der Handelskosten. Das Produktangebot auf kombinierte Edelmetalle ist im Vergleich zur Vielfalt an ETFs und ETCs, die die individuellen Edelmetalle abbilden, sehr überschaubar. Ganze 5 Produkte finden sich in unserer Datenbank Morningstar Direct.

Tabelle: Edelmetall-Indexkörbe im Überblick


Wie bei Gold- und Silber-Produkten führt ETFSecurities als Marktführer von Rohstoffprodukten auch hier das Feld an. Unsere Tabelle zeigt, dass in den 30 Handelstagen vom 22. August bis 3. Oktober der ETFS Precious Metals DJ UBSCI ETC den engsten Spread hatte. Der ETC, der den Index synthetisch repliziert, weist eine durchschnittliche Handelsspanne von 35 Basispunkten auf. Der zweitplatzierte ETFS Physical PM Basket ETC wendet indes die physische Replikation an. Er weist einen Spread von 49 Basispunkten auf, hat aber einen wichtigen Vorteil gegenüber dem erstplatzierten Produkt: Er führt als einziger die Spot-Preise von Gold, Silber, Platin und Palladium zusammen. Im Einzelnen wird Gold mit 52%, Silber mit 27%, Platin mit 11.5% und Palladium mit 9.5% gewichtet. Zudem sind die Management-Gebühren des physischen ETCs mit 43 Basispunkten etwas günstiger.

Aufmerksame Leser werden sich an dieser Stelle allerdings erinnern, dass die niedrigsten Handelsspannen bei Goldprodukten bei 7 und bei Silber-ETFs und ETCs bei 15 Basispunkten lagen und somit deutlich günstiger im Handel waren.
Wie bereits bei Gold und Silber gesehen, bietet ETFSecurities auch hier eine währungsgesicherte Version an, die mit 223 Basispunkten mit Abstand den weitesten Spread hat.

Die Produkte der anderen Anbieter Source und iPath haben mit 61 bzw. 174 Basispunkten wesentlich weitere Spreads (sieht man vom währungsgesicherten ETFS-Produkt ab). Beide Konkurrenten bilden den S&P GSCI ab und gewichten dadurch Gold etwas höher als die ETCs von ETFSecurities. Zudem bietet iPath das Produkt als ETN (Exchange-Trade Note) an. Investoren müssen hierbei berücksichtigen, dass ETNs generell börsengehandelte Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen einer Bank sind. Die ETNs von iPath sind keine forderungsbesicherten Wertpapiere. Die zeichnende Bank erklärt sich lediglich damit einverstanden, bei der Fälligkeit des Papiers den Ertrag des Index abzüglich Gebühren zu zahlen. Folglich gehen Investoren dieses Produkts ein Kreditrisiko ein, nämlich die Insolvenz der emittierenden Bank Barclays. Mehr zum Thema ETNs können Sie hier nachlesen. 

Gleichzeitig ist der ETN von iPath auch das teuerste Produkt in Bezug auf die Management-Gebühren.

Abschließend greifen wir die Frage nach dem Mehrwert der dieser Produkte, die zumeist nur Gold und Silber kombinieren, aus dem Blickwinkel der Handelskosten auf. Insgesamt sind Indexprodukte auf die einzelnen Werte, Gold und Silber sowohl mit Blick auf die Spreads als auch auf die Management-Gebühren zumeist  um einiges günstiger. Zudem bilden die Einzelprodukte die Edelmetalle meist physisch ab und meiden daher die Nachteile der Abbildung mittels Terminkontrakten. Für die meisten Investoren ist daher der ETFS Physical PM Basket ETC wohl das sinnvollste Produkt in dieser Kategorie, da dieser am breitesten aufgestellt ist und die Rohstoffe aukch physisch abbildet.

Zum Schluss sollen einige Vorteile der Baskets nicht unerwähnt bleiben: Bei den kombinierten Produkten spart sich der Investor einen oder mehrere Trades und muss deshalb weniger Transaktionskosten tragen. Das Rebalancing der einzelnen Rohstoffe in einem Edelmetallkorb kann auch die steuerlich günstigere Variante sein, wenn der Anleger die Gewichtung der einzelnen Edelmetalle regelmäßig auf den Ursprungswert zurücksetzen will.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.