Vanguard gegen den Rest der Welt

Vanguard wechselt bei 22 Produkten die Benchmark und schafft Spielraum für Preissenkungen. Weitet sich der Preiskampf bei ETFs auch nach Europa aus? Die Morningstar ETF-Kolumne.  

Gordon Rose 05.10.2012

Der Jahreszeit entsprechend muss sich der Index-Anbieter MSCI warm anziehen. Die Investmentbranche kritisiert seit jeher hinter vorgehaltener Hand, dass MSCI sich die Nutzung seines Brands allzu teuer bezahlen lässt. Der ETF-Anbieter Vanguard, bekannt für seine günstigen Gebühren, hat seine Schlüsse daraus gezogen und wechselt bei 22 Produkten die Benchmark. 6 Indexfonds mit einem verwalteten Vermögen von sage und schreibe 170 Milliarden US-Dollar werden künftig von FTSE berechnet. Unter ihnen befindet sich der weltweit größte Schwellenländer-Indexfonds, der Vanguard Emerging Market Stock Index Fund mit einem Volumen von 67 Milliarden Dollar. Für die restlichen 16 Produkte auf amerikanische Aktien holt sich Vanguard das Center of Research in Security Prices (CRSP) der Universität Chicago als Indexrechner ins Boot. Das Gesamtvolumen beträgt insgesamt $367 Milliarden und umfasst auch Vanguards größtes Indexprodukt, Vanguard Total Stock Market Index Fund mit einen verwalteten Vermögen von 197 Milliarden Dollar. Der Indexwechsel von Vanguard ist zugleich der größte seiner Art in der Geschichte.

Damit ist iShares nun der größte Kunde von MSCI. Dieser Umstand sollte dem ETF-Marktführer bei den nächsten Lizenzverhandlungen sicher in die Hände spielen!

Schüttelt Vanguard auch die Fondsbranche durcheinander?

Darüber hinaus könnte der Schritt von Vanguard erst der Anfang eines Preiskampfes hierzulande sein, der in den USA bereits voll im Gange ist. In den vergangenen Wochen haben wir bereits darüber berichtet, dass iShares dort zunehmend Marktanteile an günstigere ETF-Anbieter wie Vanguard verliert. Der „Vanguard-Effekt“ macht indes nicht nur Indexfondsanbietern, sondern vor allem aktiven Asset Managern zu schaffen. So hat Vanguard in den ersten neun Monaten dieses Jahres nach eigenen Angaben mehr Geld von Investoren eingesammelt als in jedem anderen vollen Kalenderjahr seiner 38-jährigen Firmengeschichte.

Das größte US-Fondshaus profitiert dabei seit Jahren davon, dass zunehmend mehr  Investoren passive Strategien aktiven vorziehen. Laut Morningstar-Daten zogen US-Investoren in den fünf Jahren zum 30. Juni 2012 insgesamt 497 Milliarden Dollar aus aktiven Fonds ab; gleichzeitig flossen 117 Milliarden Dollar in Indexfonds und ETFs.

Es bleibt abzuwarten, ob Investoren künftig günstige ETFs bevorzugen, die unbekannte Indizes abbilden, oder ob sie bereit sind, eine Prämie für etablierte Index-Brands wie MSCI zu zahlen. Kurzfristig dürfte es für Vanguard sicher schwierig sein, Privatinvestoren in Europa zu überzeugen. Die Erfolgsaussichten sind in den USA besser. Dort ist Vanguard der größte Fondsanbieter und ist daher weniger von Index-Brands abhängig. In Europa ist Vangaurd dagegen noch ein relativ unbeschriebenes Blatt und würde sich mit einem unbekannten Index-Anbieter schwerer tun. Mit STOXX gibt es aber auch einen anderen großen, bekannten Anbieter in Europa neben FTSE, der nur allzu gerne den Platz von MSCI einnehmen würde. Vielleich fällt ja die Weihnachtsfeier nicht nur bei „Footsie“ üppiger aus als geplant?

Der BVI knüpft sich die ESMA vor

Der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. BVI, Europas größte Fondsvereinigung, hat als erster einflussreicher Branchenvertreter die EU-Wertpapieraufsicht ESMA bezüglich ihrer Richtlinien zu ETFs und anderen UCITS scharf kritisiert. Zum einen bemängelt der Verband den Unterschied zwischen den veröffentlichten Richtlinien und den bisherigen Konsultationsrunden. Das Thema Wertpapierleihe darf natürlich auch hier nicht fehlen. Der BVI kreidet der ESMA an, sich in einigen Punkten, vor allem mit Blick auf die Weiterleitung der Leiheerträge an Anleger, nicht eindeutig ausgedrückt zu haben und dadurch die Tür für Schlupflöcher zu öffnen. Einem Bericht zufolge überlegt die ESMA mittlerweile, mehr Klarheit zu schaffen – jedoch nicht vor 2013!

Der BVI kritisiert auch den Stil der ESMA, die Richtlinien veröffentlicht habe, die später von der Europäischen Kommission noch weiter untersucht werden sollen. Die Kommission eröffnete im Juli die Konsultation zum Thema UCITS, in denen ähnliche Fragenstellungen nachgegangen werden wie im ESMA-Papier vom 25. Juli. Der BVI nennt diese Vorgehensweise fragwürdig.

Aber auch andere Branchenvertreter haben die derzeitigen EU-Konsultationen als Forum genutzt, um ihrem Unmut gegenüber der ESMA Luft zu verschaffen.
Das letzte Wort ist also noch lange nicht gesprochen und wir dürfen gespannt sein, was in den nächsten Monaten zum Thema Regulierung noch auf uns zukommen wird.

ETF Markt – die Neuemissionen


Diese Woche haben zwei ETF-Anbieter neue Produkte auf den Markt gebracht.
Der SPDR S&P 500 Low Volatility ETF bietet Investoren erstmals die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von 100 Unternehmen aus dem S&P 500 Index mit der niedrigsten Volatilität zu partizipieren.

iShares erweitert sein Renten-ETF-Angebot und bringt den iShares Global Government AAA-AA capped Bond Fund auf den Market. Der ETF des Marktführers bietet Investoren die Möglichkeit, an der globalen Wertentwicklung von Staatsanleihen mit bester Bonität teilzunehmen. Der Index deckelt die Gewichtung bei 20% für Länder mit einem Kreditrating von AAA. Staaten mit einer AA-Bonität sind mit maximal 10% im Index vertreten

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

In dieser Woche war Palladium ganz oben auf der Einkaufsliste der Händler. Zum einen gab es eine chartechnische Korrektur beim Edelmetalls, zum anderen profitierte Palladium von einem positiven Ausblick der Automobilebranche, für die das Edelmetall ein wichtiger Rohstoff ist.

Die Aktienmärkte wurden generell von guten Wirtschaftsvorgaben aus den USA und China gestützt. Daher ist es nicht überraschend, dass wir bei den Verlieren der Woche hauptsächlich Volatilitätsprodukte finden.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.