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Lyxor buhlt um seine ETFs, Credit Suisse um Käufer für ihre ETF-Sparte. Öffentlichkeitswirksame Verkaufsoffensiven bestimmen das Bild allerorten. Die Morningstar ETF-Kolumne.

Gordon Rose 02.11.2012

Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neugelisteten Indexprodukte.

Lyxor nimmt sich Vanguard als Vorbild

iShares verliert in den USA zunehmend Marktanteile an den „Billiganbieter“ Vanguard und reduziert daher bei einigen Produkten die Management-Gebühr. Auch Europa wird mittlerweile nicht mehr von diesem Trend verschont. Wie diese Woche bekannt wurde, senkt der französische ETF-Anbieter Lyxor die Management-Gebühren bei sieben seiner Produkte um jeweils 5 Basispunkte. Die ETFs haben ein Gesamtvolumen von ca. €7 Milliarden und repräsentieren 24% des verwalteten Vermögens bei Lyxor. Anders ausgedrückt: Lyxor kassiert nun €3,5 Millionen pro Jahr weniger an Management-Gebühren.

Die Franzosen weisen jedoch die Existenz eines Preiskampfes zurück - Kosten seien nur eine Dimension der Qualität und Effizienz eines ETFs. Das kann man so sehen. Man könnte aber auch argumentieren, dass Lyxor verzweifelt um Marktanteile und Aufmerksamkeit kämpft. Laut Morningstar-Daten ist der Marktanteil der Franzosen in Europa zwischen September 2011 und September 2012 von 13,3% auf 11,1% gesunken.

Damit aber nicht genug: Lyxor wechselt bei seinem Immobilien-ETF die Benchmark; und zwar vom MSCI World Real Estate zum FTSE EPRA/NAREIT Developed Index TR. Kommt mir irgendwie bekannt vor! Im Gegensatz zu Vanguards Wechsel ist der von Lyxor jedoch eher nachvollziehbar. Die Franzosen wechseln zum Marktführer und nicht vom Marktführer der jeweiligen Anlageklasse weg. Stellt sich nur noch die Frage, warum Lyxor mit seinem Immobilien-ETF überhaupt zu MSCI gegangen ist?
Im Vergleich zu den $170 Milliarden bei Vanguard, hat der ETF von Lyxor lediglich ein verwaltetes Vermögen von €13,8 Millionen. Der Wechsel dürfte daher für MSCI zu verkraften sein; zumindest was das Finanzielle betrifft. Da Kleinvieh jedoch bekanntlich auch Mist macht, dürfen wir gespannt sein, ob mehr ETF-Anbieter die Benchmark wechseln und letztendlich der Indexanbieter MSCI eventuell seine Gebührenstruktur überdenken muss.

Konsolidierung am ETF-Markt, oder doch nur bei Credit Suisse?

Der europäische ETF-Markt scheint dem US-Markt immer schneller zu folgen. Erst schwappen der Preiskampf und der Indexwechsel über den großen Teich, nun wird das Thema Konsolidierung immer heißer. Was die Spatzen schon länger von den Dächern gepfiffen haben wurde letzte Woche offiziell: Die Schweizer Großbank Credit Suisse trennt sich von ihrem ETF-Geschäft. Wie diese Woche bekannt wurde, gründen Hector McNeil und Mik Bienkowski, beide ehemalige ETF Securities-Gründer, Boost ETP; einen neuer Anbieter von Exchange-Traded Products (ETPs). Noch ist nicht bekannt, ob das Unternehmen ETFs oder ETNs, sprich Schuldverschreiben, auf den Markt bringen wird.

Laut einem Bericht hofft der neue unabhängige Anbieter, dass sich der europäische Markt hin zum US-Model entwickelt. Heißt im Klartext: Boost ETP geht davon aus, dass europäische Banken sich in den kommenden Jahren vom ETF Markt zurückziehen werden und es mehr und mehr unabhängige Anbieter geben wird. Ist die Bekanntgabe des Verkaufs von CS ETF und die Gründung von Boost ETP innerhalb kürzester Zeit ein Zufall? Wir dürfen gespannt sein.

ETF Markt – die Neuemissionen

Die ETF-Anbieter sind wahrscheinlich mit Kostensenkungen, Benchmark- und Replikationswechsel beschäftigt, sodass keine Zeit für Neuemissionen bleibt.

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

Industriemetalle konnten in der zu Ende gehenden Woche insbesondere von positiven Wirtschaftsdaten aus den USA und China profitieren.
Auf der Verliererseite finden sich griechische Aktien und Volatilitätsprodukte. Der griechische Leitindex ist alleine am Donnerstag um 5% eingebrochen. Im Vorfeld der Abstimmungen über ein €13,5 Milliarden schweres Sparparket hat der Politiker Michalis Kassis die sozialistische Pasok-Partei diese Woche verlassen. Zudem kommt die griechische Regierungskoalition im Zuge eines Steuerskandals immer mehr unter Druck.

Volatilitätsprodukte haben hingegen unter den sonst guten Vorgaben für die Aktienmärkte gelitten.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.