iShares kommt bei Schwellenländer-Obligationen gross raus

iShares bietet bei Staatsobligationen der Schwellenländer nicht nur die meisten Produkte, sondern auch die engsten Spreads. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht. 

Gordon Rose 07.12.2012

Zu den beliebtesten Anlageregionen dieses Jahres gehören Staatsobligationen der Schwellenländer. Die Chance auf Höherstufung der Emerging Markets eröffnet Kurschancen, und die Währungen vieler Länder dürften aufgrund der wirtschaftlichen Stärke aufwerten. Diese Aussichten haben ETF-Anleger europaweit vor allem zu Bond-Produkten gelenkt, die in Papiere auf lokale Währungen investieren. Grund genug, uns diese Anlageklasse zum Jahresausklang mit Blick auf die Handelskosten genauer anzuschauen.

Die allfälligen Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade bei illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben häufig darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Angebot an lokalen Schwellenländer-Bond-ETFs begrenzt

Bei Emerging Markets Bonds gibt es insgesamt vier Produkte am europäischen ETF-Markt, die drei verschiedene Indizes abbilden.

Beim Barclays Emerging Market Local Government Bond Index handelt es sich um einen Index, der die Staatsanleihen von 8 Schwellenländern in lokaler Währung abbildet. Die Laufzeiten liegen zwischen 2 und 30 Jahren und haben je nach Region ein ausstehendes Volumen von mindestens $750 Millionen bzw. $1Milliarde.

Auch der Barclays Capital Emerging Markets Local Bond Index bietet Anlegern die Möglichkeit, an der Wertentwicklung der auf Lokalwährungen laufenden Staatsanleihen der Schwellenländer teilzunehmen. Im Vergleich zum vorherigen Index berücksichtigt dieses Barometer die Liquidität. Die maximale Gewichtung ist zudem je Land auf 10% des Fondsvermögens begrenzt. Dies hat letztendlich Auswirkungen auf die Länderverteilung. Der Barclays Emerging Market Local Government Bond Index gewichtet Mexiko mit 22% am stärksten. Im Vergleich dazu ist beim Barclays Capital Emerging Markets Local Bond Index das Gewicht Brasiliens mit 10% am höchsten.

Der dritte Index bildet hingegen lediglich asiatische Anleihen ab. Der Barclays EM Asia Local Currency Govt Country Capped Index bildet derzeit 6 Länder ab, wobei kein Land mit mehr als 40% gewichtet werden darf; Südkorea ist dabei mit 40% das Schwergewicht.

Nur physisch replizierende Produkte am Markt

Aber nun zurück zu den ETF-Spreads. Insgesamt sind die Handelsspannen im Vergleich zu liquiden Aktienmärkten wesentlich weiter. Lag letzte Woche der engste Spread bei japanischen Aktien noch bei 4 Basispunkten, sind Anleihen-ETFs der Schwellenländer nicht unter 19 Basispunkten zu haben. Die weite Spanne liegt zum einen an der generellen Illiquidität der Schwellenländer, zum anderen an der Preisfindungsproblematik bei Anleihen.

Tabelle: Marktführer iShares dominiert auch mit Blick auf die Handelskosten

Die zwei günstigsten Produkte stammen aus dem Hause iShares und bilden interessanterweise denselben Index ab, nämlich den Barclays Emerging Market Local Government Bond Index. Der günstigere ETF weist eine Gesamtkostenquote (TER) von 50 Basispunkten pro Jahr auf und ist in Irland ansässig. Er wurde in den 5 Handelstagen vom 29. November bis 05. Dezember an der Mailänder Börse mit einem durchschnittlichen Spread von 19 Basispunkten gehandelt. Der in Deutschland domizilierte ETF auf denselben Index wurde an der Deutschen Börse in dem Zeitraum mit einem Spread von 21 Basispunkten gehandelt.

Auf dem dritten Platz folgt mit einem etwas weiteren Spread von 27 Basispunkten der ETF von State Street. Dieser ETF ist mit einer TER von 55 Basispunkten zudem der teuerste. Bei den Produkten von iShares fällt hingegen lediglich eine Management-Gebühr von je 50 Basispunkten an.

Auf dem letzten Platz befindet sich wieder ein iShares-Produkt. Der iShares Barclays EM Asia LcGov Cp Bd ETF ist mit 36 Basispunkten fast doppelt so teuer wie das günstigste Produkt, bildet aber dabei lediglich den asiatischen Anleihenmarkt ab.

Trotz des illiquiden Marktes ist es interessant zu sehen, dass es keine Swap-basierten Produkte in dieser Anlageklasse gibt.

Swap-Produkte sind deshalb Mangelware, weil das Hedging für solche Produkte sehr schwer bzw. teuer käme und würde im Vergleich zum Sampling keinen Mehrwert schaffen würde. Die Indizes werden ohne Ausnahme mit dem so genannten Sampling-Verfahren abgebildet. Es wird mit statistischen Modellen eine Auswahl an Papieren getroffen, die eine hohe Korrelation zum Index aufweisen. Da die Management-Gebühren aller Produkte nahe beieinander liegen, sollten Investoren bei der Kostenanalyse die Spreads als Kauffaktor leicht übergewichten.

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.