Quo Vadis DWS Vermögensbildungsfonds I?

Ein Blick auf den UniGlobal als Indikation dafür, wie sich der Wechsel von Kaldemorgen zu Köttner auf die Aktien-Flaggschiffe der DWS auswirken könnte.

Natalia Wolfstetter 21.12.2012

Die DWS hat gestern offiziell bestätigt, dass Klaus Kaldemorgen das Management der beiden 8 Milliarden Euro schweren globalen Flaggschiffprodukte DWS Vermögensbildungsfonds I und DWS Akkumula abgibt.

Die Verantwortung für beide Fonds, die bisher relativ deckungsgleich aufgestellt waren, übernimmt im Februar 2013 Andre Köttner. Köttner hatte zuvor von Juli 2007 bis September 2012 ein anderes Flaggschiff für globale Aktien, den UniGlobal gemanagt.

Ratings ausgesetzt

Managerwechsel können sich stark auf die Anlagestrategie eines Fonds auswirken, weswegen wir die Ratings aller drei betroffenen Fonds zunächst ausgesetzt haben, um eine Neubewertung unter den veränderten Rahmenbedingungen vornehmen zu können.

Informationen über die konkreten Auswirkungen des Wechsels auf den Investmentprozess und die Aufstellung des DWS Vermögensbildungsfonds I und des DWS Akkumula liegen noch nicht vor. Ein Vergleich mit dem UniGlobal kann aber Anhaltspunkte dafür geben, in welche Richtung es gehen könnte.

Rendite und Risiko

Am augenfälligsten ist zunächst der einfache Performancevergleich, der über die letzten drei und fünf Jahre sehr deutlich zugunsten des UniGlobal ausfällt. Über fünf Jahre beträgt der Vorsprung rund 4 Prozentpunkte p.a. Auf Sicht von drei Jahren sind es sogar 7 Prozentpunkte p.a. Über zehn Jahre ist die Führung weniger stark ausgeprägt. In diesem Zeitraum lagen die Fonds lange recht nahe beieinander, und beim UniGlobal waren vor 2007 auch andere Manager am Ruder. Tatsächlich öffnete sich die Schere erst ab 2009 besonders deutlich.  Das ist auch bei den Risikokennzahlen der Fall. Generell fielen diese bei den DWS-Fonds höher aus, auch wenn bspw. der DWS Vermögensbildungsfonds I das Krisenjahr 2008 besser überstand als der UniGlobal.  In den Sommermonaten 2011 fuhren dagegen die DWS-Fonds die höheren Verluste ein. Insgesamt bestätigt sich auch risikobereinigt ein deutlicher Vorsprung des UniGlobal.

Wie aktiv?

Die DWS-Fonds verfolgten unter Klaus Kaldemorgen im Vergleich zur Benchmark MSCI World einen merklich aktiveren Ansatz als der UniGlobal, was sich am Tracking Error (auf Sicht der letzten 5 Jahre rund 3% für den UniGlobal und 6% für den DWS Vermögensbildungsfonds I), aber auch an der Active Share ablesen lässt, die die Abweichungen eines Portfolios  von der Indexzusammensetzung misst. Beim UniGlobal lag die Active Share über die vergangenen fünf Jahre bei durchschnittlich 65%, während sich die DWS-Fonds zu 86% von der Benchmark unterschieden. Jedoch haben sich diese hohen aktiven Wetten für die Anleger insgesamt nicht ausgezahlt.

Wo liegt der Schwerpunkt?

Blickt man etwas genauer auf die Portfolioaufstellung, fällt auf, dass die DWS-Fonds auf Branchen- und teilweise auch auf regionaler Ebene stärker vom Durchschnitt der Kategorie ‚Aktien weltweit Standardwerte Blend‘ und dem Vergleichsindex abweichen als der UniGlobal. Darin spiegelt sich auch die unterschiedliche Vorgehensweise der Fonds wider. Im UniGlobal liegt der Fokus auf der Einzeltitelauswahl nach fundamentalen Kriterien. Aktive Positionen kommen v.a. auf Titelebene zum Tragen. Die Länder- und Branchenallokation liegt recht nahe an der Benchmark MSCI World. Abweichung von +/- 5 Prozentpunkten gegenüber dem Index sind möglich. Der Fonds streut zudem sehr breit über 200-250 Werte und begrenzt die Gewichtung einzelner Aktien auf +/-2% gegenüber der Benchmark MSCI World. Die Outperformance gegenüber den Vergleichsmaßstäben ist damit stark in der Aktienselektion begründet, die sich auf Qualitätsunternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und moderater Bewertung stützt.

Die Anlagestrategie der beiden DWS-Fonds DWS Vermögensbildungsfonds I und DWS Akkumula unterscheidet sich davon deutlich. Hier spielen Top-Down-Überlegungen eine wesentliche Rolle. Dabei geht es darum, langfristige Trends und Themen sowie die davon profitierenden Unternehmen zu identifizieren - etwa anhand von volkswirtschaftlichen, politischen und demographischen Entwicklungen, aber auch durch die Beobachtung von Stimmungsindikatoren, Marktbewertung und Gewinnwachstum. Im Einklang damit sicherte Kaldemorgen Wechselkursrisiken ggfs. ab und steuert den Investitionsgrad sehr aktiv. Im Gegensatz dazu ist die Währungspositionierung im UniGlobal am MSCI World ausgerichtet und er ist i.d.R. voll investiert - allerdings mit Ausnahmen. So erreichte die Kassehaltung 2008/09 bis zu 15%.

Auch wenn Kaldemorgens übergeordnete Top-Down-Überlegungen seit 2009 nicht aufgingen, sahen wir hier die Stärken des globalen Aktienteams der DWS. So waren für das gute langfristige Abschneiden der Fonds, die Kaldemorgen bereits seit 1991 bzw. 1994 verantwortet, vor allem das frühe Erkennen der Tech- und Emerging-Markets-Rallye sowie die vorsichtige Positionierung 2008 ausschlaggebend. Ausgeprägte aktive Positionen auf Top-Down-Ebene führen aber auch zu deutlichen Renditeabweichungen gegenüber Vergleichsfonds, die in den letzten Jahren nicht zugunsten der Fonds und ihrer Anleger ausfielen. Dazu zählten die Untergewichtung in den USA und die Übergewichtung in Europa und Japan, aber auch die Zurückhaltung bei defensiven Konsumwerten. 

Wohin geht die Reise?

Wenn man nun davon ausgeht, dass sich die Anlageprozesse der beiden DWS-Flaggschiffe unter Andre Köttner stärker an den Ansatz des UniGlobal annähern, würde das einen merklichen Bruch herbeiführen. Die Ergebnisse dürften in Zukunft weniger stark von der Benchmark und Kategorienorm abweichen und die Fonds insgesamt ‚berechenbarer‘ werden. Mehr Indexnähe begrenzt aber die Möglichkeiten eines Managers, Verluste in starken Abwärtsphasen zu begrenzen. Auch würde die Qualität der Einzeltitelauswahl an Bedeutung gewinnen. Diese gehörte bisher nicht zu den größten Stärken der Kaldemorgen-Fonds. Andre Köttner kann hier auf einen eindrucksvollen Track Record verweisen, doch benötigt auch er einen Unterbau, der ihn bei der fundamentalen Aktienanalyse unterstützt. Dazu gehört nicht nur die personelle Ausstattung, sondern auch der Aufbau geeigneter Prozesse. Inwieweit diese bei der DWS auf den Ansatz des neuen Managers abgestimmt werden, ist unklar, zumal bestehende Strukturen nicht einfach über Nacht verändert werden können. Zwar gibt es bei der DWS schon länger Bestrebungen, die Prozesse zu formalisieren und weniger von Starfondsmanagern alter Schule abhängig zu machen, bei denen Erfahrung und Bauchgefühl noch eine große Rolle spielten. Inwieweit dieser Trend fortschreitet, bleibt abzuwarten.

Mit Andre Köttner konnte die DWS einen sehr versierten Manager gewinnen, doch kann sein Track Record beim UniGlobal nicht automatisch fortgeschrieben werden. Der künftige Erfolg seiner neuen Fonds wird von mehr als Köttners Person abhängen. Wir werden Sie über die weitere Entwicklung in unseren Rating-Updates zu den betroffenen Fonds auf dem Laufenden halten.

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar