Auch Deine Oma kann Portfolio

Egal, ob Sie im Monat €25 oder €500 sparen, oder ob Sie eine Einmalanlage tätigen: Jeder kann ein diversifiziertes, kostengünstiges ETF-Portfolio aufbauen. Wir zeigen Ihnen in unserer neuen Reihe zum Thema ETF-Sparplan, wie es geht.

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Jeder hat mal klein angefangen

Insbesondere Kleinanleger stehen immer wieder vor der Frage, ob sich Sparpläne lohnen. Wenn ja, wie viel soll in was investiert werden? Oft wird dann zu aktiven Fonds gegriffen. Ein Fondsmanager managt das Portfolio aktiv und erwirtschaftet dadurch eine attraktive Rendite - eigentlich. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass aktive Manager langfristig keinen Mehrwert schaffen. Ein Großteil der schlechten Performance ist den hohen Gebühren geschuldet. Eine Alternative sind kostengünstige ETFs. Der ein oder andere Investor wird sich jetzt am Kopf kratzen und überlegen, wie er mit €50 im Monat ein diversifiziertes ETF-Portfolio aufbauen kann. Tipp von mir: Aufhören zu kratzen und weiterlesen.

Der Portfolioaufbau

Der Grundgedanke hinter dem Vermögensaufbau ist, dass während jedes beliebigen Zeitraums eine Anlageklasse an Wert verlieren kann, während eine andere Wertzuwächse aufweist. Niemand weiß jedoch im Vorfeld, welche Anlageklasse sich wie verhält. Es geht also nicht darum, zu raten, auf was man sein Geld setzten soll, sondern eher darum, sein Portfolio zu diversifizieren, um an steigenden Märkten teilzuhaben ohne gleichzeitig die volle Wucht eines Bärenmarktes zu erleben. Diese Diversifizierung minimiert das Risiko großer Verluste, gleichzeitig büßt man jedoch kaum etwas von der  erwarteten Langzeitrendite ein. Psychologisch gesehen schützt ein diversifiziertes Portfolio vor Panikverkäufen nach großen Verlusten. Dieses Verhalten gehört wahrscheinlich zu den größten Fehlern, die ein Investor begehen kann. Fragen Sie einfach mal jemanden, der Ende 2008 aus Aktien ausgestiegen ist und die komplette Rallye im folgenden Jahr verpasst hat!

Die Asset-Allokation kann darüber hinaus erklären, warum einige Fonds bessere Renditen erzielen als andere. Zahlreiche akademische Studien--inklusive Morningstar Ibbotson's Studie "Does Asset Allocation Policy Explain 40, 90, or 100 Percent of Performance?" (Erklärt die Asset-Allokation 40, 90 oder 100% der Performance) aus dem Jahre 2000--haben gezeigt, dass der richtige Portfolioaufbau einen signifikanten Teil der möglichen Renditen innerhalb eines Fonds erklärt. Wir werden jedoch nicht ins Detail dieser Studie gehen. Wenn wir aber die Prämisse akzeptieren, dass aktive Manager wenig Mehrwert liefern, den Investoren nicht auch über eine sorgfältig Asset-Allokation selbst erzielen können, dann werden ETFs zu einem wertvollen Werkzeug für „Do-it-yourself“ Investoren.  

Idealerweise sollte ein Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffe bestehen. Für unser Ausgangsportfolio vernachlässigen wir jedoch zunächst Rohstoffe und investieren nur in Aktien und Anleihen. Obwohl Rohstoffe in einem gut diversifizierten Portfolio langfristig eine Rolle spielen können bzw. müssten, sollten insbesondere Kleininvestoren, die gerade mit dem Sparen anfangen, von einem Kosten-Nutzen-Aspekt zunächst nur in die zwei Hauptanteilsklassen investieren. Zwar fallen bei manchen Sparplänen keine Kosten für das Besparen an, jedoch sind die Verkaufskosten bei einem jährlichen Rebalancing sehr hoch. Für die weitere Analyse in unserer Serie soll dieses einfach gestrickte Portfolio aus Aktien und Anleihen lediglich als Ausgangspunkt dienen. Später werden das Portfolio weiter diversifizieren und Rohstoffe und Alternative ins Portfolio beimischen.

Aber zurück zum Portfolio. Bei der Gewichtung der einzelnen Anlageklassen gehen wir von der klassischen 60:40 Verteilung aus; sprich, 60% sind in Aktien und 40% in Anleihen angelegt. Je nach Anlagezeitraum und Risikoaversion kann die Aktienquote jedoch hoch bzw. runtergefahren werden. Je länger der Anlagezeitraum und je geringer die Risikoaversion des Anlegers ist, desto höher kann die Aktienquote sein. Ein Single, der mit 25 Jahren auf die Rente anfängt zu sparen – ja, so früh sollte man anfangen! – könnte z.B. eine Aktienquote von 70%-80% vertragen. Das Rentenportfolio eines 50 jährigen sollte hingegen eher eine Aktienquote von nur noch 20%-30% aufweisen.

Zurück zu unserem 60:40 Ausgansportfolio. Investoren, die gerade erst mit dem Sparen anfangen und/oder eine geringe Sparrate haben, sollten zunächst nur in zwei ETFs investieren. Hierbei würde sich anbieten, 60% in den MSCI World Index und 40% in den Barclays Euro Aggregate Bond Index zu investieren. Dadurch erhalten Investoren bereits ein gut aufgestelltes, diversifiziertes Portfolio bestehend aus Aktien und Renten. Der MSCI World Index besteht derzeit aus 1.604 Unternehmen von 27 Ländern. Der Barclays Euro Aggregate Bond bildet interessanterweise 39 Länder ab mit über 1.700 Anleihen.

Kleinvieh macht auch Mist

Egal, wie hoch die monatliche Sparrate ist, jeder Euro zahlt sich am Ende aus – dank des Zinseszinseffektes. Eine kleine Beispielrechnung soll das veranschaulichen. Angenommen, Investor A und B eröffnen beide ein Konto mit jeweils €100 Startkapital. Investor A investiert 60% in Aktien und 40% in Anleihen und schichtet das Portfolio jährlich in seine Ausgangsgewichtung um, tätigt jedoch keine weiteren Zuschüsse. Investor B investiert jedoch darüber hinaus über einen Sparplan monatlich zusätzlich €10.

Nach 15 Jahren ist das Portfolio von Investor A €168 wert, das von Investor B €2.676. Zieht man die monatlichen Nettoeinzahlungen (bei Investor B) wieder ab, bleiben immer noch €886. Also über fünfmal so viel wie bei einem Portfolio ohne Zuschüsse. Ein disziplinierter Ansatz mit regelmäßigen Zuschüssen lohnt sich also.

Bestimmung der Sparrate

Bei einer monatlichen Sparrate von €100 gibt es mehrere Möglichkeiten, um ein Portfolio mit einem ETF-Sparplan aufzubauen. Wir gehen wieder von unserer Beispielallokation von 60:40 aus. Zum einen können Sie jeden Monat €60 in Aktien und €40 in Anleihen investieren, bis sie eine adäquate Portfoliogröße zusammengespart haben, um dann ihr Portfolio wieder in die Ausgangsgewichtung umzuschichten. Anstatt durch Käufe und Verkäufe das Portfolio umzuschichten, können Sie auch einmal im Jahr eine Sonderzahlung tätigen und nur in die untergewichtete Anteilsklasse investieren. Auf diese Weise können Sie umschichten, ohne Verkaufskosten tragen zu müssen. Außerdem können Sie die Aufteilung ihrer Sparrate jeden Monat so anpassen, dass das Portfolio immer zu ca. 60% in Aktien investiert ist und 40% in Anleihen. Dies ist jedoch mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden; spart aber auch die Handelskosten. Investoren können auch überlegen, Ihren Sparplan nur quartalsweise auszuführen. Dabei würde sich dann empfehlen, die Aufteilung der Sparrate alle drei Monate entsprechend anzupassen, um die Handelskosten gering zu halten.

Sollten Sie ein Startkapital besitzen und/oder eine höhere Sparrate haben, dann können Sie Ihr Portfolio in Bezug auf die Rebalancingstrategie und der ETF-Anzahl individuell anpassen.

Nicht jeder spart für die Rente

Bis jetzt sind wir immer davon ausgegangen, dass für die Rente gespart wird. Jedoch gibt es auch unzählige andere Sparziele, wie z.B. die Ausbildung der Kinder, ein neues Auto oder ein regelmäßiges Einkommen. Und genau diese Ziele sollten in der Asset-Allokation verankert sein. Investoren, die auf eine regelmäßiges Einkommen aus sind, könnten z.B. anstatt in den MSCI World Index in globale Dividendentitel investieren und auch Hochzinsanleihen beimischen. Sollte für die Ausbildung der Kinder gespart werden, kann man eine ähnliche Anlagestrategie fahren, wie bei der Rente. Bei der Portfoliostruktur müssen Investoren sich also die Frage stellen, wie viel Kapital sie wann und mit welcher Sicherheit benötigen. Die Ziele sollten regelmäßig überprüft werden, mit der derzeitigen Asset-Allokation verglichen und ggf. angepasst werden.

Im nächsten Teil dieser Serie analysieren wir Möglichkeiten, wie Sie sukzessive ein noch diversifizierteres Portfolio aufbauen können, um langfristig einen Mehrwert zu schaffen.

 

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Über den Autor

Gordon Rose, CIIA, CAIA,

Gordon Rose, CIIA, CAIA,  war von 2011 bis 2014 Fondsanalyst bei Morningstar.